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Der Mann, der niemals aufgibt

„Die Trainingsbedingungen sind hier optimal“, sagt Patrick Beckert, als er in der Eishalle Erfurt eine Pause einlegt. Der Eisschnelllauf-Crack, der bislang 17 Deutsche Meisterschaften und zwei WM-Bronzemedaillen errungen hat, sagt das mit der Überzeugung eines Rückkehrers, der nun erst richtig zu schätzen weiß, was er seiner Heimatstadt zu verdanken hat.

Thüringer Dynamik: Mit 19 erstmals bei Olympia

Mit sieben Jahren stand der heute 27-Jährige zum ersten Mal in Erfurt auf dem Eis, an der Hand seiner Mutter Angela, einer ehemaligen DDR Eisschnelllauf-Meisterin. Sein geerbtes Talent zeigte sich früh: Sportgymnasium, Durchlauf aller Trainingsgruppen im Schüler- und Jugendalter, Erfolge als Junior auf nationaler wie internationaler Ebene. „Das ging stetig bergauf. Viele kleine Schritte, durch die ich jetzt dort bin, wo ich bin“, sagt Patrick Beckert, der schon mit 19 an den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver teilnahm.  

Auch 2014, bei Olympia im russischen Sotschi, erreichte der Erfurter hervorragende Finalplatzierungen auf der 5000- und der 10000 Meter-Strecke. Beckert sagte sich dann: „Was muss ich ändern, um ganz nach vorne zu kommen?“ Er entschied sich für ein individuelles Training bei Gunda Niemann-Stirnemann, der dreimaligen Olympiasiegerin und Erfurter Eisschnelllauf-Legende. Danach ging er in die Niederlande. Der Langstrecken-Spezialist lernte im Land der Eisschnelllauf-Elite andere Methoden kennen. Er habe dort kürzer, aber intensiver trainiert, so Beckert: „Dazu gehörte auch ein gezielter Kraftplan für die Muskelgruppen, die es braucht, um auf dem Eis möglichst effizient voranzukommen.“

Ein Musterathlet, der auch neue Schritte wagt

Ein eigener Kopf, der für den Erfolg auch unbequeme Wehe geht: Mit seinem Weggang hatte Beckert in Kauf genommen, zeitweilig die Förderung der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) zu verlieren. Doch im Jahr 2016 kehrte er nach Erfurt zurück, um dort mit den gewonnenen Erkenntnissen aus den Niederlanden ganz neu durchzustarten. Der hochgewachsene, 1,83 Meter messende Musterathlet mit dem dunkelblonden Bart schätzt nicht nur die optimal ausgestatteten Sportanlagen („der Kraftraum ist auch top“), sondern zudem das Netzwerk aus Ärzten, Physiotherapeuten und technischen Beratern. Im Sportzentrum Erfurt-Süd halten sich neben den Eisschnellläufern auch Eiskunstläufer, Leichtathleten und Rad-Profis das ganze Jahr fit, es ist eine von fünf Trainingsstätten des Olympia-Stützpunkts Thüringen.

Ein akribischer Trainingsplan und eiserner Wille sind nötig, damit Eiskunstläufer in den typischen „Flow“ kommen: Bewegungen, die von außen leichtfüßig aussehen, aber auf einer Distanz von zehn Kilometern mit einer enormen Kraftanstrengung verbunden sind. Beckert: „Es geht darum, das Körpergewicht effektiv zu verschieben.“

Sein großer Traum von Olympia treibt ihn immer wieder an

Patrick Beckert zählt zu den besten Läufern der deutschen Eisschnelllauf-Historie. Seit zehn Jahren bewegt er sich in der Weltspitze. Seine größten Erfolge waren bislang die zwei Bronzemedaillen auf der 10.000-Meter-Strecke bei den Weltmeisterschaften 2015 und 2017. Auf das letztjährige Rennen ist er besonders stolz: „Das waren kollektiv die schnellsten zehn Kilometer aller Zeiten, ein unglaublich hohes Niveau.“ Beckert erreichte das Ziel in12:52,76 Minuten mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 45 Kilometern pro Stunde.  

Diese Zeit hätte auch 2018 bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang für die Bronze-Medaille gereicht. Doch Beckert ging am Ende leer aus (7. Platz) – genau wie auf der 5.000-Meter-Strecke (10. Platz). Damit muss der ehrgeizige Sportsoldat, der bislang elf deutsche Rekorde aufgestellt hat, weiter daran arbeiten, dass sich sein großer Traum erfüllt: bei Olympia auf dem Treppchen zu stehen. Ausflüchte gab es nach der Enttäuschung von Südkorea bei ihm nicht. Er sei „einfach nicht stark genug“ gewesen, stand auf seiner Facebook-Seite. Aber auch dies: „Never give up.“

Es gibt immer einen Weg, egal wie ausweglos eine Situation erscheint.

Nicht aufgeben – das zieht sich wie ein roter Faden durch diese außergewöhnliche Sportler-Vita. „Ich habe gelernt, dass es immer einen Weg gibt“, sagt Patrick Beckert, „egal wie ausweglos eine Situation erscheint.“  

Im Jahr 2009 gab es so eine übermächtige Herausforderung. In der Vorbereitungsphase für die Olympischen Spiele in Vancouver hatte sich Beckert eine schwere Rückenverletzung zugezogen. Diese strahlte bis ins Knie ab, und jede Bewegung erzeugte Schmerzen. Eine komplizierte Geschichte zum ungünstigsten Zeitpunkt. Das gewohnte Radtraining konnte er über Monate nicht absolvieren. Doch der Erfurter, damals in seinem letzten Jahr in der Juniorenklasse, biss sich durch und entwickelte mit seinem Team ein spezielles Trainingskonzept, bei dem er alternativ mit Skirollern trainierte.

Die Beckert-Geschwister – eine vierfache Eis-Einheit

„Das war eine sehr, sehr schwierige Zeit“, sagt Beckert. Doch die Anstrengungen wurden belohnt: Er schaffte die Qualifikation für Vancouver, und er war damals der jüngste Eisschnellläufer, der je bei Olympia an den Start gegangen ist. Für den Thüringer, der mit vier Geschwistern in einer sportverrückten Familie ausgewachsen ist, war es ein prägendes Erlebnis. Seine ältere Schwester Stephanie reiste mit ihm nach Kanada und zählte dann mit drei Medaillen, zweimal Silber und einmal Gold, zu den erfolgreichsten deutschen Olympia-Teilnehmern. Auf Patrick Becker hinterließ es einen bleibenden Eindruck: „Die Übergabe der Medaillen, dieses Olympiafeeling, das ist alles einfach unbeschreiblich.“  

Die Familie bildet einen wichtigen Rückhalt für Patrick Beckert. Vier der fünf Beckert-Kinder haben eine Sport-Laufbahn eingeschlagen. Sein jüngerer Bruder Pedro, 22, ist sein wichtigster Partner beim täglichen Training in der Erfurter Gunda-Niemann-Stirnemann-Eishalle. Zusammen mit Pedro und den Schwestern Jessica, 24, und Stephanie, 29 (bei Olympia 2018 verletzt), gehört das Beckert-Quartett zur Topriege des deutschen Eisschnelllaufs. Gemeinsam bei den nächsten Olympischen Wettkämpfen 2022 in Peking aufzulaufen – das ist das Ziel.

Funsport in Erfurt - Tipps von Patrick Beckert

Vollgas geben  
Auch in meiner Freizeit bin ich gerne rasant unterwegs – zum Beispiel im Kartcenter Erfurt: Meistens drehe ich dort mit meinem Bruder Pedro die Runden, und ein bisschen Wettkampf zwischen uns ist natürlich immer im Spiel. www.kart-center-erfurt.de    

Bunte Jagd  
Die Paintball Factory befindet sich in Gräfenhain, etwa eine dreiviertel Autostunde südwestlich von Erfurt. Das Schießspiel mit bunter Farbmunition macht in einer größeren Gruppe ganz besonders viel Spaß. Die Anlage verfügt über einen Indoor- und Outdoorbereich. www.paintballfactory.de  

Biken im „Steiger“  
Der Steigerwald im Süden von Erfurt ist ideal zum Wandern und Mountainbiken. Ich bin die Strecken im Radtraining oft gefahren. Der „Steiger“ ist per Straßenbahn, Auto oder Rad schnell zu erreichen. Geländetaugliche Räder lassen sich zum Beispiel bei Bachus Bike ausleihen. www.bachus-bike.de

 

 

Urheber: WeltN24 / BrandStation

Den Originalbeitrag finden Sie unter www.welt.de

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