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Erfolg am Stiel

Paletas liegen voll im Trend: Vor allem in Großstädten ist das Eis am Stiel nach mexikanischem Vorbild beliebt. In Erfurt stellen die beiden Thüringer Christian Weiß und Erik Seyffarth Paletas in ausgefallenen Geschmacksrichtungen her.

Eis ist ihr tägliches Brot: Seit drei Jahren produzieren Christian Weiß und Erik Seyffarth in Erfurt sogenannte Paletas. Hinter dem spanischen Begriff verbirgt sich Eis am Stiel, auf der Basis von Früchten und frischen Säften. „Paletas werden in Mexiko an jeder Straßenecke angeboten“, erklärt Weiß. „Die Mexikaner verarbeiten frisches Obst und Gemüse zu einem qualitativ hochwertigen Eis.“

Mehr Frucht, weniger Zucker

Bei der Eisherstellung legen die beiden Inhaber von „VIVA PALETA“ Wert auf frische und gesunde Zutaten. „Das Problem ist, dass in den gängigen Eissorten heute viel zu viele chemische Zusatzstoffe enthalten sind, jedoch keine Früchte“, erklärt der 36-Jährige. Bei „VIVA PALETA“ ist es umgekehrt: Weiß und Seyffarth verzichten auf Konservierungsstoffe und setzen vorrangig auf natürliche Süße. „Wir verwenden zwar Zucker, aber nur in geringem Maße, weil die Früchte ja selbst schon viel eigenen Zucker haben“, sagt Weiß.

Von dem konventionellen Eis am Stiel heben sich die Erfurter Paletas zudem durch originelle Geschmacksvariationen ab: Statt einfachem Orangen- oder Erdbeereis gibt es hier exotische Sorten wie  Honigmelone-Gurke-Minze oder Limone Ingwer. Eine Besonderheit im Sortiment ist auch das nicht-jugendfreie Cocktaileis mit Sorten wie Sex on the Beach und Gin Tonic. Dafür arbeiten Weiß und Seyffarth mit lokalen Herstellern zusammen, zum Beispiel mit dem Erfurter Gin-Produzenten „BRICK GIN“.

Eisherstellung in der heimischen Küche

Kennengelernt hatten sich die beiden an der Erfurter Fachhochschule. Mit der Herstellung von Eis hatte ihr Studium nichts zu tun: Sie studierten Architektur. Nach dem Abschluss waren beide einige Jahre als Architekten angestellt, bis Weiß 2015 auf einen Artikel über die mexikanische Paleta-Kultur stieß – und sich beide dazu entschlossen, fortan unter die Eismacher zu gehen. „Nach den Jahren als Angestellte wollten wir etwas eigenes auf die Beine stellen“, sagt Seyffarth. „Und bei der Eisherstellung hat man im Gegensatz zur Architektur ein täglich kreatives Arbeiten, sowie Resonanz vom Kunden durch den direkten Kontakt."

Das Handwerk der Eisherstellung brachten sie sich selbst bei, in der heimischen Küche. Auf gute Geschmacksideen kamen sie beim täglichen Einkauf. „Wenn man in den Supermarkt geht, kann man sich einfach von all den Obst- und Gemüsesorten inspirieren lassen“, sagt Weiß. „Und dann legen wir los und probieren aus – da geht auch mal was schief, aber irgendwann kommt man dann zu einer neuen Sorte.“

Erster Erfolg auf dem Hafenmarkt

Vor Markteintritt wurden die ersten Sorten ausgiebig von den Kindern von Christian Weiß gekostet. „Beim Essen sind Kinder ja immer sehr kritisch“, sagt er. „Daher waren sie eine sehr gute Jury.“ Nachdem die kleinen Vorkoster das Eis für gut befunden hatten, präsentierten die Jung-Unternehmer ihre Paletas auf dem Erfurter Hafenmarkt – und stießen sogleich auf Resonanz: „Wir waren ehrlich gesagt total überrascht, wie gut unser Eis ankam und haben gemerkt, dass da eine große Nachfrage besteht“, sagt Weiß. Das hat uns dazu motiviert, das Sortiment zu erweitern, öfter auf die Straße zu gehen und eine Marke aufzubauen.“

Es folgten viele Straßenfeste, Street Food Festivals und einen Versandbereich für Hochzeiten. 2016 bauten die beiden Gründer einen Versandhandel für Hochzeiten, Firmenevents und Geburtstage auf. Auf einen eigenen Laden verzichteten sie hingegen – das Geschäft brummte auch so schon genug, dass die heimische Küche als Produktionsort bald überlastet war. „Irgendwann war die Küche nur noch voll von Eisschränken“, erklärt Weiß. Also entschieden sich die Unternehmer, eine externe Produktionsstätte, eine sogenannte Eisküche, in Betrieb zu nehmen.

Vorteil Erfurt: ein großes Netzwerk

Bei der Entscheidung, in Erfurt zu bleiben, spielte dabei eine große Rolle, dass Weiß und Seyffarth bereits auf ein gewachsenes Netzwerk an Unterstützern sowie Geschäftspartnern zurückgreifen konnten. „Man hat hier nicht so starke Konkurrenz, sondern eher ein Miteinander“, sagt Weiß. „Man merkt, dass die Menschen stolz darauf sind, in Erfurt etwas auf die Beine zu stellen.“ Sein Geschäftspartner ergänzt: „Erfurt hat einfach die optimale Größe – nicht zu groß und nicht zu klein.“

Im Mutterland der Paletas waren Weiß und Seyffarth übrigens bisher noch nicht – das könnte sich jedoch bald ändern. „Wir würden gern nach Mexiko fliegen, um uns noch mehr Inspiration zu holen“, sagt Weiß. Inspiration für neue, ungewohnte Geschmacksrichtungen, für einen Hauch lateinamerikanisches Lebensgefühl in Thüringen.

Expertentipp: Paleta-Obst muss reifen

Um selbst Paletas herstellen wollen, sollte man besonders auf die Reife der Zutaten achten. „Oft sind die Früchte im Supermarkt noch etwas unreif“, sagt Seyffarth. „Daher lieber 1-2 Tage liegen lassen, bevor man sie verarbeitet. Nur so schmeckt das Eis am Ende auch schön süß, ohne zusätzlich viel Zucker verwenden zu müssen.“

 

Bilder: © Erik Seyffarth, Alexander Manhardt.

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