Ihre Entscheidung zu Cookies auf dieser Wesite ist für uns wichtig

Wir nutzen Cookies, um statistische Daten zur Optimierung der Website-Funktionen zu erheben. Das von uns zu diesem Zweck eingesetzte Tool ist etracker. Klicken Sie auf „Stimme zu und weiter“, um Cookies zu akzeptieren und direkt zur Website weiter zu navigieren; oder klicken Sie unten auf „Cookies ablehnen“. In dem Fall können Sie dieses Internetangebot nutzen, ohne dass die genannten Tools eingesetzt werden. Einzelheiten zu Cookies und die eingesetzten Tools erfahren Sie unter Datenschutzhinweise.

Hände hoch, hier kommt Heyfair!

Ein Start-up aus Thüringen schickt sich an, die Krankenhäuser der Welt zu erobern. Heyfair aus Jena hat ein Hände-Desinfektionsmittel erfunden, das die Hände für zwei Minuten pink färbt – und so sichtbar macht, ob sie gründlich desinfiziert wurden. Im Interview verrät CEO Robert Hellmundt, 28-jähriger Absolvent der Bauhaus-Universität Weimar, warum Heyfair sich für die Farbe Pink entschieden hat und was die Investor Days in Erfurt mit dem Erfolg seines Unternehmens zu tun haben.

Herr Hellmundt, bei den Investor Days 2017 haben Sie zwei Preise gewonnen, unter anderem für den besten Elevator Pitch. Damals hatten Sie drei Minuten Zeit – erklären Sie uns bitte in 30 Sekunden, was Ihr Produkt so besonders macht.

Wir machen Hygiene sichtbar. Durch unser temporär sichtbares Händedesinfektionsmittel wird die Händedesinfektion gründlicher und regelmäßiger stattfinden. Das sorgt zum Beispiel im Gesundheitswesen dafür, dass Patienten besser vor Infektionen geschützt sind. Waren das schon 30 Sekunden?

Wann hatten Sie die Idee für Heyfair – gab es den einen berühmten Heureka!-Moment?

Die Idee hatte mein Freund und Mitgründer Alexander Döpel im Sommer 2014. Er hatte sich Gedanken gemacht, wie man das Problem mangelhafter Desinfektion besser lösen könnte. Und seine Antwort war, die Desinfektion temporär sichtbar zu machen. Er wollte das mit einer Werbeagentur als Konzept für Kreativwettbewerbe auf den Weg bringen, wovon ich ihn schließlich abbringen konnte. Wir machen nicht nur ein Konzept, sondern ein richtiges Produkt daraus, ist doch kein Problem! Bald haben wir aber gemerkt: Ganz so einfach, wie wir uns das vorgestellt hatten, war es doch nicht. Aber da hatte uns schon der Ehrgeiz gepackt. Heureka!-Momente gab es danach aber tatsächlich viele. Wir mussten unglaublich viel lernen und schwierige Probleme lösen, um bis hier her zu kommen.

Waren Sie die ersten, die auf diese Idee gekommen sind?

Wie wir erst später herausgefunden haben, haben auch andere vor uns, teilweise seit den Achtzigerjahren, an ähnlichen Ideen gearbeitet. Wir sind aber die ersten, die einen Prototypen vorzuweisen haben.

Welche Hürden mussten Sie nehmen?

Die technische Umsetzung war bedeutend schwieriger, als wir zu Beginn ahnen konnten. Die Kriterien, die so ein Produkt erfüllen muss – Hautverträglichkeit, angenehme Farbe, Entfärbung nicht zu langsam oder schnell, dass es auch auf der Kleidung verschwindet, ohne sie zu entfärben – das waren schon ziemliche Hürden. Dazu kam das Thema Finanzierung, auch das war ein steiler Weg. 

Warum lässt es sich ihn Thüringen so gut gründen?

Hier gibt es Veranstaltungen wie die Investor-Days in Erfurt. Das ist ja nicht nur ein Pitch-Wettbewerb, sondern auch eine tolle Netzwerkveranstaltung – Gründer suchen Investoren, Investoren suchen Gründer –, und es sind immer hochkarätige Investoren und Business Angels vor Ort. Dort lernt man schnell jemanden kennen, den man mit und von seiner Idee begeistern kann. Auch wir konnten dort unseren ersten Investor gewinnen.

Wann wird der erste Professor mit pinken Fingern zur Visite ins Krankenhaus kommen?

Wir planen einen stufenweisen Markteinstieg. Im Sommer werden wir ein temporär sichtbares Desinfektionsmittel für Hygieneschulungen auf den Markt bringen. Mit diesem Produkt kann man erstmals alle Aspekte einer korrekten Händedesinfektion veranschaulichen und damit so lange trainieren, bis man sie wirklich beherrscht – was übrigens viel schwerer ist, als man meinen würde. Dieses Produkt wird ganz entscheidend dazu beitragen die Qualität der Händedesinfektion in sensiblen Hygienebereichen auf ein neues Level zu heben.
Mitte 2019 soll das Desinfektionsmittel für den Praxiseinsatz auf den Markt kommen und die Anwender so fortwährend bei jeder einzelnen Händedesinfektion unterstützen. Der genaue Zeitpunkt dieses Markteintritts hängt aber auch von unseren Lizenzkunden ab, also den etablierten Hygieneherstellern, mit denen wir das schaffen möchten.

Wird es Heyfair auch für Ottonormalverbraucher im Drogeriemarkt geben?

Das ist letztlich nicht unsere Entscheidung, sondern die unserer Lizenzpartner. Ehrlich gesagt bin ich aber kein Freund von übertriebener Hygiene im Alltag. Auf Dauer wird das Immunsystem geschwächt, da es ja nicht mehr trainiert wird. Andererseits ist es alarmierend wie schlecht sich viele Leute aktuell die Hände desinfizieren. Das führt zur Entwicklung von Resistenzen, da die widerstandsfähigen Erreger überleben und auf Dauer erfolgreiche Schutzmechanismen gegen bewährte Wirkstoffe entwickeln.
Wenn die Desinfektion im Alltag also unbedingt sein muss, würde unsere Technologie zumindest dafür sorgen, dass sie es richtig machen. Die Resistenzbildung könnte so verlangsamt werden.

Warum haben Sie sich für das schrille Pink entschieden?

Wir haben eine spezielle Prozedur zur Extraktion eines Naturfarbstoffs entwickelt, den man in verschiedenen Farbtönen herstellen kann. Ursprünglich hatten wir Himmelblau bevorzugt, aber dann haben wir potenzielle Anwender befragt. Mit siegessicherem Lächeln haben wir unser blaues Desinfektionsmittel präsentiert – und totale Ablehnung geerntet. Pink kam deutlich besser an.

Haben Sie Tipps für Start-ups parat, die auf den Investor Days 2018 nach Investoren suchen? Wie sollten sie sich verhalten?

Das Ziel des Elevator-Pitches ist das Geschäftsmodell für Laien verständlich und einprägsam zu erklären. Das schafft man in der Regel, indem man nicht nur informiert, sondern auch unterhält. Geschichten eignen sich häufig sehr gut dafür. Außerdem muss man unbedingt darauf achten, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Details und komplizierte Informationen haben im Pitch nichts verloren. Bei der riesigen Informationsflut, die bei über 20 Pitches auf das Publikum hereinbricht, bleibt ohnehin nicht allzu viel hängen. Wenn man das alles beachtet und den Pitch gut hinbekommt, wird man im Anschluss aber mit vielen Gesprächen belohnt. Dort kann man dann ausführlich werden und zeigen, dass man wirklich Experte auf seinem Gebiet ist.
Auch wenn man dann nicht sofort Investoren findet, muss man weiter am Ball bleiben, die Kritik ernst nehmen und kontinuierlich am Geschäftsmodell und dem Unternehmen arbeiten. Früher oder später klappt es dann schon. Die meisten Investoren sind außerdem sehr hilfsbereit und haben gute Hinweise und Kontakte, wenn man sie danach fragt.

Ähnliche Artikel

"Erfindergeist ist Teil unserer Kultur"

Was treibt uns Menschen eigentlich an? Ein Startup-Gründer und ein Wissenschaftler über Innovation, Mobilität und den Grund dafür, dass uns nicht so...

Made in Thüringen

Was der Laufsteg für die Haute Couture ist, ist die Hannover Messe für Industrietechnologie: Hier zeigt sich die Zukunft. Auch elf Unternehmen aus...

Der Chocolatier von der Krämerbrücke

Alle meine Interessen, für die es schwierig war, einen Beruf zu finden, habe ich auf einmal beim Essen wiedergefunden.