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Die Heyfair-Gründer Robert Hellmundt und Alexander Döpel
Gute Aussichten: Die Heyfair-Gründer Robert Hellmundt (r.) und Alexander Döpel in ihrem Büro in Jena

Heyfair: Ist Pink die Farbe des Erfolgs?

Robert Hellmundt und Alexander Döpel vom Jenaer Start-up Heyfair besuchen den Ort, wo aus einer Idee ein Traum wurde: Im neudeli, dem Inkubator der Bauhaus-Universität Weimar, erinnern sich die beiden preisgekrönten Gründer, wie alles anfing, und erklären, wie ein Desinfektionsmittel, das die Hände kurzfristig pink färbt, die Hygiene in Krankenhäusern revolutionieren könnte.

Für Robert Hellmundt begann die Zukunft in einer dreistöckigen Gründerzeitvilla mit Garten. Hier, unweit des Weimarer Ilmparks, ist das neudeli zu Hause. So nennt sich der Start-up-Inkubator der Bauhaus-Universität, die nur einen kurzen Fußweg entfernt ist. Dort hat Hellmundt Visuelle Kommunikation studiert, und dort hatten er und sein heutiger Geschäftspartner Alexander Döpel eine Idee: Wie wäre es, wenn man Hygiene sichtbar machen würde? Die beiden dachten lange darauf herum, suchten einen gestalterischen Zugang zum Thema – und fanden eine Geschäftsidee. Und hier kommt das neudeli – benannt nach einem ehemaligen Delikatessengeschäft, in dessen Räumlichkeiten der Inkubator 2002 eine kurzfristige Heimat fand – ins Spiel: Die Mitarbeiter der Gründerwerkstatt halfen Hellmundt und Döpel dabei, aus einer cleveren Idee ein Business zu machen.

Die Zeit am neudeli war enorm hilfreich für Heyfair

Hellmundt lebt und arbeitet in Jena, aber er kommt immer wieder gern zurück nach Weimar, an den Ort, wo alles anfing. An diesem Sommermorgen besucht er das neudeli, wo ihn die langjährige Gründerwerkstatt-Mitarbeiterin Juliane Seeber zur Begrüßung herzlich in den Arm nimmt. Die Beraterin und der angehende Gründer haben hier ab 2014 lange Tage (und manche Nächte) zusammen am Geschäftsmodell getüftelt. „Die Zeit am neudeli war enorm hilfreich“, sagt Hellmundt mit einem Blick auf Seeber. „Juliane und die anderen haben viel dazu beigetragen, diese wilde Vorgründungszeit zu strukturieren. Ich habe gelernt, wie man eine Idee kommuniziert, wie man an Kunden und Investoren herantritt. Und wir haben zusammen an der strategischen Ausrichtung und an dem Businessplan gearbeitet.“

Überraschend hohe Hürden

Know-how, ohne das auch die beste Idee nicht durchstartet. Und die Idee von Heyfair ist wirklich gut, wie auch das positive Echo in der Presse zeigt: Die  „Wirtschaftswoche“ gab ihr Anfang 2019 die Höchstwertung und empfahl eine Investition in das Start-up. „Wir machen Hygiene sichtbar“, erklärt Hellmundt. „Unser Desinfektionsmittel färbt die Hände temporär pink, sodass etwa Ärzte oder Labormitarbeiter leicht erkennen können, ob sie ausreichend desinfiziert haben.“ Damit bietet Heyfair eine potenzielle Lösung für eines der drängendsten Problemfelder des Gesundheitssystems: die Ansteckung mit gefährlichen Keimen durch mangelhafte Desinfektion.

Nach dem Studium war für Hellmundt und Döpel klar: Wir wagen es, widmen unsere Zeit und Energie vollständig dem Projekt Heyfair! Was sie zu diesem Zeitpunkt nicht ahnten: Die Hürden waren enorm hoch. Die technische Umsetzung entpuppte sich als wesentlicher komplexer als gedacht, dabei geht es vor allem um Themen wie Hautverträglichkeit, Geruch – und die richtige Farbe. „Ursprünglich sollte unser Produkt schlumpfblau sein“, erzählt Hellmundt und lacht. „Das stieß aber bei allen, denen wir es gezeigt haben, auf heftige Ablehnung. Und so wurde pink daraus, das kam sofort gut an, vielleicht weil es näher am natürlichen Farbton der Haut ist.“

Thüringen ist ein gutes Bundesland, um zu gründen

Der Weg zu einem ersten Prototyp war länger als erwartet – und teurer. Immer wieder müssen die beiden jungen Gründer sehen, woher sie das nötige Kapital beschaffen, ständig ist das Geld knapp. Ende 2018 gab es den lang ersehnten Durchbruch, Heyfair sammelte bei Investoren mehrere Hunderttausend Euro ein, unter anderem von der bm|t Beteiligungsmanagement Thüringen GmbH. Auch private Investoren wurden frühzeitig aufmerksam auf Heyfair. Dafür sorgte auch die Teilnahme an Netzwerkveranstaltungen wie den Investor Days, wo das Jenaer Start-up 2017 gleich zwei Preise abräumte, oder 2018 der Gewinn des mit 75.000 Euro dotierten Thüringer Gründerpreises für den besten Businessplan.

 

„Thüringen ist ein gutes Bundesland, um ein Unternehmen zu gründen“, sagt Hellmundt. „Das liegt an den vielen Hochschulen, die Spitzenforschung betreiben und Leute in vielen Bereichen hervorragend ausbilden, sodass ein Pool an potenziellen Mitarbeitern vorhanden ist. Außerdem gibt es eine Infrastruktur aus Business Angels und anderen Risikokapitalgebern, die gern in Thüringen investieren. Das sind gute Voraussetzungen, um ein Unternehmen zu starten und groß zu machen.“

Die Roadmap – also der detaillierte Plan – für die Markteinführung des fertigen Produkts steht bereits, Umsatz generieren Hellmundt und Döper schon seit einiger Zeit: Auf der Basis ihres Prototyps haben die beiden das zweistufige Schulungsprodukt SteriCoach® entwickelt, das bereits mehr als 100 Unternehmen nutzen, um ihren Mitarbeitern die richtige Desinfektionstechnik beizubringen.

Ich vermisse nichts in Jena

In eine der großen deutschen Start-up-Metropolen zu wechseln, war für Hellmundt nie ein Thema. Der gebürtige Thüringer ist nicht nur von der hiesigen Förderlandschaft überzeugt, er findet auch, dass der Freistaat der ideale Ort ist, um seine Familie großzuziehen. Der Vater zweier Kinder liebt das Leben im „grünen Jena“, die Wochenenden im Park, den Garten seiner Eltern und das Ausgeruhte in der Gegend. „Ich vermisse hier nichts“, sagt Hellmundt, der früher auch einige Zeit in Berlin lebte, „vor allem nicht den permanenten Trubel der Großstadt.“ Nur einmal wird er für einen Moment etwas wehmütig, weil er kurz daran denkt, dass er sich nicht mehr so oft wie früher ins Nachtleben stürzen kann: „Ich freue mich heute schon, wenn ich am späten Abend noch eine Folge einer Serie schaffe.“ Ob Hellmundt in näherer Zukunft viel Zeit für „Game of Thrones“ und „Stranger Things“ haben wird, darf bezweifelt werden. Bis das Produkt von Heyfair in den ersten Krankhäusern für mehr Hygiene sorgen wird, gibt es noch viel zu tun.

Heyfair GmbH

Heyfair Steri Coach

Winzerlaer Straße 2

07745 Jena

https://www.heyfair.de/

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