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Kaffeebecher für unterwegs – aber nicht zum Wegwerfen

Lisa Keller hat einen Kaffee-to-go-Becher aus Porzellan entworfen – und dafür mehrere Auszeichnungen erhalten. Die Designerin aus Jena verrät, wie sie traditionelles Handwerk und moderne Lebenswelten zusammenbringt – und gibt Tipps fürs Design-Shopping in Thüringen.

Vor zehn Jahren hatte Lisa Keller ihr Schlüsselerlebnis. Es war während ihrer Aufnahmeprüfung für die Bauhaus-Universität Weimar. Die Aufgabe lautete, einen Reißverschluss zu zeichnen. Was gar nicht so einfach ist, wie es zunächst klingt. Denn es kommt auf die Details an.

Ganz schematisch sei sie vorgegangen, habe „Schritt für Schritt“ gezeichnet, erzählt die 31-Jährige. Und bekam dafür überraschendes Lob vom Professor. Sie sei eine der wenigen, die verstanden habe, „wie ein Reißverschluss funktioniert“. Viele der Bewerber waren zu künstlerisch an die Sache herangegangen, mussten ihre Buntstifte und Aquarellkästen wieder einpacken und sich anderswo bewerben. Keller hingegen wurde angenommen.

Lisa Keller knüpft an die Tradition des thüringischen Familienunternehmens Kahla an

Schon vorher, während eines Frankreichaufenthalts nach dem Abitur, merkte Keller, dass die Mischung aus funktionalem und gestalterischem Denken ihre Sache sein könnte. Und während der Aufnahmetests für die Bauhaus-Universität und die Berliner Universität der Künste (UdK) stellte sich endgültig heraus: „Das macht mir einfach Spaß.“

Ihren ersten Kontakt mit Porzellan hatte Keller während des Studiums

Mittlerweile hat Keller den Spaß professionalisiert, arbeitet seit gut vier Jahren als Designerin für Kahla Porzellan in Jena, wo sie zusammen mit ihrem Freund lebt. Das thüringische Familienunternehmen gibt es bereits seit 1844, blickt also auf eine lange Geschichte zurück. An diese Tradition knüpft Keller an, aber auch an eine andere Triebfeder des Unternehmens: Innovation. Kahla hatte vor 20 Jahren einen großen Durchbruch mit einem Service ohne Kaffeekanne, damals ein absoluter Tabubruch.

Mir gefällt das skandinavische Design sehr, dieses Aufgeräumte und Klare.

Lange Jahre wurde Kahlas Linie von Chefdesignerin Barbara Schmidt bestimmt. Die Revolutionärin des Geschirrs, wie der „Tagesspiegel“ sie nannte, war ein wichtiger Einfluss für Keller. „Ich habe mich schon immer für Kochen, Küche und Tischkultur interessiert“, erzählt sie bei unserem Treffen in einem Café in Berlin. Immer noch hat Keller ein Zimmer in der Hauptstadt, wo sie aufwuchs. Schmidt lernte sie während des Studiums kennen, als diese ein Porzellanprojekt betreute – Kellers erster direkter Kontakt zu Porzellinern, wie man die Mitarbeiter einer Porzellanmanufaktur bezeichnet.

Prägend für Keller war aber nicht nur ihre Arbeit mit Schmidt, sondern auch ihre Zeit in Helsinki, wo sie während ihres Studiums ein halbes Jahr verbrachte. „Mir gefällt das skandinavische Design sehr“, sagt Keller, „dieses Aufgeräumte und Klare.“ In Ländern wie Finnland gehöre Design zum Alltag, sei „das Natürlichste von der Welt“, so Keller. Auch wenn es ein Klischee sei, dass die Skandinavier Sinn für guten Geschmack haben – Keller erlebte es so: „Du kommst zu jemandem nach Hause, und es ist immer schön.“

Kellers To-go-Becher ist nicht aus Pappe, sondern aus Porzellan – ein echter Hingucker

Inzwischen ist Keller Schmidts Nachfolgerin geworden. Sie weiß, dass die Fußstapfen ihrer Vorgängerin ziemlich groß sind: Immerhin habe diese „das gesamte Designbild von Kahla geschaffen“. Doch schon jetzt hat Keller sich einen guten Ruf in der Branche erarbeitet. Der von ihr entworfene Kaffee-to-go-Becher „cupit“ wurde bereits mit mehreren Designpreisen ausgezeichnet.

Was macht diesen Becher preiswürdig? Zum einen natürlich das Material: Der „cupit“ ist nicht aus Pappe oder Bambus, sondern natürlich aus Porzellan. Keine Wegwerfware, sondern ein Stück Luxus für den Alltag. Ein Hingucker, aber vor allem nachhaltig. Und ein Zeichen gegen gedankenlosen Konsum. 320.000 Kaffeebecher würfen die Deutschen auf den Müll, sagt Müller. Pro Stunde.

Ich würde gern mal eine Vase gestalten. Da steht die Funktion noch mal ganz anders im Vordergrund.

Auch auf die Multifunktionalität hat Keller bei der Gestaltung geachtet: „Ich wollte unbedingt einen Becher machen, der auch ohne Deckel funktioniert.“ Viele Becher testete Keller, die meisten hatten eine Wulst oder eine Nut, damit der Deckel auch dicht hält. Schnell wurde ihr klar, dass ihr Becher eine konische Form haben muss, also nach oben hin breiter wird.

Eine kleine Hürde war, dass Porzellan ein Naturmaterial ist und nicht detailgenau formbar. Die kleinen Unebenheiten am Becherrand musste der Deckel ausgleichen, der gleichzeitig geschmacksneutral sein musste. Ein in Thüringen hergestellter Kunststoff bot Keller schließlich alle gesuchten Eigenschaften.

Design, das ist der Einklang von Form und Funktion

Die Aufgabe einer Designerin ist es, den Einklang von Form und Funktion herzustellen. Ein traditionelles Material wie Porzellan ist da eine besondere Herausforderung – der sich Keller Tag für Tag gern stellt. Sie probiert immer wieder Neues aus: „Ich würde wirklich gern mal eine Vase gestalten“, sagt Lisa Keller. „Da steht die Funktion noch mal ganz anders im Vordergrund. Die Funktion ist klar, und man kann der Form eine ganz andere Aufmerksamkeit schenken.“

Design-Shopping in Thüringen: Tipps von Lisa Keller

Die mittelalterliche Leuchtenburg bietet nicht nur einen spektakulären Rundblick, sondern macht auch Porzellan erlebbar. Die Ausstellung „Porzellanwelten“ sei „unglaublich innovativ, modern und kinderfreundlich“, so Keller. Und sie bietet einen Shop, in dem diverse Porzellanartikel verkauft werden.

Im Zentrum von Kellers Zuhause Jena liegt die Galerie Handwert. Hier werden unter anderem „tolle Gläser, sehr viel selektierte, designige Haushaltswaren und Möbel von Team 7“ angeboten, so Keller. Vom Shoppen kann man sich dann in der Kaffeerösterei Markt 11 erholen, die gleich nebenan liegt.

Im Bauhaus.Atelier I Info Shop Café an der Bauhaus-Universität Weimar gibt es originelle Bücher, Designstücke und Souvenirs.

Handgefertigten Schmuck aus Holz, Silber und Gold verkauft die Goldschmiedeschauwerkstatt am Johannisplatz in Eisenach. Außerdem werden hier Goldschmiedekurse angeboten.

Urheber: WeltN24 / BrandStation

Den Originalbeitrag finden Sie unter www.welt.de

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