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(K)eine Schnapsidee: Whisky aus Thüringen

Whisky von den sanften Hügeln des Eichsfeldes in Thüringen? Kann das funktionieren? Sogar blendend, wie die Brauerei Neunspringe zeigt. Ihr Chef Bernd Ehbrecht verbindet Brennkunst mit unternehmerischen Mut. Eine Erfolgsstory.

Der Mann hat es sich auf seiner Holzunterlage gemütlich gemacht. So thront Bernd Ehbrecht mit seiner stattlichen Statur inmitten von Hunderten von alten Weinfässern. Er lacht verschmitzt. „Der Ehbrecht hat doch 'ne Vollmeise“, erinnert sich der Chef der Brauerei Neunspringe an die Stimmungslage, die vor ein paar Jahren in seinem Heimatort Leinefelde-Worbis vorherrschte.  

Whisky – von hier? Viele Einheimische hielten es für eine verrückte Idee, als Bernd Ehbrecht damit begann, auf dem Firmengelände der traditionsreichen Biermarke mit einer Brennanlage, Gerstenmalz, Hefe und ganz neuen Aromen zu experimentieren. Mitte 2013 verteilte er dann das erste Whisky-Destillat auf die Fässer, die nun der ganze Stolz des 61-Jährigen sind. Drei hochwertige Sorten Single Malt Whiskys made in Thüringen, insgesamt rund 70.000 Liter, reifen heute in Ehbrechts Kellern.

Ein Bankkaufmann entdeckt in Schottland die Liebe zum Whisky

Die Whisky-Herstellung ist eine Wissenschaft für sich. Und wer sie betreibt, sollte auch die Leidenschaft für den Geschmacksreichtum dieser besonderen Spirituose mitbringen. Bei dem Thüringer geht diese auf ein Schlüsselerlebnis im Jahr 1993 zurück. Bernd Ehbrecht, seiner Zeit noch Angestellter einer Bank, wanderte an einem sonnigen Septembertag mit zwei Freunden durch die schottischen Highlands, dem Ursprungsland vieler Whisky-Mythen: „Uns war etwas langweilig, und wir haben uns an eine Quelle gelegt, wir hatten außerdem eine Flasche Oban 14 dabei.“  

Der schottische Oban 14 ist seitdem Ehbrechts absoluter Lieblingswhisky – und inzwischen das Maß aller Dinge in seiner eigenen Distillerie. „Das vergesse ich nie wieder, wir wir an diesem Tag die Flasche nach und nach geleert haben“, schwärmt er, „mit 'nem Tröpfchen Gebirgsquellwasser dazu.“

Eichsfelder Wasser – gleichermaßen gut für Bier und edle Tropfen

Frisches Quellwasser sprudelt auch reichlich im Eichsfeld, dieser einzigartigen nordthüringischen Landschaft mit ihrem weit verzweigten Bach- und Flusssystem. Die Brauerei Neunspringe bezieht ihr Wasser seit mehr als 150 Jahren aus neun dieser Quellen (was sich schließlich auch im Traditionsnamen widerspiegelt). Diese bevorzugte Lage und die Infrastruktur des Bierbrau-Betriebes zur Whisky-Gewinnung zu nutzen, machte für den Berufsumsteiger Ehbrecht absolut Sinn, nachdem er 2006 die Geschäftsführung der Brauerei übernommen hatte.  

Whisky muss in Ruhe reifen. „Sie zahlen insgesamt dreieinhalb Jahre lang die Produktion, die Fässer und die Lagerung, das ist nicht gerade billig“, erklärt Ehbrecht, der sich einige Jahre gedanklich auf die mutige Investition vorbereiten konnte. Schon im Jahr 1996 hatte der gelernte Bankkaufmann Anteile an der damals privatisierten Brauerei gekauft, um dann zehn Jahre später die ehemalige VEB Brauerei Neunspringe ganz zu übernehmen.  

„Als Getränkeproduzent sind wir saisonal sehr abhängig. Im Sommer wird naturgemäß mehr Bier und Limonade getrunken als im Winter.“ – Als kühler Rechner setzte der neue Brauereichef daher darauf, mit Hochprozentigem die Schwankungen auszugleichen. In der ausgelagerten Number Nine Spirituosenmanufaktur werden Rum, Gin, Edelbrände und Liköre produziert. Das Herzstück aber bilden die Single Malt Whiskys, speziell für den Genuss an langen Herbst- und Winterabenden.

Voll im Trend: Hochprozentiges mit regionalem Bezug

Als der leidenschaftliche Whisky-Trinker Ehbrecht im Jahr 2012 mit dem Brennen begann, galt das Motto: nicht kleckern, sondern klotzen. „Ich habe damals gleich eine 500-Liter-Brennblase erworben“, erzählt er, „damit wir natürlich auch gleich die Dimension vorgegeben, in der wir hier arbeiten wollten.“ Die Bewegungen im bundesdeutschen Getränkemarkt bestätigten ihn allerdings in seiner Entscheidung: Während einerseits der Pro-Kopf-Verbrauch an Bier seit Jahren stark zurückgeht, werden hochwertige und regional verwurzelte Spirituosen immer beliebter.  

Handgefertigter Gin aus Hamburg oder Whisky von den Hügeln Frankens oder Thüringen – voll im Trend. Viele der inzwischen rund 150 Whisky-Brennereien, darunter zahlreiche kleine  Manufakturen, haben sich im Verband Deutscher Whiskybrenner (VDW) zusammengeschlossen. Beim hiesigen Whisky-Absatz liegt der Anteil deutscher Erzeugnisse derzeit noch knapp unter zwei Prozent. Ziel des Verbands ist es, diesen mittelfristig auf fünf Prozent zu steigern.

Wir haben anfangs auch eine Menge in den Gulli gekippt.

Bernd Ehbrecht hatte klare Vorstellungen von seinem künftigen Whisky. „Wir haben von Beginn an ein fruchtig-malziges Destillat angestrebt, das sich in der Fasslagerung weiterentwickelt.“ Ein halbes Jahr experimentierte man mit verschiedenen Malz-Sorten, dem richtigen Mischverhältnis, der Lagerungsart. In dieser Zeit sei auch „eine Menge in den Gully gekippt“ worden. Der Beschaffenheit des Fassholzes kommt eine entscheidende Bedeutung für das Aroma zu. Eichenholz verleiht dem Whisky die Würze. Eine Umlagerung in gebrauchte Weinfässer hebt schließlich den waldfruchtigen Charakter hervor. Ehbrecht benutzt Madeira-, Marsala- und Muscatelfässer.

Eine eigene Burg für den Whisky aus Thüringen

Die aktuellen Premium-Whisky-Sorten aus Thüringen sind mindestens drei Jahre lang gereift, künftig möchte man auch Lagerungen von 6 und 12 Jahren anbieten. Die entsprechende Abstimmung ist hohe Brennerkunst und hängt von den äußeren Bedingungen ab. Ehbrecht: „Der Prozess wird klimatisch beeinflusst. In Schottland lagern die Fässer in immer gleich temperierten Räumen, da dauert die Reifung länger.“ In Thüringen sind die Temperaturschwankungen höher, und die Number One Whiskys werden in Kellerräumen wie auch unter Dächern gelagert. Die Reife kann schneller erreicht sein. „Wenn ich den Whisky-Experten glauben darf, hat unser Dreijähriger durchaus schon die Qualitäten eins 10- bis 12-jährigen Schotten“, sagt Ehbrecht.  

In Schottland prägen Hügel und Burgen die Landschaft. Diese Verbindung möchte Bernd Ehbrecht bald auch in seiner nordthüringischen Heimat herstellen. Er hat Burg Scharfenstein, etwa 15 Autominuten von der Brauerei entfernt, gepachtet, um dort im Juni 2018 seine „Whiskyburg“ zu eröffnen. Sein Nutzungskonzept für die erstmals im Jahr 1209 urkundlich erfasste Burg sieht Räume für Whisky Tastings, Vorführungen und Verkauf vor: „Das ist meines Wissens einzigartig in Kontintaleuropa. Wir schaffen hier einen neuen touristischen Magneten in der Region Eichsfeld.“

Schon jetzt denkt Bernd Ehbrecht an eine eigene „Edition Scharfenstein“. Und vielleicht reift sie schon jetzt in einem der Fässer heran, auf denen der künftige Schlossherr so gern Platz nimmt.

Mehr Info und Shop: https://www.number-nine.eu

Eine Liste deutscher Whisky-Hersteller: www.number-nine.eu

Thüringer Hochland: Tipps von Bernd Ehbrecht

Panorama mit Burg
Die Teufelskanzel bei Bornhagen ist ein Aussichtspunkt auf 450 Meter Höhe. Von dort blickt man auf die herrliche Werraschleife vor der Kulisse der Ludwigsburg in Hessen. Er ist in 20 bis 25 Minuten zu Fuß vom Parkplatz in Rothenburg zu erreichen.  

Bis zum Brocken
Die Burg Scharfenstein wurde bereits Anfang des 13. Jahrhunderts erstmals urkundlich erwähnt. Sie bietet neben der imposanten Architektur einen fast grenzenlosen Fernblick über den Eichsfelder Kessel bis hin zum Brocken.

Dem Himmel nah
Im Frühjahr 2017 wurde im Eichsfeld eine besondere Attraktion eingeweiht: der Sonnensteiner Skywalk bei Holungen, ein gläserner Steg, der von einer Klippe des Sonnensteins in die Landschaft ragt. Der Berg ist knapp 500 Meter hoch. Der Ausblick auf die goldene Mark bei Duderstadt ist fantastisch.

 

 

Urheber: WeltN24 / BrandStation

Den Originalbeitrag finden Sie unter www.welt.de  

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