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Foto: ©Christopher Michaelis, www.chmichaelis.com

London, Tokio, Riad – Gera!

Sein Zuhause ist die Welt, seine neue Heimat Thüringen: Wie der Londoner Englischlehrer Alpesh Patel über die Umwege Japan und Saudi-Arabien nach Deutschland gekommen ist – und warum er bleiben will.

Fast zwei Milliarden Menschen sprechen es, auch das Internet geht nicht ohne – Englisch ist die Weltsprache Nr.1. Für den in London geborenen Alpesh Patel gilt das in besonderem Maße: Der 36-Jährige unterrichtet seit vielen Jahren Englisch, und das nicht nur mit Leidenschaft, sondern auch ziemlich global. Sein Lebensweg führte ihn von der britischen Metropole über die Neun-Millionen-Einwohner-Stadt Tokio und Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad bis nach Gera. Gera? Dafür war eine Sprache verantwortlich, die noch globaler ist als Englisch: die Liebe.

Seine heutige Freundin Jenny lernte Alpesh 2017 kennen, als die damalige Jurastudentin für ein Praktikum in London war. Der Stadt, in der er geboren wurde und aufgewachsen ist, und in die er gerade nach einem dreijährigen Aufenthalt in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad zurückgekehrt war. Knapp zwei Jahre später zog Alpesh aus der britischen Metropole ins beschauliche thüringische Städtchen Gera. Eine besondere Station auf einem langen und aufregenden Weg.

Erste Station: Japan

Alpesh ist der Sohn eines indischen Ehepaars, das über den Umweg Kenia nach London kam. Nach dem Englischstudium an der Queen Mary University of London war für ihn klar: Er wollte etwas von der Welt sehen. Oder besser: möglichst viel davon. Seine erste Station war Tokio. Die japanische Kultur faszinierte den Londoner, der mit Mangas und Nintendo aufgewachsen ist, schon lange. In der japanischen Hauptstadt half er Kindern und Erwachsenen dabei, ihre Englischkenntnisse zu verbessern – und lernte selbst viel: „Vor allem hat mich fasziniert, welchen Stellenwert dort Ordnung, Verlässlichkeit und Pünktlichkeit haben, Werte, die ich übernommen habe“, sagt Alpesh, der vier Jahre in Tokio blieb. „Dann brauchte ich eine neue Herausforderung, und bin zurück nach London gegangen, um mir darüber klar zu werden, was mein nächstes Ziel sein sollte.“

Riad – eine neue Herausforderung

Er entschied sich für Riad, die Hauptstadt Saudi-Arabiens, weil er überzeugt war, dass er hier Erfahrungen sammeln konnte, die ihm noch fehlten. Über eine Online-Jobbörse fand er einen Job als Englischlehrer und startete in das nächste Abenteuer. Eine faszinierende Zeit seien die drei Jahre in Riad gewesen, so Alpesh, auch und gerade wegen der Herausforderungen: Viele seiner Schüler musste er erst einmal überzeugen, dass es okay war, von einem Nicht-Moslem unterrichtet zu werden. „Rasse, Religion oder Hautfarbe spielen für mich keine Rolle“, sagt Alpesh, der Empathie und Leidenschaft zu seinen Stärken zählt. „Ich will meinen Job so gut wie möglich erledigen, was auch heißt: meinen Schülern das zu geben, was sie brauchen. Und das haben sie verstanden und respektiert.“

Eine Thüringerin in London

Doch Alpesh wollte mehr als „nur“ Lehrer sein – sein eigener Herr. Um Erfahrungen im eher administrativen Bereich zu sammeln, ging er erneut zurück nach London. Dort arbeitete er in der Verwaltung einer Schule – und traf die Frau, die seinem Leben eine ganz neue, unerwartete Wendung geben sollte. „Jenny schlug vor, gemeinsam in Deutschland zu leben. Sie ist in Greiz geboren und hat in Jena Jura studiert. Nach ihrem Praktikumssemester in London ist sie zurück nach Thüringen gegangen.“ Für Alpesh klang die Idee, nach Deutschland zu ziehen, reizvoll: „Auch mein Bruder war lange hier, in Berlin. Aber ich wollte nicht schon wieder in einer Metropole wohnen. Hier in Gera arbeitet Jenny heute für internationale Unternehmen als Anwältin für Datensicherheit – und ich habe mein eigenes kleines Unternehmen ,Englisch in Thüringen‘ gegründet.“ Dabei bekam Alpesh viel Unterstützung, wie er betont: „Die Gesellschaft für Arbeits- und Wirtschaftsförderung hat mir bei meinen ersten Schritten großartig geholfen. Und Christopher Michaelis vom ThEx, dem Thüringer Gründerzentrum, stand mir immer mit Rat und Tat zur Seite.“

Nach Thüringen zu gehen stellte sich für Alpesh als die absolut richtige Entscheidung heraus, auch weil er es liebt, bei Bahnfahrten Land und Leute kennenzulernen. „Ich bin mit dem Zug schnell überall dort, wo ich arbeite. Und ich sitze nicht in einer überfüllten U-Bahn, sondern kann aus dem Fenster schauen und die Landschaft genießen.“ Er unterrichtet unter anderem an mehreren Volkshochschulen und an der Dualen Hochschule Gera-Eisenach, aber auch bei Unternehmen wie Trumpf Medical in Saalfeld. In Corona-Zeiten natürlich von zu Hause aus, aber das sei kein Problem, sagt Alpesh, auch online könne er problemlos unterrichten.

Zum Ausgleich für die vielen Stunden vor dem Computer am heimischen Schreibtisch geht er gern raus in die Natur: „Es gibt hier so viele Möglichkeiten, sich an der frischen Luft zu bewegen. Am liebsten gehe ich morgens spazieren und höre zu, wie die Vögel sich unterhalten.“ Sich zu unterhalten, sich über Nationalitäten und Kulturen hinweg auszutauschen, das ist es, was für Alpesh Patel das Leben lebenswert macht – und was auch seinen Job ausmacht: „Manche nennen es Englischlehrer, ich sage aber: Ich bin jemand, der Menschen zeigt, wie sie miteinander kommunizieren und ihre Erfahrungen teilen können.“ Und es spiele keine Rolle, ob er das in Tokio, Rihad, London oder Gera mache: „Am Ende sind die meisten Menschen ähnlich, sie wollen einen guten Job, ein gutes Leben haben, etwas von der Welt sehen – und ab und an ein gutes kaltes Köstritzer trinken“, sagt Alpesh und lacht.

Der Englischlehrer gibt auch Indisch-Kochkurse

Mit Kommunikation hat auch Alpeshs zweites Standbein viel zu tun: Er gibt auf Englisch  private Kochkurse, bei denen indische Gerichte auf dem „Lehrplan“ stehen. „Die Thüringer Bratwurst hat es mir zwar auch angetan, aber die können die Leute hier besser. Mir macht es Spaß, ihnen die Geheimnisse der echten indischen Küche zu zeigen. Vor allem, weil die indischen Restaurants, die ich in Deutschland kenne, nicht so gut sind.“

Seit Februar 2019 lebt Alpesh Patel jetzt in Thüringen, und für ihn läuft es sehr gut. Eine eigene Sprachschule will er trotzdem nicht eröffnen: „Dafür liebe ich meine Unabhängigkeit viel zu sehr“, sagt Alpesh. „Ich arbeite daran, mehr Klienten zu gewinnen, und möchte auch mehr Kochkurse anbieten. Aber eine eigene Schule, das wäre für mich zu viel Routine. Ich mag es, fast jeden Tag in den Zug zu steigen und immer neue Orte zu entdecken. Für mich gilt die alte Weisheit ,Der Weg ist das Ziel‘.“ Und wohin dieser Weg ihn auch führen wird, eines ist für Alpesh Patel klar: „Thüringen wird immer meine deutsche Heimat sein.“

Exklusiv für „Das ist Thüringen“ – zwei indische Lieblingsgerichte von Alpesh Patel zum Nachkochen.

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