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Alte Meyers Lexikon Ausgaben aus dem 19 Jahrhundert im Regal einer Bibliothek.
AKG Images

Meyers Lexikon: Nachschlagen statt googeln

Die Einwohnerzahl von Erfurt, der bevorzugte Lebensraum von Zwergbartagamen oder das Bruttoinlandsprodukt von Argentinien: Wer Informationen sucht, findet sie heutzutage meist in Online-Enzyklopädien wie Wikipedia. Hätte es diese Möglichkeit schon zu Joseph Meyers Lebzeiten gegeben, wäre dem Gothaer Verleger ein gutes Geschäft entgangen. Er veröffentlichte nämlich ab 1840 das „Große Meyersche Conversations-Lexicon für die gebildeten Stände“, den damals wohl größten deutschsprachigen Wissensspeicher. Das Nachschlagewerk umfasste 52 Bände, 65.000 Seiten Text und mehr als 90 Millionen Wörter.

 

Ähnlich der modernen Wikipedia richtete sich Meyers Enzyklopädie nicht nur an Gelehrte, sondern an ein breiteres Publikum. So wollte der Verleger „das drückende Monopol des Wissens, welches so lange auf den Völkern gelastet, über den Haufen werfen“. Zahlreiche Artikel in dem Lexikon schrieb er selbst. Seine 120 Mitautoren hielt er dazu an, sich mit dem Fortschritt in allen Wissensbereichen auseinanderzusetzen. Auch in Sachen Vertrieb und Werbung agierte Meyer fortschrittlich. Sein 1826 gegründetes Bibliographisches Institut verkaufte Nachschlagewerke, Bibeln und Atlanten gegen den Widerstand des Buchhandels zu erschwinglichen Preisen und erreichte dank Zeitungsanzeigen, Prospekten und Plakaten auf Poststationen ein ganz neues Publikum. Die Ära von Meyers Lexikon dauerte über ein Jahrhundert: Gut zwei Jahrzehnte bevor Wikipedia online ging, fusionierte das Bibliographische Institut in den 1980er-Jahren mit dem Brockhaus-Verlag. Daraufhin wurde Meyers Lexikon zugunsten der Brockhaus Enzyklopädie nicht mehr weiterentwickelt.

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