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Bianca Schön-Ott, Gründerin eines Coworking Spaces in Erfurt

New Work – "Wir brauchen mehr individuelle Arbeitsmodelle"

Das KrämerLoft in Erfurt ist mehr als ein schicker Ort für kreative Zusammenarbeit. Es soll jungen Gründern zeigen, dass Vereinbarkeit von Unternehmertum und Familie gelingen kann.

Für viele Gründer sind ein schneller lukrativer Verkauf ihres Startups oder gar ein Börsengang das große Ziel. Bianca Schön-Ott verfolgt mit ihrer Idee andere Absichten. Die Wirtschaftswissenschaftlerin gründete im thüringischen Erfurt einen Coworking Space für Freiberufler und junge Unternehmen, in dem Kinder Teil der neuen Arbeitswelt sind und Startups organisch miteinander wachsen können.

Frau Schön-Ott, ein Startup gründen, coworken - das ist ja gerade ziemlich im Kommen. Mal ehrlich: Ist coworking denn mehr als eine Modeerscheinung?

Schön-Ott: Auf jeden Fall. Es gibt heute immer mehr Freelancer und Gründer, die im Homeoffice sitzen und sagen: ich brauche Menschen, ich brauche Kollegen, ich versauere hier allein. Das ist keine Modeerscheinung, das sind sich verändernde Ansprüche. Wir wollen im KrämerLoft Einzelkämpfer stärken und ihnen zeigen, dass sie miteinander besser wachsen können. Zum anderen wollten wir natürlich auch kleinen Startups die Möglichkeit geben, Teil eines solchen neuen Arbeitsszenarios zu sein.

Viele Coworking Spaces entstehen gerade in den großen Agentur- und Freelancer-Städten wie Berlin. Wann wurde Ihnen bewusst, dass es auch im etwas kleineren Erfurt einen Bedarf gibt?

Schön-Ott: Das war schnell klar, denn wir hatten schon eine Community aus neugierigen Selbstständigen, bevor wir überhaupt das Gebäude hatten. Wir glauben aber eben auch, dass wir heute überall mehr flexible Arbeitskonzepte benötigen, nicht nur in den Digitalhochburgen. Gerade Städte, in denen der Markt noch nicht gesättigt ist, profitieren doch von neuen Räumen für Kreation und Zusammenarbeit, von Subkultur und Innovation. In Erfurt sind wir zwar Exot, aber dadurch eben auch Pioniere. Gerade deswegen fühlen wir uns hier so wohl.

Das Industriedesign und der Loft-Charakter tragen sicher zu einer produktiven Atmosphäre bei. Was macht Ihr Konzept darüber hinaus besonders?

Meine Mitgründerin und ich wollten einen Arbeitsplatz mit Charakter schaffen, an den man gerne kommt und der die gemeinsame kreative Arbeit fördert, kein 0815-Büro mit schneeweißen Wänden. Wir haben nicht nur eine Community, sondern empfinden uns ganz generell als Gemeinschaftsprojekt, essen zusammen Mittag, haben ein Sportangebot für die Coworker und bringen Menschen zusammen, die sich beruflich gut ergänzen. Besonders macht uns natürlich auch, dass Kinder bei uns willkommen sind.

Nun gibt es ja zahlreiche Betreuungsmöglichkeiten für Kinder, viele auch mit Ganztagesangebot. Sind der Wunsch und die Notwendigkeit, Kinder auch mal mit an den Arbeitsplatz zu nehmen, denn tatsächlich gegeben?

Bianca Schön-Ott: Absolut, mittlerweile kommen immer mehr Coworker mit ihren Kids. Die Diskussionen zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf drehen sich doch leider viel zu häufig darum, wie man Kinder am besten wegorganisiert. Das finde ich schade, denn ich empfinde meine als Bereicherung. Kinder sind neugierig und leben vor, wie man durchs Ausprobieren lernen kann, während Erwachsene viel mehr Angst haben, Fehler zu begehen. Wir wollten daher einen Raum schaffen, an dem diese Neugier und das spielerische Handeln auf das Berufsleben übertragen werden und Kids tagsüber auch mal bei ihren Eltern sein können.

Sie sind selber Startup-Gründerin und ziehen zwei Kinder groß. Ist die Selbstständigkeit denn ein gutes Modell, um Kind und Karriere erfolgreich zu schaukeln?

Bianca Schön-Ott: Vereinbarkeit lässt sich nicht in ein Modell gießen, das für jede Familie passt. Bei mir persönlich kam der Wunsch nach der Selbstständigkeit mit den Kindern, denn leider ist Deutschland noch nicht so weit, dass Arbeitgeber Frauen nach fünf Jahren Kinderpause wiedereinstellen und ihnen dasselbe zutrauen wie vorher. Durch meine Selbstständigkeit mit dem KrämerLoft kann ich einen Job, der mich fordert mit einem aktiven Familienleben kombinieren. Auch das Umfeld in Erfurt trägt einen Teil dazu bei, denn wir haben eine gute Infrastruktur, kurze Wege und sind am Wochenende auch mal schnell im Grünen.

Sie sind im Coworking Space sehr nah dran an den Erwartungen, die insbesondere junge Menschen an ihr Arbeitsleben haben. Erkennen Sie einen Trend?

Schön-Ott: Ich denke, dass sich in jeder Generation eigene Trends herausbilden werden. Wir sehen aktuell beispielsweise die Generation der Mitte Zwanzig- bis Mitte Dreißigjährigen, die um jeden Preis selbstbestimmt sein und für ihre Arbeit regelrecht brennen will. Bei der jüngeren Generation wiederum gibt es eine umgekehrte Erwartungshaltung. Sie suchen wieder vermehrt nach Nine-to-five-Jobs und wollen Arbeit und Freizeit wieder stärker voneinander trennen. Deswegen benötigen wir in Zukunft auch viel mehr individuelle Angebote für die verschiedenen Ansprüche. Das KrämerLoft hier in Erfurt soll nur eines davon sein.

Urheber: SPIEGEL ONLINE

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