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Wer nichts muss, der wird stark

Dorothee Meuche war Lehrerin für Mathe und Bio. Doch ihr war Schule immer zu stark an Normen und Druck ausgerichtet. Als Wildnispädagogin zeigt sie jungen Menschen nun, wie sie in der Natur ihre Stärken entdecken können. Im thüringischen Bad Langensalza setzt sie sich mit dem Verein ZwiWei-Zwischenwelten für Kinder und Jugendliche der Region ein.

Vernetzen, etwas wagen, losgehen - das ist Dorothee Meuche wichtig.  Sie will Menschen aus allen Generationen zu­sammenbringen. Mit Musik, Geschich­ten schreiben, Klamotten nähen, Kunst aus Pappmache formen- wenn die 39-Jährige von al­len Angeboten erzählt, die sie mit dem Team des Ver­eins ZwiWel in Bad Langensalza auf die Beine stellt, wird  die Liste immer  länger. Sie  engagiert sich seit rund zehn Jahren gemeinsam mit einer Gruppe Ehren­amtlicher besonders stark für Kinder und Jugendliche in der Region. 2015 haben sie den Verein gegründet.

ZwiWel setzt wirklich viele, viele Projekte um: Ein Skatepark wird neu strukturiert und wiedereröffnet Gemeinsam mit einer Kulturinitiative veranstaltet der Verein kostenlose Konzerte. Im Sommer werden Ju­gendfreizeiten angeboten. In einer Kinderlehrküche kocht das Team des Vereins mit Grundschulkindern re­gionale Gerichte - aus dieser Kursreihe ist auch schon ein Kochbuch hervorgegangen. Das dreisprachige Kinderbuch "Farben in der Nacht" entstand zum The­ma "Träume"- jedes Jahr setzt "ZwiWel" sich so ein übergeordnetes Motto. 2017 hat der Verein junge Ge­sangstalente in der Region gesucht. Dorothee Meuche spannt große Folien in Bad Langensalza auf, auf die je­ der etwas malen darf, der vorbeikommt.  "Das ist doch spannend, wenn man sieht, welche Bilder entstehen, wenn die Oma genauso mitmacht wie der Fünfjährige", meint sie. Wie Kunst besondere Verbindungen schafft, das ist auch ZwiWels Jahresthema  für 2018. Auf dem Programm stehen unter anderem Weben, Graffiti und Schattentheater.

Raum zum Ausprobieren

Vor einigen Wochen konnte ZwiWel in Bad Langensal­za ein Familien- und Jugendbüro eröffnen und hat als Freier Träger der Jugendhilfe nun endlich einen festen Anlaufpunkt "Vorher haben wir uns immer bei mir zu­ hause getroffen",  erzählt Meuche lachend. Wer etwas bewegen will, der macht eben einfach. Aber warum? "Es ist einfach wichtig, dass Kinder Raum zum Aus­ probieren finden. Dass sie Rückzugsorte haben und lernen, dass sie sich ohne Druck selbst entwickeln dür­fen." Dass Gemeinschaft  und Zusammenhalt  zählen - und das, was zwischen drin passiert. Diese "Zwischen­welten" waren Namensgeber des Vereins.

Bad Langensalza, vor allem bekannt für seine Heil­ quellen, ist eine kleine Kurstadt  mitten in Thüringen, mitten in Deutschland. 17.300 Menschen leben dort. "Viele Freunde  von  mir  gehen  nach  Leipzig,  Berlin oder Rostock, aber mich reizt das überhaupt nicht", erzählt Dorothee Meuche. "Dort kann man sich doch immer nur an andere dranhängen. Ich finde es viel spannender, Dinge selbst zu gestalten und zu kreieren. Und das funktioniert  hier in der Region außerordent­lich gut." Dorothee Meuche ist eine Frau, die sehr viel gestaltet.

Menschen zusammenbringen

Dorothee Meuche selbst ist mit 17 Jahren schwanger geworden, hat ihr Abi vorgezogen, zwei Wochen da­nach ihre Tochter bekommen und sie mit Hilfe ihrer Familie großgezogen. "Ich habe auf Lehramt  studiert und dann als Lehrerin für Mathe und Bio gearbeitet", erklärt sie. "Mir hat der Job Spaß gemacht, aber mir hat nie gefallen, dass es in der Schule immer um Leis­tung geht und die Kinder nach Normen bewertet wer­den." Als ihre Tochter das Abi in der Tasche hat, macht die Mutter eine wildnispädagogische Ausbildung und merkt: Das ist es, das will ich machen. Sie kündigt den Lehrerjob  und setzt hauptberuflich auf Verein und die Arbeit als Wildnispädagogin. So fährt sie beispielswei­se regelmäßig mit Kindern und Jugendlichen in die Na­tur, wo sie gemeinsam Kunst machen, im Wald schlafen und Gemeinschaft leben. "Wir haben auf diesen Reisen immer ein Ansinnen, aber kein festes Ziel. Wir sehen einfach, was sich ergibt", erzählt sie. Dorothee Meuche ist überzeugt  davon, dass es für junge Menschen eine ganz wichtige  Erfahrung  ist, diesen  Freiraum  zu ha­ben. "Das kann fürs Leben prägen", sagt sie. "Auf den Reisen erleben wir alle sehr intensiv, dass man dann in seine volle Kraft kommt, wenn man nichts tun muss - wenn man die Freiheit hat, selbst aktiv zu werden.“

 

Bildquelle:

  • Walter Schmitz
  • Süddeutsche Zeitung

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