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Thüringen Testimonialkampagne Yong Lei Herstellung

Ich bin ein Thüringer aus Guangzhou

„Für Wissenschaftler wie mich ist Ilmenau eine ideale Heimat“

Seit sechs Jahren lebt der chinesische Wissenschaftler und Materialforscher Yong Lei in Ilmenau. Zwischen Thüringer Wald und Technischer Universität hat der Professor für Nanotechnologie ein neues Zuhause gefunden.

Das Büro von Yong Lei liegt am Rande des Ilmenauer Stadtzentrums und in Sichtweite der beiden alten, ehrwürdigen Universitätsbauten. An diesem Novembermorgen ist es noch leer. So bleibt Zeit, sich etwas umzusehen. Bemerkenswert ist die Anzahl der Kaffeemaschinen: Auf dem Fußboden, im Regal und unter dem Schreibtisch verteilt stehen unterschiedliche Fabrikate. Nicht alle erfüllen noch ihre Bestimmung.

Auf dem runden Besuchertisch dampft frisch gebrühter Filterkaffee, daneben ein Teller mit Keksen. Die Tür geht auf, und Yong Lei tritt ein. Er habe bis frühmorgens an einem Förderantrag gesessen, der unbedingt fertig werden musste, erklärt der 47-Jährige. „Forschungsgelder sind enorm wichtig für meine Projekte.“ Womit er schon beim Thema ist. 

Von Anfang an mochte Yong Lei die Atmosphäre in Ilmenau

Die große fachliche und finanzielle Unterstützung seitens der Hochschule war einer der Gründe, warum Yong Lei vor sechs Jahren nach Ilmenau kam. Als er von der unbefristeten Professorenstelle erfuhr, stattete er der beschaulichen Stadt im Herzen von Thüringen einen Besuch ab. „Ich mochte die Atmosphäre hier sofort“, erinnert sich Lei. Mit dem Thüringer Wald quasi vor der Haustür wurde ihm die Bedeutung des Begriffs „Naherholungsgebiet“ klar. Die geschichtsreichen Städte Erfurt, Weimar und Jena im Umkreis taten ihr Übriges, um den renommierten chinesischen Forscher von Thüringen zu überzeugen.

„Für einen Wissenschaftler ist Ilmenau der ideale Ort“, sagt Lei. An der Universität hat die Forschung einen hohen Stellenwert, und die Stadt bietet eine enorme Lebensqualität. „Ich schätze das unaufgeregte, naturverbundene Leben hier.“ Dass in der rund 26.000 Einwohner großen Stadt nicht so viel los ist wie in Leipzig oder Berlin, stört ihn nicht im Geringsten: „So kann ich mich hervorragend auf meine Arbeit konzentrieren – und wenn ich Abwechslung brauche, bin ich schnell an Orten, wo ich Ablenkung und Zerstreuung finde.“

Zukunft der Elektromobilität: Akkus auf Kochsalzbasis

Yong Lei ist Professor für Mathematik und Naturwissenschaften an der Technischen Universität Ilmenau. Sein Fachgebiet: 3-D-Nanostrukturierung. Konkret erforscht Professor Lei mit seinem Team neue Batteriekonzepte. Die Wissenschaftler setzen dabei nicht auf Lithium-Ionen-, sondern auf Natrium-Ionen-Technologie. Die in Ilmenau entwickelten Stromzellen besitzen eine höhere Speicherkapazität, lassen sich schneller laden und günstiger herstellen als herkömmliche Lithium-Ionen-Batterien. Das rund 20-köpfige Forscherteam hat dafür bereits den Beweis angetreten und ist über den Konzeptstatus lange hinaus.

Im vergangenen Jahr erhielt Yong Lei vom Europäischen Forschungsrat eine der renommierten „Proof of Concept“-Förderungen für sein Projekt. Damit werden im Rahmen des EU-Programms Horizont 2020 außergewöhnliche Pionierarbeiten europäischer Wissenschaftler unterstützt, deren Anwendungen sowohl einen kommerziellen als auch einen gesellschaftlichen Nutzen versprechen. „Wir wissen, dass unser Konzept funktioniert und die Natrium-Ionen-Zellen leistungsfähiger sind“, so Lei. „Nun müssen wir sicherstellen, dass sich auch die Massenproduktion der Batterien umsetzen lässt.“

Hier an der TU habe ich die besten Voraussetzungen, die ich mir vorstellen kann.

Lithium-Vorkommen sind gering und auf wenige Länder begrenzt, die Nachfrage steigt und damit der Preis. Im Vergleich dazu ist das Natrium-Vorkommen in der Erdkruste nahezu 400-mal höher. Zu den größten Speichern zählen die Ozeane – schon ein Liter Meerwasser enthält durchschnittlich elf Gramm Natrium-Ionen. „Natrium-Ionen-Batterien sind langlebiger und sicherer als Lithium-Ionen-Akkus und können in Smartphones, Laptops und in großem Maßstab in der Elektromobilität eingesetzt werden.“

Pluspunkt für Ilmenau: die zentrale Lage

Momentan werden die Knopfzellen auf Natrium-Ionen-Basis noch per Hand gefertigt und zusammengesetzt. Das geschieht in einem sogenannten Reinraum, der sich auf dem neuen Gelände der TU am Ehrenberg befindet. Ein weiß getünchter, trockener, staub- und keimfreier Saal, in dem hoch entwickelte Anlagen und komplexe Apparate stehen. Ausgefeilte Geräte zur physikalischen Gasphasen- oder Atomlagenabscheidung, bei deren Anblick einem Forscher wie Yong Lei das Herz aufgeht. Für den Laien stellen sich die mitunter mannshohen Maschinen lediglich als unscheinbare Blechkästen dar. „Ich bin durch und durch Wissenschaftler“, sagt Lei. „Hier an der TU habe ich die besten Voraussetzungen, die ich mir vorstellen kann.“ Neben dem Reinraum sowie zahlreichen Laborplätzen stehen Lei und seinem Team hier vier weitere Büros zur Verfügung.

Die strategisch günstige Lage ist ein weiterer Pluspunkt für Ilmenau, liegt es doch  sowohl in der Mitte Deutschlands als auch zentral in Europa. Der Professor ist in wenigen Stunden in vielen großen Städten, die er regelmäßig für Konferenzen besucht. „München, Stuttgart, Köln, Berlin oder Frankfurt, auch nach Prag benötige ich im Schnitt vier Stunden.“ Meist sogar noch weniger, denn Yong Lei hat eine große Leidenschaft: Sportwagen. Sein Roadster eines großen deutschen Automobilkonzerns ist in 6,5 Sekunden von null auf 100 und schafft eine Höchstgeschwindigkeit von knapp über 240 km/h. „Ich liebe es, in Deutschland auf der Autobahn zu fahren“, sagt Lei, und seine Augen leuchten vor Begeisterung. 

Aus der Millionenmetropole in den Ilm-Kreis

Bevor wir uns mit Yong Lei auf den Weg Richtung Manebach machen, wo er sich gern von der Arbeit erholt, sprechen wir über die verschlungenen Pfade, die ihn nach Thüringen geführt haben. Yong Lei stammt aus Hefei, einer Stadt mit rund fünf Millionen Einwohnern im Osten Chinas. Sein Physikstudium absolvierte er in Guangzhou, Hauptstadt der südlichen Provinz Guangdong, in deren Metropolregion etwa 13 Millionen Einwohner leben. Den Doktor machte er in seiner Geburtsstadt Hefei an der Chinese Academy of Science. „Deren Bedeutung ist mit der Max-Planck-Gesellschaft hierzulande vergleichbar“, so Lei. Mit dem Abschluss in der Tasche bewarb er sich 2001 für das Stipendium einer Forschungsorganisation in Singapur, die mit dem MIT (Massachusetts Institute of Technology) kooperiert. „Das Stipendium war für zwei Jahre angesetzt, doch schon nach einem halben Jahr wusste ich, dass ich danach weiter im Ausland tätig sein möchte.“

Der Zufall wollte es, dass Lei auf einer Konferenz in Hongkong einen Professor aus Deutschland kennenlernte. „Herbert Gleiter gehört zu den Gründern des Instituts für Nanotechnologie in Karlsruhe und ist ein Pionier auf dem Gebiet.“ Nur zu gern wollte Lei in dessen Forschungsgruppe arbeiten. „Von ihm bekam ich den Tipp, mich für ein Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung zu bewerben, und kam so 2003 nach Karlsruhe.“

Nach zwei Jahren an der Uni Münster wechselte Yong Lei nach Ilmenau

Drei Jahre später wechselte Lei an die Uni Münster, wo er seine erste eigene Forschungsgruppe leiten konnte. „Anfangs hatte ich nur vier Studenten und keine Doktoranden“, sagt Lei. „Aber jeder hat mal klein angefangen.“ 2008 wurde er dort als „Excellent Young Scientist“ ausgezeichnet – ein Preis, den vor ihm noch kein anderer ausländischer Wissenschaftler erhalten hatte. Ein Jahr später gewann er für die Münsteraner Hochschule die erste hohe Forschungsfinanzierung des renommierten European Research Council (ERC). Eine auf sechs Jahre befristete Professur, die man ihm daraufhin anbot, gab er nach nur zwei Jahren auf – und wechselte nach Ilmenau.

Das Paradies für Yong Lei: Straßen ohne Staus

Für jemanden, der mehr als 30 Jahre in Megacitys mit vielen Millionen Einwohnern gelebt hat, sind Straßen ohne Stau und Tempolimit das Paradies. „Wenn man Pech hat, ist man in China nach vier Stunden Auto fahren immer noch in der gleichen Stadt“, sagt Lei. Inzwischen sind wir in seinem Sportwagen auf dem Weg Richtung Wald. Die hügelige Landschaft hier ist ein wunderbarer Ort für Wanderer und Jogger. „Und für Wissenschaftler“, sagt Lei, der auch hinterm Steuer seines Sportwagens sehr konzentriert wirkt. „Wer den ganzen Tag im Labor forscht, Tabellen studiert und über Computerprozessen brütet, der muss zwischendurch mal seinen Kopf freikriegen.“

Ich erlebe die Leute als sehr offen und hilfsbereit. Nicht nur in Ilmenau und an der Uni, sondern überall in Thüringen.

Kaum ist das Ortsschild von Ilmenau passiert, zieht Lei das Tempo an. Fahrer und Auto könnten noch mehr Gas geben, halten sich aber an die Straßenverkehrsordnung. Unterwegs schwärmt Lei von der Freundlichkeit der Menschen hier. „Ich erlebe die Leute als sehr offen und hilfsbereit. Nicht nur in Ilmenau und an der Uni, sondern überall in Thüringen.“

Was den Erholungswert betrifft, hat Yong Lei nicht übertrieben: Schon nach einer Viertelstunde im Wald, mal auf moosweichen, mal auf wurzeldurchzogenen Wegen, ist die geistige und körperliche Entspannung spürbar. Zwischen den Bäumen fällt der weite Blick ins Tal – und wer es weiß, kann ganz weit hinten das Universitätsgebäude erkennen.

 

Eine Bratwurst und einen Kaffee noch – dann geht es zurück ins Labor

Doch genug mit Verweilen. Langsam kriecht nicht nur die Novemberkälte die Beine hoch, auch der kleine Hunger meldet sich. Und wie könnte man den besser besänftigen als mit einer original Thüringer Bratwurst? „Eine meiner deutschen Lieblingsspeisen“, sagt Lei und lächelt voller Vorfreude. „Erfreulicherweise ist man hier nie weit von einem Stand entfernt.“ Bei der Gretchenfrage, ob mit Senf oder Ketchup, entscheidet sich Lei für Senf.

Mittlerweile ist es später Nachmittag geworden, und eigentlich wäre es Zeit für Kaffee und Kuchen. Doch die Bratwurst hält noch eine Weile vor, für einen kleinen Wachmacher auf Koffeinbasis hingegen ist Yong Lei immer zu haben. Auf dem Weg zum Uni-Campus halten wir an einer Tankstelle. Höchst zufrieden sitzt der Professor aus China vor seinem großen Becher Filterkaffee, schwarz mit Zucker. Kurz darauf geht es wieder zurück ins Labor, um die Stromversorgung von morgen sicherzustellen.

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