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Ein Meister der Moleküle.

Er entwickelt Materialien, die unsere medizinische Versorgung verbessern oder dabei helfen, Energie einzusparen. Hierfür hat der weltweit renommierte Chemieprofessor Ulrich S. Schubert in Jena ganz neue Forschungsbereiche geschaffen. Und Zeit fürs Musikmachen findet der Vater von fünf Kindern auch noch.

Von seinem Büro aus blickt er auf den Philosophenweg. Eine klangvolle Adresse im Universitätsviertel von Jena. In diesem Fall ist sie jedoch eher unpassend. Denn Professor Ulrich S. Schubert, der hier arbeitet, ist der Antityp zum Wissenschaftler, der aus der Perspektive des Elfenbeinturms auf die Welt blickt. Der 48-jährige Chemiker leitet das Zentrum für Angewandte Forschung (ZAF). Und wer ihn dort trifft, spürt sofort die konzentrierte Energie, die von dem Mann ausgeht. Probleme erkennen, Lösungen aufzeigen und sich an die Arbeit machen. „Der Batterie-Forscher aus Thüringen“ – so war jüngst ein Zeitungsbericht über Prof. Dr. rer. nat. Dr. habil. Ulrich S. Schubert betitelt. Natürlich war das eine Verkürzung für einen der renommiertesten deutschen Wissenschaftler. Doch den so Beschriebenen freute sie. „Wir haben es geschafft, das Feld Batterie und Energiespeicher hier von null auf zu etablieren“, sagt Schubert mit spürbarem Stolz. Schon in wenigen Jahren, so der Tenor des Reports, dürften wir in unserem Alltag ganz neuartige Batterien verwenden – die keine Schadstoffe mehr produzieren und sich permanent selbst aufladen. Entwickelt werden sie derzeit in Labors in Jena.

Ein Mann der Tat – und ein Wissenschaftssegen für Thüringen

„Alle Batterien, die man momentan kaufen kann, verursachen in der Herstellung einen großen CO2-Footprint und riesige Umweltschäden“, erklärt Schubert. Statt toxischer Materialien wie Schwefelsäure oder Blei werden in seinen visionären Prototypen Moleküle aus Kunststoff, aufgelöst in Salzwasser, verwendet. Revolutionärer Vorteil dieser „Redox-Flow-Technologie“: Das Material ist nicht nur sauber, sondern es speichert Energie. Anwendbar soll es in allen Formen sein – von der winzigen LED-Leuchte, die man beispielsweise in Kleidung integrieren kann, über den Antrieb von Elektroautos bis zum Speicher in Containergröße. Fünf Patente wurden bislang angemeldet. Im eigens gegründeten Zentrum für Energie und Umweltchemie (CEEC) arbeiten verschiedene Teams an der Marktreife.

Wir haben es geschafft, das Feld Batterie und Energiespeicher hier von null auf zu etablieren.

Der Leiter von zwei Forschungsinstituten sieht sich selbst als „kreativer Molekülhersteller“. Neue synthetische Verbindungen sollen helfen, Dinge zu vereinfachen und unser Leben anzureichern. Unter dieser Prämisse ist die Uni Jena auch führend in der Entwicklung sogenannter selbstheilender Polymere. Das sind Kunststoffe, die zum Beispiel Lacken beigemischt werden. „Wenn man auf einem Möbel einen Kratzer hat“, so Schubert, „muss man da nur drüberföhnen, um danach wieder eine schöne Oberfläche zu haben.“ Wenn er die praktischen Konsequenzen seiner Arbeit erläutert, setzt der gebürtige Tübinger in seiner Gestik den ganzen Körper ein. Der allein ist imposant genug: kräftige Statur und ein nahezu kahler Charakterkopf, aus dem wache, neugierige Augen blitzen.

Die Chancen, in Jena etwas aufzubauen, haben Schubert überzeugt

„Von null auf etablieren“: Aus dieser Formulierung Schuberts spricht Tatkraft und Pioniergeist. Und genau das motivierte den international bestens vernetzten Chemiker und Materialforscher vor zehn Jahren auch dazu, sich aus mehreren Angeboten für den Lehrstuhl für Organische und Makromolekulare Chemie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena zu entscheiden. „Es war ein spezieller Start“, erinnert sich der Wissenschaftler mit beeindruckender Vita, der schon mit 25 Jahren promovierte und in München und Eindhoven gelehrt hat. Bei seinem ersten Besuch in Jena war Schubert sofort von dem Umfeld fasziniert – von der modernen Universitätsklinik, den vielen forschenden Unternehmen, der Perspektive interdisziplinärer Arbeit: „Vieles war schon neu, aber noch im Entwicklungsstudium. Genau diese Ausbaumöglichkeiten und Chancen haben mich gereizt.“

Zum speziellen Start trug auch eine frühe Begegnung mit einem Nachbarn bei. Der damalige Direktor der Anästhesie des Universitätsklinikums und Sepsis-Zentrums Jena wohnte in der gleichen Straße. Noch bevor im neuen Haus der Schuberts alle Umzugskisten ausgepackt waren, kamen die beiden Professorenkollegen bei einem Straßenfest ins intensive Gespräch: „Ich wollte verstehen, was diese Mediziner eigentlich brauchen, und er, was diese Chemiker eigentlich können.“ Der Dialog, fortgeführt auch abends beim Rotwein, mündete schließlich in eine fruchtbare Kooperation: in den Aufbau einer Abteilung für Nanomedizin. Auch hier sorgten Schuberts Moleküle wieder für entscheidende Impulse, um medizinische Wirkstoffe mithilfe von Kleinstpartikeln im Körper transportieren zu können.

Forschungsgelder: Jena sticht die Konkurrenz aus

Nanomedizin, selbstreparierende Kunststoffe, bahnbrechende Batterietechnologie: Alle drei großen Forschungsfelder, die Professor Schubert in zehn Jahren etablierte, haben nachhaltig dazu beigetragen, die Zukunftsfähigkeit des Standortes Jena weiter zu steigern. Der kommunikationsfreudige Charismatiker, ausgezeichnet mit dem Thüringer Wissenschaftspreis 2017, ist ein echter Gewinn für die Region. Erst jüngst gelang es Schubert, sich für seine vielfältige Arbeit prestigeträchtige Fördergelder der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Höhe von 9,5 Millionen Euro für die nächsten vier Jahre zu sichern – „und das gegen höchste Konkurrenz von überall“.

Mitentscheidend für die Standortwahl war für den Vater von fünf Kindern auch die Kombination aus kurzen Wegen zwischen den unterschiedlichen Uni-Einrichtungen und Labors mit der familienfreundlichen Infrastruktur Jenas. „Von meinem Haus bis ins Büro brauche ich keine zehn Minuten, und die Kinder kann ich in die Kita direkt gegenüber bringen“, sagt Schubert lächelnd. Und lässt erkennen: Neben seiner exzellenten Expertise scheint er auch ein guter, verantwortungsbewusster Organisator zu sein.

Von meinem Haus bis ins Büro brauche ich keine zehn Minuten, und die Kinder kann ich in die Kita direkt gegenüber bringen.

Großfamilie, Gremien und Meetings, die Führung von Hunderten von Mitarbeiten, dazu etliche ehrenamtliche Aufgaben – der Mann bringt das alles mit seinem vorwärtsdrängenden Optimismus unter einen Hut. Obendrein ist er auch noch ein Mensch, der die Musik liebt – und zwischendurch die Zeit findet, in ihr einzutauchen. Er ist ausgebildeter Klarinettist, betreibt die Musik genauso ernsthaft wie seinen Beruf. Es ist seine älteste Leidenschaft. Der Sohn eines Tübinger Physikprofessors wollte ursprünglich Musiker werden, doch sein Vater brachte ihn davon ab und inspirierte ihn schließlich zum Studium der Chemie.

Virtuos im Chemielabor – und an der Klarinette

Die enge Verbindung zur Musik ist bis heute geblieben. Noch aus seiner Studienzeit in Bayreuth resultiert Schuberts mittlerweile 23-jährige Tätigkeit für die Internationale Junge Orchesterakademie. Mit ihr organisiert er jährlich Benefizkonzerte, zu denen mehr als 100 Musiker aus rund 30 Nationen zusammenkommen, darunter auch Jugendliche aus Südkorea und Nordkorea: „Das haben wir zehnmal geschafft – als einzige Institution der Welt.“ Die Erlöse der Konzerte werden krebskranken Kindern gespendet.

Als Orchesterleiter wie Forschungsleiter in internationalen Teams muss man es verstehen, unterschiedliche Mentalitäten und individuelle Fähigkeiten zusammenzuführen. Und noch eine andere Parallele ist offensichtlich – die zur „kreativen Molekülherstellung“. Dabei vermischt er Feststoffe und Katalysatoren mit Flüssigkeiten, erhitzt das Ganze, sodass Polymerketten aus neuen chemischen Einheiten erwachsen: „Dieser Prozess hat für mich etwas Kompositorisches.“ Heraus kommt, wenn es im Labor gut läuft, ein neues, bahnbrechendes Produkt. Das ist auch eine maßgebliche Triebfeder beim Musizieren. „Am Ende zählt nicht, was ich in meinem Kämmerlein geübt habe“, sagt Ulrich S. Schubert, „sondern nur, was ich auf der Bühne oder im Tonstudio von mir gebe.“

Urheber: WeltN24 / BrandStation

Den Originalbeitrag finden Sie unter www.welt.de

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