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Ich bin ein Thüringer aus Berlin.

Eine Liebe in Weimar

Wein und Kultur: zwei Errungenschaften, die unser Leben bereichern. Für Philipp Heine gehören sie untrennbar zusammen. Und der echte Weimarer Jung’ hat nach einigen Umwegen in seiner Geburtsstadt auch den idealen Ort für die Symbiose gefunden – seine „Weinbar Weimar“.

„An dieser Theke habe ich schon als Kind gestanden“, sagt der 37-jährige Philipp Heine, der mit seinem gepflegten Viertagebart, den runden Brillengläsern und einem entspannten, gewinnenden Lachen auch gut eine Kunstgalerie in Berlin-Mitte leiten könnte. Im Frühjahr 2017 eröffnete er stattdessen die „Weinbar Weimar“ inmitten des historischen Goethe-und-Schiller-Areals und in den Räumen, die 150 Jahre lang das Traditionslokal „Sommer’s Weinstuben“ beheimatet hatten. Die Holzvertäfelung sowie das bodenständige, warme Ambiente sind geblieben und einfühlsam modernisiert worden. Heine: „Den Zapfhahn habe ich als Erstes rausgeschmissen.“ Und es gibt auch keine Thüringer Bratwurst mehr auf der Speisekarte. Stattdessen mediterrane Antipasti und ausgesuchte Weine.

Die Rückkehr nach Weimar war eine Herzenssache

Der Gastronom und leidenschaftliche Sommelier greift auf jahrelange Erfahrung in der Berliner Restaurantszene zurück. Und gleichzeitig ist die Rückkehr in seine Heimat für ihn eine Herzenssache: „Ich bin immer wieder beeindruckt, wie schön es hier ist und wie viel Energie mir diese Stadt gibt.“ Heine schätzt es, welch unterschiedliche Menschen durch die Konzerte, die Ausstellungen, die Literaturveranstaltungen und das Theater zusammenkommen. Gleichzeitig findet Heine in Weimar die angenehmen Ruhepole, die er in Berlin zunehmend vermisst habe. In fünf Minuten ist er im Stadtpark.

Ich bin immer wieder beeindruckt, wie schön es hier ist und wie viel Energie mir diese Stadt gibt.

Ein Schauspielersohn, der seine Berufung sucht

In den Kindheitsbildern von Philipp Heine tauchen klirrende Gläser auf. Aber vor allem: vielstimmiges Pathos und ausufernde Gestik sowie ziemlich extravagante Gäste. Es ist der Ort, an den ihn sein Vater, der Schauspieler Manfred Heine, manchmal mitgenommen hat. Wenn nach Premieren im Großen Haus von Weimar, dem nahe gelegenen Deutschen Nationaltheater, in „Sommer’s Weinstuben“ an der langen, massiven Holztheke gefeiert und hitzig weiterdebattiert wurde. Ein buntes, genussfreudiges Volk, diese Theatermenschen. Eine prägende Erinnerung. Für Philipp Heine schien der Weg vorgezeichnet. „Ich dachte irgendwie, da auch tätig werden zu müssen – oder zu können“, sagt er mit einem feinen Hauch Selbstironie. Nach dem Abitur leistete der Sohn aus der bekannten Theaterfamilie (auch seine verstorbene Mutter Helga Ziaja war eine renommierte Schauspielerin) zunächst seinen Zivildienst ab – in einem Jugendtheater. Und dann folgte der Versuch, den Eltern zu folgen, ohne offensichtlich auf ihre Ratschläge und ihre Beziehungen angewiesen zu sein.

Aus der Verlegenheit eine Gelegenheit gemacht

Nach dem Vorsprechen an einigen Schauspielschulen – heimlich, aber auch erfolglos – zog Heine schließlich mit seiner damaligen Freundin nach Wien, in die Stadt des legendären Max-Reinhardt-Seminars. Heine scheiterte erst in der dritten Runde. Er bekam gelegentlich Auftritte als Statist im Burgtheater. Immerhin: das Schnuppern an großer Theaterluft. Doch zum Leben reichte das nicht. Er begann, bei einem Catering-Unternehmen in Wien zu arbeiten. Eine Verlegenheit, aber gleichzeitig eine Gelegenheit, sich auszuprobieren und die Chance zu erkunden, was einem liegt. Das prägte den Weg von Philipp Heine in den folgenden Jahren.

Im Jahr 2001 kehrte der eloquente Schauspielersohn, der schnell einen Draht zu Menschen findet, das erste Mal nach Thüringen zurück. Nicht ganz freiwillig: Mit 21 Jahren war er jung Vater geworden, er brauchte einen verlässlichen Job. Aufbauend auf die ersten Erfahrungen in Wien, begann er als Servicekraft im „Hotel Elephant“. Das kulturbeflissene Publikum, das im berühmten Haus verkehrt, sagte ihm grundsätzlich sehr zu. Allerdings: „Weil ich keine Ausbildung hatte, durfte ich keine Gäste bedienen.“ Dafür schulte er sich weiter in allem, was zur Basis eines Gastrobetriebs gehört – „das Brot für die Brotkörbe schneiden und solche Sachen“.

Nach seinen Schnupperjahren in Weimar ging Heine 2004 nach Berlin. Auch hier wieder: von Job zu Job, von Restaurant zu Restaurant. Schließlich holte er seinen Berufsabschluss als Restaurantfachmann nach. Nun stand ihm alles offen, und in den Jahren von 2010 bis 2016 leitete er seine ersten drei Restaurants, alle mit gutem Namen in der aufstrebenden Gastroszene der Hauptstadt.

Das Wahre, Süffige und Schöne

Im „Oxymoron“ in den Höfen am Hackeschen Markt, einem Lokal im eleganten Retrolook der Zwanzigerjahre, schärfte er nicht nur sein Auge fürs passende Interieur, sondern machte auch einen weiteren entscheidenden Schritt in seine berufliche Zukunft: „Dort musste ich mich mit der anspruchsvollen Weinkarte beschäftigen, und ich merkte, dass mir das großes Vergnügen bereitet.“

Heine schulte seinen Gaumen weiter, besuchte Messen und Weingüter, vornehmlich in Italien. Im frisch eröffneten Restaurant „Crackers“ von Heinz Gindullis, einst Betreiber des berühmten Klubs „Cookies“, bekam Heine dann die Chance, erstmals eine eigene Weinkarte zu kreieren. Er spürte allmählich so etwas wie Berufung: „Wein wird immer interessanter, je mehr man sich mit ihm beschäftigt.“
 Berlins Szenelokal Nummer 3, der vegetarische Hotspot „Cookies Cream“, beflügelte den umtriebigen Gastronom auch privat: Heine lernte dort seine heutige Lebensgefährtin kennen. Und nach einiger Zeit begann das Paar, Pläne zu schmieden für eine gemeinsame Existenz. Sie suchten in Berlin, waren aber auch offen, woanders hinzugehen.

Weggehen, um anzukommen

Ortswechsel waren für Heine, den Schauspielersohn, in der Jugend ganz normal. Und er verinnerlichte, dass ein Neubeginn immer auch neue Chancen in sich birgt. So nahm Heine eine Einladung an, nach Sizilien zu gehen, um dort in einem Familienhotel mit angeschlossenen Weingütern zu arbeiten. Beworben hatte er sich nicht. Die Besitzerin zeigte sich begeistert von Heines Talenten und seiner Kommunikationsfreude, als er einmal zu Besuch auf dem Gut war. Es war ein toller Job, erzählt Heine. Tagsüber führte er die Besucher durch die Weingüter, abends arbeitete er im Restaurant. Doch nach wenigen Monaten ereilte Heine ein Hilferuf aus Weimar. Sein Vater musste sich einer langwierigen Operation unterziehen. Der Sohn kümmerte sich um ihn, und während dieser Wochen reifte der Entschluss, die Sache mit dem eigenen Lokal endlich anzugehen. Mithilfe von Goethe, dem Weimarer Dichterkönig: „Sieh, das Gute liegt so nah …“

Die Weinbar Weimar hat sich schnell etabliert

Im Sommer 2016 stellte Philipp Heine bei Spaziergängen mit seiner Freundin fest, dass die vertraute Künstlerschenke seiner Jugend geschlossen hatte, die Immobilie zu verkaufen war – das vermeintliche Ende einer seit 1868 gelebten Familientradition. Auch in der Nachwendezeit hatten „Sommer’s Weinstuben“ einschließlich des lauschigen Gartens zu den beliebtesten Kneipen in Weimar gezählt. Fortsetzung folgt, dank Philipp Heine. Das Geschäftliche war bald unter Dach und Dach. Und mit seinen Kindheitserinnerungen, all seiner Erfahrung sowie der Hilfe durch seine gleichermaßen euphorisierte Lebensgefährtin ging es an die Renovierung. Das Paar machte fast alles in Eigenregie, um den Lebenstraum umzusetzen.

Hier soll jeder seinen passenden Wein finden – der Weinkenner und der Rentner aus der Nachbarschaft.

Die „Weinbar Weimar“ in der Humboldtstraße 2 hat sich innerhalb kürzester Zeit etabliert. Man trifft Philipp Heine dort fast jeden Tag an. Als Gastgeber, der sich freundlich und äußerst kompetent um seine Gäste kümmert. Einer, der im Gespräch aufblüht. Die Berliner Schule merkt man ihm im lässigen Umgangston an, dabei ist ihm aber wichtig, nicht nur eine bestimmte Klientel anzusprechen: „Sowohl der Weinkenner als auch der Weininteressierte, der Student und der Rentner aus der Nachbarschaft sollen sich hier wohlfühlen.“ 


Er bietet rund 100 offene Weine an, und zu jeder Sorte hat er eine kleine Geschichte parat: „Hier soll jeder seinen passenden Wein finden.“ Die Menschen in Weimar lieben ihre Kultur und die damit verbundene Traditionspflege. Sie seien aber auch offen für Neues, so der zurückgekehrte Sohn der Stadt, und er freut sich darüber, dass sich seine Bar im Umfeld von Bioläden, Bäckerei und vielen kleinen Manufakturen befindet, die sich auf historischem Pflaster angesiedelt haben. Ein Freund von ihm ist gerade ins lokale Ginbrennen eingestiegen.

Die Bar ist auch eine Bühne

Und was ist aus seinem früheren Wunsch, Schauspieler zu werden, geworden? Zwischenzeitlich hat Philipp Heine immer wieder im Kulturbetrieb gearbeitet, etwa im Organisationsteam für das Kunstfest Weimar. Auch hat er Tourneen wie André Hellers Show „Afrika! Afrika!“ oder „Ben Hur Live“ begleitet. Dort war er meistens für die Künstlerbetreuung verantwortlich. „Ich kann echt gut mit seltsamen Menschen umgehen, also Künstlern, die so ’n bisschen weltfremd sind“, sagt er. Humor – auch der hilft im Job des Gastronomen, der vielfältige Herausforderungen mit sich bringt. Und letztlich ist eine Bar nichts anderes als eine Bühne, in der sich jeden Abend andere Darsteller treffen.

Making-of der Kampagne - Das Shooting

Urheber: WeltN24 / BrandStation

Den Originalbeitrag finden Sie unter www.welt.de

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