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Aufwühlende Kunst mit Blick auf Goethe

Weimar liegt nicht nur in der Mitte Deutschlands. Es ist auch ein Ort, um sich im Zentrum des internationalen Kunstgeschehens zu fühlen. Zum Beispiel für Ulrike Theusner, die aus ihrem Atelierfenster auf Goethes Ruhestätte schauen kann. Und diese inspirierende Umgebung dem früheren Leben in New York und einer verlockenden Model-Karriere vorzieht.

Sie muss nur wenige Schritte machen, um die Perspektive völlig zu wechseln. Inmitten ihres Ateliers wirkt Ulrike Theusner, 35, sehr konzentriert, fast schon versunken. Die alten Holzdielen sind mit getrockneten Farbklecksen übersät. Um sie herum: Malutensilien, Bücher, viel Papier, Skizzen, Unfertiges, Liegengelassenes, aber auch Gesichter, die auf einigen Bildern zu erkennen sind. Sie scheinen mit den zarten Konturen der Bewohnerin zu korrespondieren. Dann steht sie auf und fixiert etwas, das beruhigend auf sie wirkt und dessen Farbe nur mit dem Lauf der Jahreszeiten wechselt: die Parkbäume und steinernen Zeugen des historischen Weimarer Friedhofes. „Das hier ist meine feste Basis, zu der ich immer gerne zurückkomme“, sagt die bildende Künstlerin Ulrike Theusner mit Blick in Richtung der Dichter Goethe und Schiller. Deren Särge stehen in der berühmten Fürstengruft nahe ihrem Fenster. 

Nach Stationen in New York, Nizza oder Berlin hat sich Ulrike Theusner für ein Leben in Weimar entschieden

Elf Künstler beheimaten die Ateliers, deren hohe Fenster viel Tageslicht hineinlassen. Das Gebäude aus dem Jahr 1905 ist eines der geschichtsträchtigen Künstlerhäuser Deutschlands, das mit Unterstützung der Stadt umfassend restauriert wurde. Theusner schätzt hier neben dem besonderen Flair vor allem die Ruhe für ihre Kunst, die stilistisch nicht eindeutig zu fassen und schon von vielen Orten angeregt worden ist – Berlin, Nizza, London, Paris, New York: „Es ist ein ständiger Entwicklungsprozess, und für diese Entwicklungen brauche ich ein Umfeld ohne ständige Ablenkung.“

„The Best of All Possible Worlds“ – die beste aller möglichen Welten: Das legendäre Postulat des Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz stand als Motto über der umfassenden Theusner-Ausstellung, die von Ende Juni bis Anfang August 2017 in der Weimarer ACC-Galerie zu sehen war. Was heißt „möglich“ in unserer heutigen Welt? Gibt es Utopien für ein erfülltes Ich, für ein besseres Miteinander? Fragen, die Theusner in ihren Werken stellt – Zeichnungen und Malereien, Installationen und Radierungen, zwischen figürlich und abstrakt changierend. „Ich bin wie ein Schwamm, der alles aufnimmt und dann irgendwie rauspresst.“

„The Gasping Society“ zum Beispiel, eine Serie von Radierungen, habe ihr „direktes Umfeld widergespiegelt vor ein paar Jahren, vor allem das in Berlin“. Dort entstanden die meisten Arbeiten, vervollständigt hat sie die Serie in Weimar. Die Bilder strahlen einen dunklen Glamour aus, zeigen, wie genau Theusner wahrnimmt, was sich zwischen den Menschen abspielt. Deshalb findet sich das Thema Beziehungen immer wieder in ihren Arbeiten, immer wieder neu. Die Künstlerin will sich nicht festlegen, sich ausprobieren.

Ein Stipendium des Landes Thüringen half Theusner, sich als Künstlerin weiterzuentwickeln

Die Vielfalt ist eine Konstante im Œuvre der gebürtigen Frankfurterin (Oder), die schon als 14-Jährige Künstlerin werden wollte: Ein Schlüsselmoment oder, wie sie sagt, ein Aha-Effekt war der Besuch im Munch-Museum in Oslo. Hier, so erzählt sie, sei ihr klar geworden, welch enorme Kraft ein Bild habe, wie es den Betrachter in seinen Bann zwingen könne. „Das hat mir wirklich die Kehle zugeschnürt, weil die Bilder so intensiv waren.“ Und es hat ihr Mut gemacht, sich auf einen Weg zu wagen, der nicht der einfachste ist.  

Der Impuls, selbst zu gestalten, war früh ausgeprägt. Doch zunächst schrieb sich Ulrike Theusner für Architektur ein, um bald zu erkennen: „Da hat man doch sehr viele Grenzen in seinem Schaffensrausch und muss sich an viele Dinge halten.“ Vor allem wollte sie Grenzen überwinden und empfand das Sich-Einlassen aufs Zeichnen und Malen als befreiend und motivierend zugleich. Sie wechselte zum Kunststudium.

Das Talent der selbstbewussten Studentin erkannten auch andere: Zunächst erhielt sie ein Erasmus-Stipendium für Nizza, wo sie zwei Jahre blieb und ihre ersten künstlerischen Arbeiten im mediterranen Klima gut vorankamen. Damals lernte sie, dass es möglich ist, Geld zu verdienen mit der Kunst. Wenn auch anfangs nicht genug, um allein davon zu leben. Nach Abschluss des Studiums ermöglichte ihr ein zweites Stipendium – das „Art-regio“ des Landes Thüringen –, sich ein Jahr lang ohne Existenzprobleme weiter zu erproben. Vor und nach dem Stipendium finanzierte sie sich mit einem Job, der für viele junge Frauen ein Traum ist, für sie aber immer Mittel zum Zweck blieb: als Model.

In der Weimarer Schau wurden auch Bilder aus ihrer New Yorker Zeit ausgestellt

Noch als Studentin sei sie bei einem Besuch in London auf der Straße von einem Agenten angesprochen worden. Zwischen Neugierde und Skepsis schwankend, erklärt Theusner, habe sie sich darauf eingelassen: „Ich habe dafür nicht alles stehen und liegen lassen und hatte auch etwas Angst vor dieser eigenartigen Welt.“  

Modeln und Kunst – lange Zeit lief das parallel, wobei das Modeln ein Nebenerwerb war, nur etwa zwei Monate pro Jahr beanspruchte. Aber ein sehr erfolgreicher, sodass Theusner, die unter anderem für die Designer Vivienne Westwood und Alexander McQueen gearbeitet hat, viele Türen im glamourösen Model-Business offenstanden. Die Wechselwirkung befruchtete durchaus auch ihre Kunst. Insbesondere bei ihrem längeren Aufenthalt in New York entstanden ganze Zyklen wie „Weird Feelings“ und „New York Diaries“, die in der Weimarer Schau präsentiert wurden.

Weimar hat eine besondere Aura, als ob diese ganzen großen Geister etwas hier gelassen hätten.

Ausgedehnte Reisen, flirrende Metropolen, gute Gagen: Das aufregende Leben lockte Theusner dennoch nicht auf Dauer. „Der Preis ist schon hoch, den man dafür zahlt“, sagt sie. „Das ist nicht jedermanns Sache. Also meine war es nicht.“ Und auf keinen Fall wollte sie sich gegen ihre Kunst entscheiden müssen. Denn diese empfindet sie als ihr Lebenselixier. Beim Modeln sei man dagegen „eine lebende Leinwand für andere“.

Die Atmosphäre in der Stadt ist etwas Besonderes – und die kurzen Entfernungen sind praktisch

Nach Berlin, wo sie einige Zeit gewohnt hat, fährt sie immer noch regelmäßig. Um ihre Kontakte in der Galerieszene zu pflegen, zum Beispiel. Doch in Weimar fühlt sich die kosmopolitisch geprägte Künstlerin nach ihren Reise- und Wanderjahren in vielerlei Hinsicht angekommen. Sie schätzt nicht nur die besondere Atmosphäre ihres Ateliers, sondern auch die Stadt und die Umgebung – „man hat viele internationale Besucher und Studenten hier“. Theusner findet in Weimar, was sie braucht, auch ein Geschäft für Künstlerbedarf, gleich um die Ecke. Und sie ist schnell in der Natur, mit dem Fahrrad sind es nicht mehr als zehn Minuten. Weimar gibt ihr Energie: „Die Stadt hat eine besondere Aura, als ob diese ganzen großen Geister etwas hier gelassen hätten.“

 

Urheber: WeltN24 / BrandStation

Den Originalbeitrag finden Sie unter www.welt.de

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