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Christine Westermann: Erfurter Heimatklänge

Christine Westermann liebt Sydney, hat in San Francisco gelebt, ist schon lange in Köln zu Hause. Wenn sie ihre Geburtsstadt Erfurt besucht, kommen die Erinnerungen an die frühe Kindheit zurück. An Hefeklöße, Kuchen und die ganz besondere Art, wie die Menschen dort reden. Eine berühmte Thüringer Spezialität entdeckte die TV-Moderatorin allerdings erst als Erwachsene, wie sie im Interview verrät…

Jedes Leben erzählt vom Losgehen, Ankommen und Weitergehen. Sie waren viel unterwegs. Wo war es besonders schön?

Jede Stadt ist schön, solange das Wetter gut ist. Ich mag Sydney sehr und würde da gerne mal ein paar Jahre leben. Aktuell bin ich seit langer Zeit in Köln, ich mag die Stadt, die vielen unterschiedlichen Viertel , die es gibt.  Einen Wohnungstausch würde ich mit Hamburg machen, vorausgesetzt, ich hätte genug Geld, um in den wirklich schönen Gegenden wie Blankenese zu leben. Wie behutsam man Hamburg nach dem Krieg aufgebaut hat, anders als Köln, und die Nähe zum Meer, das gefällt mir sehr.

Wer neue Orte entdeckt, nimmt damit immer von anderen Abschied. In Ihrem aktuellen Buch „Manchmal ist es federleicht. Von kleinen und großen Abschieden“ beschäftigen Sie sich intensiv mit dem Abschiednehmen – kann man es lernen, leicht „Tschüss“ zu sagen?

Das weiß ich nicht. Ich habe keinen Ratgeber geschrieben und sage: ‚Leute, so funktioniert es.’ Ich kann es nur für mich beantworten und da war es manchmal schwer und doch in der Rückschau auch leicht. Das ist ja der Trick im Leben: man lebt nach vorn, aber begreift erst beim Blick zurück, was wichtig war. Und vor allem, warum. 

Die Erfurter hängen oft so ein „ne“ an ihre Sätze dran – das sind für mich Heimatklänge.

Sie stammen aus Erfurt. Welche Erinnerungen haben Sie an die Stadt?

Ich erinnere mich an die großen Ferien, die ich als kleines Mädchen bei meinem Großvater verbracht habe. Er hatte eine Pferdemetzgerei in Erfurt, mitten in der Stadt, im Viertel „Große Arche“. Da hatte er einen Hof mit Pferden und gegenüber gab es eine Kneipe, da durfte ich oft Fassbrause trinken – bei der war der Name noch Programm, die kam wirklich aus dem Fass und war sehr lecker. Meine Tante, an die erinnere ich mich auch gut, mit ihr habe ich viel Zeit verbracht. Wir sind häufig auf den Friedhof gegangen, haben die Gartenschau in Erfurt gesehen. Meine Tante konnte wunderbare Hefeklöße machen, mit Semmelbrösel obendrauf, dazu selbst eingemachte Heidelbeeren. Und ich erinnere mich an Kuchen – sehr viel Kuchen. Besonders Mohnkuchen, den fand ich bis auf die Rosinen klasse. Um die besten Rostbratwürste von Thüringen zu finden und zu essen musste ich aber erst sehr erwachsen werden: bei Dreharbeiten mit dem MDR hat uns die Chefin des Bahnhofes die Würstchenbude direkt gegenüber dem Hauptbahnhof empfohlen. Mit Recht. Ich habe noch nie eine bessere Thüringer gegessen, oder genauer: Ich habe sogar zwei gegessen, eine mit Krautsalat und eine im Brötchen.

Kommen Sie regelmäßig zurück an diesen Ort Ihrer Kindheit?

Nein, außer beruflichen Terminen gibt es keine private Verbindung mehr, nur die Erinnerungen.  Anders als noch in den Achtziger Jahren. Ich erinnere mich an eine Reise nach Erfurt mit meinem Kollegen und Freund Frank Plasberg. Wir waren Mitte der 80er Jahre in Erfurt zum St. Martinstag. Der ganze Domplatz voll mit Menschen, mit Kindern und ihren bunten Laternen. Auf den Stufen zwischen Dom und Severi stand ein Altar. Und dann haben tausende von Menschen gemeinsam das berühmte Martin-Luther-Lied „ Ein feste Burg ist unser Gott“ gesungen, das war Gänsehaut pur. Damals war Erfurt noch lange nicht so schön wie heute. Ich war im Frühjahr  beruflich für den MDR dort. Die Stadt ist traumhaft schön restauriert, die Architektur großartig. Ich muss übrigens immer schmunzeln, wenn ich die Leute dort reden höre, weil ich sofort den Sing-Sang meiner Tante höre. Die Erfurter hängen oft so ein „ne“ an ihre Sätze dran – das sind für mich Heimatklänge.

Sie wirken wie ein Mensch, der sehr große Freude am Leben hat.

Ja, das stimmt, ich empfinde Lebensfreude und Lebenslust. Ich bin gern unterwegs, verreise viel. Ich mag aber auch nach langen Arbeitswochen jene Ferientage, in denen gar nichts passiert. An denen ich morgens aufwache und keinen Plan habe, den Tag einfach vertrödele und den Wolken beim Vorbeiziehen zugucke.


Gut zu wissen: Christine Westermann

20 Jahre lang moderierte Christine Westermann die Show „Zimmer frei!“. Zusammen mit Co-Gastgeber Götz Alsmann bildete sie eines der beliebtesten Duos im deutschen Fernsehen. Inzwischen gehört die 69-jährige gebürtige Thüringerin zum „Literarischen Quartett“ im ZDF. Dort stellt sie regelmäßig interessante neue Romane vor. Westermann schreibt aber auch selbst: Zuletzt erschien ihr Sachbuch „Manchmal ist es federleicht – Von kleinen und großen Abschieden“ im Verlag Kiepenheuer & Witsch.

https://christine-westermann.de

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