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Die Lust am Grünen

Die Bienen summen emsig im Kräuterbeet. Rucola-Blätter leuchten sattgrün. Die Blüten der Kapuzinerkresse recken ihre kräftig-bunten Köpfe empor. Dies alles nach dem Motto: Licht an und Bühne frei für einen prächtigen Garten. Der liegt nicht etwa ländlich abgeschieden, sondern auf einer Natur-Insel mitten in Wohngebieten der Großstadt. Der langlebige Trend „Urban Gardening“ startete von Amerika aus seinen Siegeszug um die Welt.

Ob New York, London, St. Petersburg, Berlin – in vielen Metropolen verwandeln Anwohner Brachen, Baulücken, Dächer und andere noch so kleine Fleckchen in blühende Augenweiden und Mini-Äcker für alle – von Jung bis Alt, von arm bis finanzkräftig. Schon die Jüngsten verbinden mit Natur, so die aktuelle Umfrage „Fokus Naturbildung“, vor allem Freiheit (74 %), Abenteuer (71 %) und Gesundheit (42 %). Das beweisen auch wissenschaftliche Studien: Gartenarbeit an der frischen Luft hilft, Stress abzubauen und das Wohlbefinden zu steigern.

Kleingarten-Parzellen, Nachbarschaftsgärten, Mietäcker, Hochbeete – Stadtgärtnern ist bunt. Und beginnt bereits beim „Guerilla Gardening“, bei dem Stadtverschönerer sogenannte Samenbomben aus Erde, Kompost und Saatgut auf verödete (Grün-)Flächen werfen, um die Citys mit bienen- und schmetterlingsfreundlichen Pflanzen zu zieren. Für manchen spiegelt die vielfältige Bewegung des Urban Gardening die Sehnsucht nach einem natürlichen Leben. Gärtnern als einfacher Gegenentwurf zu einer immer komplexeren und sich rasanter drehenden Welt. Wer buddelt, pflanzt und erntet, muss sich geduldig dem Kreislauf der Jahreszeiten unterordnen. Denn Gemüse, Salat und Obst nehmen sich zum Reifen die Zeit, die sie brauchen – unbeeindruckt von Smartphone und vollem Terminkalender. Für andere Vertreter des Phänomens steht beim Gemeinschaftsgärtnern das Miteinander im Fokus. Sich aktiv und nachhaltig mit Gleichgesinnten zu engagieren und auszutauschen, das macht das Gärtnerglück erst komplett. 

Thüringens Stadtgärten boomen

Auch die Städte Thüringens hegen fleißig ihre Blüten: Erfurt bereitet sich bereits auf die Bundesgartenschau 2021 vor. Das ist für die Blumen- und Gartenstadt nichts Außergewöhnliches, reicht die Tradition doch lange zurück. „Des Heiligen Römischen Reiches Gärtner“ rühmte Luther einst die Stadt. Im 18. Jahrhundert begründete der Ratsmeister Christian Reichart den intensiven Erwerbsgartenbau und ließ Stadt und Umgebung schon damals so mit Gemüse versorgen. Im  19. Jahrhundert schlossen sich Zucht und Handel mit Blumen- und Gemüsesamen an. Heute fordert Sascha Döll, der Leiter des Garten- und Friedhofsamtes: „Erfurt soll bunter werden!“ Noch bunter. Er setzt neben offizieller Gestaltung gezielt auch auf Urban-Gardening-Aktionen. Kreative Ideen sind gefragt. Und werden längst umgesetzt: Landschaftsarchitekten und Gartenbauer haben sich 2006 zur „Lagune Erfurt“ zusammengeschlossen und der Aufgabe verschrieben, Natur für alle in der Stadt sinnlich erlebbar zu machen. Brachflächen wurden zu Gärten, Begegnungsstätten und Rückzugsorten für naturliebende Städter. Ganz frisch entstehen in der thüringischen Hauptstadt außerdem sechs Hochbeet-Gärten, betreut werden sie von Paten aus der Nachbarschaft.

Weitere thüringische Städte und ihre Bewohner verwandeln Stadtraum in grüne Experimentierfelder. Saalfeld und Jena reihen sich in die Liste der „Essbaren Städte" ein. In Jena verschmelzen zudem ökologische und soziale Ziele, etwa Schulgärten (Pflanzhaus e.V.), Therapie-Gärten für Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung (Wurzelwerke e.V.) und Integrationsprojekte für geflüchtete Menschen (Stadtteilgarten in Winzerla). Mit den „Bunten Gärten am Moseberg“ realisiert auch Eisenach ein interkulturelles Projekt. Und Weimar hat bereits einem Gemeinschaftsgarten und einer Hochbeet-Anlage erfolgreich grünes Leben eingehaucht. 

Der Selbstversorgergarten als Anschauungsobjekt

Einer, der anderen Menschen Laubenparadies und die DIY-Ernte schmackhaft machen kann und möchte, ist der 31-jährige Wahl-Erfurter Hinrich Schmoch. Der hauptberufliche Nachhaltigkeitsmanager hat sich das Gärtnern selbst erarbeitet und weiß jetzt, worauf es ankommt. „Mein Ziel ist es, so wenig wie möglich zu kaufen und so wenig wie möglich wegzuwerfen.“ Seine Lernschritte und Erfolge dokumentiert er auf seiner Website „Mein Prachtgarten“. Sie dienen auch als Anregungen fürs Gemeinschaftsgärtnern. Denn ob Lustgarten, Ruhe-Oase oder Freiluft-Esszimmer – Mitmachen kann jeder beim Urban Gardening und dabei Wurzeln zu schlagen ist überaus erwünscht.

6 Tipps für Einsteiger und Hobby-Gärtner

1. Einen Gartenarbeitskalender nach Monaten erstellen.
2. Regelmäßiges Planen und Maßnehmen sind wichtig für ein so lang angelegtes Projekt.
3. Mai und September sind die intensivsten Gartenmonate. Unbedingt bei der Urlaubsplanung berücksichtigen!
4. Ausreichend Tageslicht, um auch nach der Arbeit noch in den Garten zu gehen, gibt es ab Mitte April bis Mitte September.
5. Pflanzen sind hart im Nehmen! Aber nur, wenn sie in einem Garten mit echter Erde stehen. Auf der Fensterbank vertrocknen sie schnell mal, im Garten jedoch finden sie fast immer einen Weg weiterzuwachsen.
6. Das Gärtnerhobby in einer Kleingartensiedlung zu beginnen hat Vorteile: Man bekommt Tipps, kann sich vieles abgucken und Werkzeuge leihen.

Mehr dazu im Thüringen Magazin.

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