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EINZ30: Duft nach Holz und frischem Kuchen

Möbel, die mit ihren Maserungen und Rissen vom Leben im Thüringer Wald erzählen, Gebäck mit Früchten aus der Region und bald auch Übernachtungsmöglichkeiten in Zimmern mit selbsthergestelltem Interieur – Tischlermeister Mathias Scheffel hat eine Vision. Sie trägt den Namen EINZ30®.

Inmitten des Thüringer Holzlandes, unweit von Gera, liegt der kleine Ort Kraftsdorf. Idyllisch schlängelt sich der Erlbach durchs Dorf, teils 200 Jahre alte, liebevoll restaurierte Fachwerkhäuser säumen die einzige Straße. Am Ortsrand befindet sich ein Hof, auf dem hinter alten Mauern neue Ideen entstehen – der Holzwerkhof EINZ30®. Er ist das Herzensprojekt von Mathias Scheffel, Thüringer und Tischler aus Leidenschaft.

Als Scheffel Weihnachten 2015 beschließt, seinen Traum eines Holzwerkhofs mit angeschlossenem Café und der Möglichkeit zum Übernachten in die Tat umzusetzen, hat er schon viele Jahre als Tischlermeister gearbeitet und Projekte im In- und Ausland realisiert. Nach und nach ist die Idee seines in der Region einzigartigen Projekts gereift, mit dem er die lange Tradition der Holzbearbeitung neu interpretiert.

2016 erhielt er für seine Geschäftsidee die Gründerprämie des Landes Thüringen und arbeitet seither beständig an der Verwirklichung seiner Vision. „Ich maße mir nicht an, etwas Neues zu machen“, sagt er. „Handwerk braucht keine Innovation, sondern eher eine Identität. Das ist für mich viel wichtiger, als dass ich meine Produkte auf einer modernen Maschine fertige – was dann als innovativ gilt. Für mich geht es darum, etwas zu schaffen, was emotional funktioniert, sei es nun ein Tisch oder ein Ort, der Energie ausstrahlt und die Leute fürs Handwerk begeistert.“

Nachhaltigkeit als Selbstverständnis

Scheffels Möbelunikate sind stets aus Massivholz und auf Langlebigkeit ausgelegt und damit ein Gegenentwurf zur derzeit herrschenden Wegwerfmentalität. „Wenn Kunden kommen und einen Tisch wollen, ist der nicht in einer Woche fertig. Erst muss die Idee reifen und wenn die steht, beginnt ein Prozess, der mindestens drei Monate dauert – dann haben die Leute ein Erbstück“, erklärt er. „Nur so macht die Arbeit für mich Sinn. Für kurzlebige Möbel würde sich für die Kunden die Investition nicht lohnen und mir wäre meine Zeit zu schade.“ So aber guckt er nicht auf die Stunden, sondern optimiert den Tisch so lange, bis er perfekt ist – für die Kunden und für sich selbst.

Diesen Perfektionismus hegte er schon bei seinem Meisterstück, einem Tisch, der heute der Mittelpunkt des Familienlebens ist. Als seine Kinder noch kleiner waren, hatte er stets Sorge, dass sie mit Gabelzinken oder Messern den Tisch beschädigen könnten. Irgendwann habe er dann verstanden, dass gerade die Spuren des alltäglichen Lebens dem Tisch eine Geschichte geben, ihn zum Familientisch machen. „Als meine Kinder vier und sechs Jahre alt waren, haben sie sich schon darüber unterhalten, wer später einmal diesen Tisch bekommt“, sagt Scheffel und lacht. „Mir ist wichtig, meinen Kindern beizubringen, was mit regionalen Ressourcen möglich ist. Wir haben so viel Holz vor der Haustür, das will ich ganz selbstverständlich nutzen.“

Regional, emotional – besonders

Zum Konzept seines Holzwerkhofs EINZ30® gehört die Einbindung regionaler Anbieter. „Das klappt super“, sagt Scheffel und führt neben der Zusammenarbeit mit Bauherren und Architekten vor Ort auch sein Café an. Hier liefert ein Kaffeeröster aus dem Netzwerk Thüringer Tischkultur den Kaffee, den Kuchen backt seine Frau. „Die Idee ist, dass das Café als Multiplikator funktioniert“, erklärt Scheffel.

Vor allem im Sommer können Einheimische und Ausflügler hier Kaffee und Kuchen in schönster Idylle genießen: Vom Hof führt ein 1870 erbauter kurzer Tunnel in ein kleines Tal mit einer Streuobstwiese. Zwischen uralten, knorrigen und jungen, kleinen Bäumen steht eine Tafel, die 30 Personen Platz bietet. „Es ist ein magischer Ort, der sehr viel Emotionalität ausstrahlt“, schwärmt Scheffel. „Hier können unsere Gäste zur Ruhe kommen, die Stille genießen und neue Energie tanken.“

Hier kann man die Leute einfach ansprechen, dann läuft das. Es ist ein regionales Geben und Nehmen.

Die Menschen, die auf den Hof kommen oder das Café besuchen, verstehen die Philosophie hinter Scheffels Projekt – dass es eben nicht nur darum geht, Möbel zu produzieren. Vielmehr ist das EINZ30® ein Ort der Kommunikation und des Austauschs, an dem alte Traditionen und neue Ideen zusammenfinden.

So wie die Übernachtungsmöglichkeiten, die Scheffel künftig auf seinem Hof anbieten möchte. Erste Anfragen gibt es bereits, doch bis Zimmer vermietet werden können, braucht es noch ein wenig Zeit. Zunächst entsteht in Zusammenarbeit mit regionalen Partnern und aus regionalem Holz auf dem Hof ein neues Wirtschaftsgebäude, in dem auch Scheffels Werkstatt Platz finden wird. 

Wer den Thüringer fragt, was er an seiner Heimat am meisten schätzt, dem erzählt er von der Kleinteiligkeit des hiesigen Lebens. Er meint die kurzen Wege, den direkten Kontakt. „Hier kann man die Leute einfach ansprechen, dann läuft das. Es ist ein regionales Geben und Nehmen.“ Um auf sein Projekt aufmerksam zu machen und den Traum von einem eigenen Café Wirklichkeit werden zu lassen, startet Scheffel im August eine Crowdfunding-Aktion über die Plattform Startnext. Sie gibt Gründern und Kreativen die Möglichkeit, ihre Projekte vorzustellen, Kapital einzusammeln und eine Community aufzubauen. Außerdem stellt Scheffel seinen Holzwerkhof im September auf dem Thüringer Tourismustag in Weimar vor.

All das sind kleine Schritte bei der Verwirklichung seiner großen Vision: alten Wurzeln zu neuen Trieben zu verhelfen und damit ein regionaler Motor in der Strukturentwicklung seiner Heimat zu sein.

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