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Ich bin ein Thüringer aus Jena.

Der ganz große Wurf

Mit 24 war Thomas Röhler bereits im sportlichen Olymp angelangt. Doch die Goldmedaille von Rio 2016 ist für den Speerwerfer und Technikfan nun erst recht der Ansporn, in Jena weiter an seinem nächsten großen Ziel zu arbeiten: den perfekten Wurf über die magischen 100 Meter hinaus.

Der Mann bewegt Gewichte. Unermüdlich. Dann schweißtreibende Liegestütze. Und im Laufschritt zur nächsten Station im Zirkeltraining. Es sind die immer gleichen Einheiten in Sachen Kraft und Ausdauer, die Thomas Röhler in einer Sporthalle in Jena absolviert. Runde für Runde. Einsamer Trainingsalltag eines Champions. Nur sein Trainer Harro Schwuchow steht abseits und verfolgt, wie sein Schützling nun auch diese Aufgabe erledigt: ein Handstand auf dem fahrenden Untergrund eines E-Boards. Das Ganze sieht recht akrobatisch aus. Und es gehört zum speziellen Training eines Speerwerfers, um nach einer langen Saison die enormen körperlichen Beanspruchungen auszugleichen.

Ein historischer Sieg, made in Thüringen

Während der Modellathlet wieder ruhiger atmet, fügt er an: „Die Belastung beim Speerwerfen ist etwas einseitig: Der rechte Arm wirft, das linke Bein stemmt.“ Im Moment des Abwurfs können Kräfte von bis zu einer Tonne Gewicht freigesetzt werden. Das war auch am 20. August 2016 so, als Thomas Röhler den Speer 90,30 Meter weit durch den Abendhimmel von Rio schleuderte. Der Wurf bedeutete die erste Goldmedaille im olympischen Speerwurf seit Klaus Wolfermann 1972 in München. Und es war ein historischer Sieg made in Thüringen.

Ein Leisetreter – mit großer Durchschlagskraft

„In dem Moment, als ich den Speer losgelassen habe, wusste ich, dass der Wurf sehr gut wird, weil der vierte Versuch davor schon gut war“, erinnert sich Thomas Röhler an Rio, „das war wirklich sehr emotional.“ Zumal der Sieg so überraschend kam. Noch sechs Wochen vor dem olympischen Finale hatte den Jenaer die schlimmste Verletzung seiner Karriere getroffen – ein tückischer Riss im Rückenbereich. Vier Wochen lang konnte er überhaupt nicht trainieren: „Ich musste den Körper zurückerobern, zurück in die unmittelbare Wettkampffähigkeit.“ Das wäre nur mit einer „gewissen Kampfleistung“ gegangen, bemerkt Röhler sehr sachlich.

Man braucht gewisse Bedingungen, um Leichtathletik auf hohem Niveau zu machen. In Jena funktioniert die Sportfamilie.

Typisch für den Sportstar von der Saale: Er tritt eher leise auf, pflegt das Understatement und einen entspannten, subtilen Humor. Dazu passt auch seine Sportlerfigur, die sich nun auf dem Hallenboden streckt. Zum Ausschwitzen. 90 Kilogramm, 1,91 Meter groß, hochgewachsen und muskulös – aber nicht von dieser bulligen Präsenz, mit der viele Speerwerfer ausgestattet sind.

Thomas Röhler und sein Trainer haben im Jahr eins nach Olympia besonders früh mit dem Winteraufbautraining eingesetzt. Es stellt eine besondere Herausforderung dar, die Motivation weiter hochzuhalten – nach dem größtmöglichen Triumph für einen Leichtathleten. Mindestens neunmal pro Woche quält sich der Mann, der seinen Titel 2020 in Tokio verteidigen möchte, dafür auf seiner Heimanlage, dem Sportkomplex Oberaue, unweit des Stadions der Fußball-Lokalmatadore vom FC Carl Zeiss Jena. Die einzelnen Muskelpartien müssen auf die bevorstehenden Kraftströme entsprechend vorbereitet werden.

Ideale Voraussetzungen an der Friedrich-Schiller-Universität

Nüchterne Analyse, physikalische Gesetzmäßigkeiten, strikte Trainingspläne: Speerwurf ist eine Hochleistungsdisziplin. Mehr denn je. Und wenn Thomas Röhler darüber spricht, dann scheint er gut an den Wissenschaftsstandort Jena zu passen, mit all seinen Forschungseinrichtungen und der Hightech-Industrie, die die Atmosphäre der Stadt prägen.

Der heute 26-Jährige hatte sich nach seinem Abitur am Sportgymnasium von Jena für den Fachhochschul-Studiengang Technische Physik eingeschrieben. Ein Studium mit viel Praxisnähe. „Ich fand es inhaltlich spannend “, sagt Röhler, um dann nachzuschieben: „Durchgehalten habe ich aber nur drei Wochen.“ Dabei lacht er übers ganze Gesicht. Er habe sich durch den Lehrplan doch zu sehr eingeengt gefühlt. Und vor allem: Er wollte seinen geliebten Sport, den er schon als Schüler immer professioneller betrieben hatte, unbedingt weiterverfolgen. Das schien mit einem Bachelor-Studiengang eher möglich zu sein. So wechselte Röhler an die Friedrich-Schiller-Universität, um sein Sport- und Wirtschaftsstudium mit seinen Trainingsplänen zu verzahnen.

Wie alles begann: Steinewerfen mit Papa

Von der Leichtathletik war Thomas Röhler schon seit frühen Kindertagen fasziniert. Ausprobiert hat er vieles, um irgendwann festzustellen: „Lange Läufe waren nie meines.“ Mit seinen Stärken Schnellkraft und Koordination empfahl er sich beim Mehrkampf eher für die Sprung- und Wurfdisziplinen. Röhler erinnert sich gern an die ersten Ostsee-Urlaube, bei denen er Kieselsteine als Wurfobjekte entdeckte: „Wettbewerb gegen Papa – das war immer das Größte.“

Mit 13 Jahren war seine Paradedisziplin der Dreisprung, dieser anspruchsvolle Balanceakt aus Kraft und Sprungtechnik. Damals wuchtete er auch schon gern den Speer. Doch während der Pubertät fiel der Schüler Röhler zunächst durchs Raster von Talentscouts: zu schlaksig für die Wurfdisziplin, in der schon die antiken Olympioniken ihre Kräfte maßen. Erst mit 18, also recht spät, kam er dann wirklich zum Speerwurf.

Jena – Stadt des Wissens und des Sports

Auch heute ist der Olympiasieger im Vergleich zu seinen meisten Konkurrenten von überraschend leichter Statur. Sein Erfolg beruht weniger auf Masse, sondern auf Dynamik und Effizienz, mit der Röhler sein Gerät in die optimale Flugbahn befördert. Bei seiner flexiblen Beinarbeit zehrt er zweifellos von seinen langjährigen Erfahrungen im Dreisprung.

Was ist ein perfekter Speerwurf für ihn? „Der fühlt sich ganz leicht an, als ob ich ganz wenig Kraft aufwenden muss.“ Zur weiteren Optimierung arbeiten Athlet und Trainer neuerdings auch projektbezogen Bewegungswissenschaftlern der Uni Jena zusammen. Erst im Mai hat er in Dubai 93,90 Meter weit geworfen. Er scheint also gut in Form zu sein für die Leichtathletik-EM 2018, diesmal vor heimischem Publikum in Berlin. Röhler hält eine Weite von mehr als 100 Metern – der vom Tschechen Jan Zelezny gehaltene Weltrekord liegt derzeit bei 98,48 Metern – in absehbarer Zeit für möglich.

In der Natur rund um Jena bekommt Röhler den Kopf wieder frei

Bei seinem steilen Aufstieg in die Weltelite des Sports profitierte Röhler sowohl von der gezielten Förderung am Sportgymnasium wie auch von der Infrastruktur der Stadt Jena, die als Olympiastützpunkt auf eine gewachsene Sporttradition zurückblickt: „Man braucht gewisse Bedingungen, um Leichtathletik auf hohem Niveau zu machen. In Jena funktioniert die Sportfamilie.“

Im Jahr seines Olympia-Triumphs hat Röhler auch seinen Bachelor in Sport- und Wirtschaftswissenschaften abgeschlossen. Er möchte noch bis zum Master weitermachen. Der Wechsel zwischen Spitzensport und Unibetrieb schien eine zusätzliche Antriebskraft entwickelt zu haben: „Im Studium war ich gezwungen, meine Zeit auch anders zu investieren. Das hat mir wiederum Freiheit für den Sport gegeben.“

Ende der Trainingseinheit im Sportzentrum. Durchatmen: „Nach so einem Zirkel-Kreis braucht man wieder ein bisschen den Kopf frei. Und ich bin ein Naturmensch.“ Manchmal geht er dann angeln. Oder der begeisterte Foto-Amateur begibt sich auf Motivjagd, gelegentlich bummelt er auch durch die Innenstadt, entspannt sich in einem Café: An Jena mag er „die Mischung aus dem Grünen außen herum und dem dynamischen, innovativen Kern in der Stadt“.

Making-of der Kampagne - Das Shooting

 

Urheber: WeltN24 / BrandStation

Den Originalbeitrag finden Sie unter www.welt.de

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