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Ich bin eine Thüringerin aus Erfurt.

Für sie kommt Erfurt nie aus der Mode

Veronique Sophie Schröter stammt aus einer Familie, die seit Jahrhunderten in Erfurt lebt. Als Modebloggerin startet sie voll durch – und lässt sich dabei täglich wieder von der berühmten historischen Altstadt inspirieren und erden.

Sieben schmale Ringe eines bekannten Modeschmuckherstellers schimmern an den glatten Händen von Veronique, als sie ihre Tasse mit heißer Schokolade hebt und genussvoll trinkt. „Das Unternehmen kam auf mich zu, weil es auf meinen Instagram-Fotos gesehen hat, dass ich seinen Schmuck trage und mag“, erzählt sie. „Sie fragten mich nach einer Kooperation, und ich habe zugesagt und mich sehr gefreut.“ Ein ungemein charmantes Lächeln beginnt in ihren blitzenden Augen, ergreift ihr Gesicht und breitet sich gefühlt im ganzen Ballenberger aus, einem ihrer Lieblingslokale. Dieses Lächeln und ihre bemerkenswert positive Ausstrahlung wirken wie ein Magnet auf die Blicke anderer Leute – nicht nur im Café oder auf der Straße, sondern vor allem im virtuellen Leben, wo ihr mittlerweile knapp 90.000 Menschen folgen.

Veronique liebt Events wie die Berlin Fashion Week – aber nicht so sehr wie das Leben in ihrer Heimatstadt

Die 25-Jährige hat gerade ihren Bachelor in Kommunikationswissenschaften an der Uni Erfurt gemacht, dem voraus ging eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich beim städtischen Energieversorger. „Ich bin ein waschechtes Puffböhnchen! So nennt man diejenigen, die hier geboren sind.“ Diese Hülsenfrucht wird seit dem Mittelalter in Thüringen angebaut, und man erzählt, dass die Einwohner Erfurts immer eine Handvoll davon als Vorrat in ihrer Tasche dabeihatten. Heute werden deshalb zur Geburt kleine Puffbohnen aus Plüsch als Glücksbringer verschenkt. 

Als 2010 die Social-Media-Plattform Instagram durchstartete, lud sich Veronique die App herunter und stellte ihre ersten Fotos unter www.instagram.com/veroniquesophie/ online. Ihr Talent beim Fotografieren konnte sie schon als Kind entwickeln, sie hatte früh eine eigene Kamera. Die schönsten Urlaubsfotos waren immer die von ihr, nicht die der Erwachsenen. Als Jugendliche kam das Interesse an Mode dazu, so weit, so normal. Doch Veronique hatte den Dreh beim Styling raus, bei ihr sahen selbst normale Outfits wie Jeans und Pulli toll aus. „Anfangs habe ich einfach drauflosfotografiert, Momente aus meinem Leben festgehalten und das gepostet. Ganz unkompliziert, so wie die App ursprünglich einmal gedacht war.“ Sie lacht und schüttelt ihre dichten, dunklen Haare, um die sie von vielen ihrer Follower beneidet wird. Vor Kurzem hat sie sich eine Systemkamera zugelegt und geht ihre Fotoshootings zu Hause jetzt wie ein Profi an, mit zwei großen Softleuchten und Serienaufnahmen. 100 Bilder kommen damit schnell zustande, eins davon wird gepostet, wenn möglich, täglich. 

Veronique wusste immer, dass sie in Erfurt bleiben wollte

„Kommunikation interessiert mich schon seit Langem: Ich war Schülersprecherin, war in der Landesschülervertretung und habe mehrere Praktika im Landtag gemacht.“ Während der Ausbildung war Veronique ebenfalls zu großen Teilen im PR-Bereich tätig, im Studium hatte sie als Nebenfach Management gewählt. Doch mit 25 Jahren als selbstständige Bloggerin den Lebensunterhalt verdienen? Den Plan hatte sie nicht, sie sah sich eher im Angestelltenverhältnis. Nur eins war klar: dass sie in Erfurt bleiben wollte, wo es alles gibt, was sie sich wünscht, wo sie alles bekommt, was sie braucht, und wo ihre gesamte Familie lebt, die ihr unglaublich wichtig ist und von der sie gern erzählt. 

Ich sehe mich immer als das Mädchen von nebenan, nicht als extravagante Fashionista.

Die Fotos auf Instagram kamen gut an, immer mehr Leute folgten ihr, zeigten großes Interesse an ihrer Person und an ihren Outfits. „Dadurch bin ich relativ schnell gewachsen, und so erreichten mich auch bald die ersten Anfragen von Agenturen und Brands.“ Um mehr veröffentlichen zu können und Bilder hochzuladen, die „catchen“, begann die Kommunikationswissenschaftlerin damit, ein Blog zu schreiben. Hier veröffentlicht sie Texte zu Fashion, Beauty, Lifestyle, Reisen und Interior, und sie gibt Shoppingtipps.

Unterstützung bekommt sie dabei von ihrem Freund Nick, mit dem sie seit Beginn des Studiums zusammenlebt. Der IT-und Marketingfachmann hilft beim Fotografieren, dreht Videos, stürzt sich begeistert auf deren Schnitt und tritt auch als „Kooperationsmanager“ auf Events und der Berlin Fashion Week in Erscheinung. Wie bei ihren bloggenden Kolleginnen Xenia von „xeniaoverdose“ und Leonie von „ohhcouture“ ist ohne die Hilfe des eigenen Freundes der Vollzeitjob als Influencer nicht mehr zu schaffen. Täglich kommentieren unzählige Follower ihre Postings und freuen sich über eine Reaktion, täglich landen Kooperationsanfragen in ihrem Postfach und bedürfen einer Antwort, täglich muss ein Outfit, eine Frisur, ein Look zusammengestellt, produziert und hochgeladen werden – ein Vollzeitjob, bei dem Privates und Berufliches verschmelzen.

In der Erfurter Innenstadt wandelt die Bloggerin auf den Spuren ihrer Großmutter

Zweimal im Jahr fährt sie nach Berlin zur Fashion Week und sitzt dort mittlerweile bei vielen Shows in der ersten Reihe – eine Ehre, die man nicht kaufen kann. „Bei der letzten Modewoche fand ich die Shows von Dimitri, Marina Hörmanseder und Marcel Ostertag am besten – alle drei waren wunderschön!“

Veronique setzt ihre Mütze auf, wirft einen Oversize-Mantel über – und sieht prompt superstylish aus. Auf dem kurzen Weg vom Ballenberger zur Krämerbrücke versperrt eine italienische Reisegruppe den Weg, die staunend die uralten, schmalen Fachwerkhäuschen auf dem ältesten Bauwerk Erfurts betrachtet. Schon im zwölften Jahrhundert hatten Händler hier am westöstlichen Handelsweg Via Regia Krämerbuden aufgestellt, heute verleiten ein cooler Eisladen namens Eiskrämer, Restaurants wie das Mundlandung, Delikatessengeschäfte und Souvenirläden die Besucher zum Eintreten und Verweilen.

Um den Kopf freizukriegen, geht die Influencerin am liebsten durch die Altstadt, schaut dem geschäftigen Leben am Anger zu, wo sich schon ihre Großmutter als junges Mädchen mit Freunden getroffen hat, und erfreut sich an den herausgeputzten historischen Bauwerken. Kinder laufen auf die orangefarbene Maus und den blauen Elefanten aus der „Sendung mit der Maus“ zu, die der Kinderkanal KiKA in Erfurt produziert. Bei „Schloss Einstein“ und „Die jungen Ärzte“ war Veronique als Statistin dabei. 

Welche Werte der Modebloggerin besonders wichtig sind? Ehrlichkeit und Authentizität

„Ich sehe mich immer als das Mädchen von nebenan, nicht als extravagante Fashionista“, sagt Veronique, die viel Wert auf Authentizität legt. Ihre Outfits kauft sie bei H&M, Zara und Asos. Ihr Kleiderschrank ist voll, aber nicht überbordend, 95 Prozent aller Kleidungsstücke bezahlt sie selbst, der Rest stammt von Kooperationspartnern. „Ich kann ja immer nur eine Jeans am Tag tragen“, sagt sie und lacht. Ungefähr 20 Jeans hängen im Schrank, jede unterscheidet sich im Stil eben doch ein wenig von der daneben. Viele kuschelige Pullis, viele weiße Oberteile, hauptsächlich flache Schuhe. 

Anders als viele Blogger braucht Veronique keine „Fake Follower“

„Ich habe mein Hobby zu meinem Beruf gemacht und bin sehr dankbar dafür. Mit meinen Followern kann ich kommunizieren und weiß, dass sie echte Menschen sind.“ Denn der Kampf um die Klicks verleitet so manchen zum Kauf von „Likes“ und „Fake Followern“. „Aber wie sollte man sich darüber freuen können, wenn man doch weiß, dass die Zahlen erschwindelt sind? Das verstehe ich genauso wenig wie die Freude über einen olympischen Sieg durch Doping.“

So viel Ehrlichkeit zahlt sich aus: Ihr folgen auch ohne falsche Freunde oder Roboter jeden Monat immer mehr Menschen, was wiederum immer mehr Anfragen von Unternehmen nach sich zieht. Viele lehnt sie ab, über einige freut sie sich sehr. Ein paar Tage auf Sylt, eine Woche in New York, Schmuck, Uhren, Pflegeprodukte – als erfolgreicher Blogger hat man durchaus ein angenehmes Leben.

Erfurt – Knotenpunkt zwischen Berlin und München

Erfurt verlassen würde Veronique nie, dazu liebt sie ihre Stadt und ihre Familie zu sehr. Die kurzen Wege, die schönen Parks, das viele Grün, die gute Infrastruktur – wozu woanders hingehen? Wenn im Dezember der Ausbau der ICE-Strecke abgeschlossen sein wird und man nur noch gut anderthalb Stunden nach Berlin und zweieinhalb Stunden nach München braucht, könnte sich Erfurts Bedeutung seiner geografischen Lage in Deutschland annähern: fast der Mittelpunkt im Lande zu sein. Im Leben von Veronique, die an so vielen Orten Follower hat, ist es das schon immer und wird es immer bleiben. 

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