Ihre Entscheidung zu Cookies auf dieser Wesite ist für uns wichtig

Wir nutzen Cookies, um statistische Daten zur Optimierung der Website-Funktionen zu erheben. Das von uns zu diesem Zweck eingesetzte Tool ist etracker. Klicken Sie auf „Stimme zu und weiter“, um Cookies zu akzeptieren und direkt zur Website weiter zu navigieren; oder klicken Sie unten auf „Cookies ablehnen“. In dem Fall können Sie dieses Internetangebot nutzen, ohne dass die genannten Tools eingesetzt werden. Einzelheiten zu Cookies und die eingesetzten Tools erfahren Sie unter Datenschutzhinweise.

Auf dem Bild ist die Erfurter Krämerbrücke zu sehen.

Leben in einem Denkmal

Die Erfurter Krämerbrücke

Nur gut, dass Erfurt am Ende des 19. Jahrhunderts knapp bei Kasse war. Die Stadt hätte sonst die Krämerbrücke abgerissen, die einzige bebaute Brücke nördlich der Alpen. Als „pons rerum venalium“ im Jahr 1156 erstmals urkundlich erwähnt, gehört das Ensemble von Fachwerkhäusern heute zu den Wahrzeichen Thüringens. Doch die Brücke ist nicht nur eine viel besuchte Sehenswürdigkeit. Sie ist ein Ort der „Krämer“ und  Kunsthandwerker geblieben. Zu den Mietern zählen ein Buchhändler, ein Puppenmacher, eine Holzbildhauerin – und ein Landschaftsarchitekt, der Schokolade verkauft: Dirk Fromberger zog 1999 auf die Brücke und arbeitet dort für die Manufaktur Goldhelm.

Herr Fromberger, wie lebt es sich in einem Denkmal?
Es ist schon etwas Besonderes – und das nicht nur wegen bestimmter Details wie meiner massiven, handgeschnitzten Wohnzimmertür. Vielmehr hält so ein Fachwerkhaus immer wieder Überraschungen bereit.  Beispielsweise stellte sich erst bei einer Restaurierung heraus, dass es viel älter ist als bis dahin gedacht. Frühes 15. Jahrhundert. Auch die spätbarocke Stuckdecke hat regelrecht Geschichten erzählt: Die Restauratoren haben sagenhafte 26  Farbschichten abgetragen. Aber es gibt auch ein paar Eigenheiten, die andere Menschen sicher gewöhnungsbedürftig fänden.

Welche Eigenheiten sind das?
Im Winter klemmen die Türen, die Dielen knarzen wie in einem Heimatmuseum, und wenn ich vom Schreibtisch aufstehe, rollt der Stuhl ans andere Ende des Zimmers. Unter meinem Bett beträgt das Gefälle des  Fußbodens stolze sechs Zentimeter. Aber das alles stört mich nicht. Meine Wohnung und das Milieu der Krämerbrücke gehören zu den Gründen, wieso ich nach wie vor in Erfurt lebe.

Was verstehen Sie unter Milieu?
Die Krämerbrücke ist keine Touristenfalle, wo Scharen von Besuchern tagsüber Nippes kaufen und wo abends nichts los ist. Vielmehr mischen sich in den Läden und Restaurants Touristen und Einheimische, oft bis spät in die Nacht. Außerdem bilden die Mieter eine Gemeinschaft. Gäbe es die nicht, würde ich selbst beispielsweise in meinem ursprünglichen Beruf und in einer anderen Stadt arbeiten. Ich bin von Haus aus  Landschaftsarchitekt. Vor ein paar Jahren hat mir aber ein Nachbar angeboten, in seinem Laden auf der Brücke auszuhelfen. Dieser Nachbar ist der Gründer der Schokoladenmanufaktur Goldhelm. Mittlerweile bin ich stellvertretender Manufakturleiter und reise bis nach Vietnam, um die Qualität von Kakaobohnen zu prüfen. Ich kann also ganz ohne Übertreibung behaupten, dass die Krämerbrücke mein Leben verändert hat.

Ähnliche Artikel

Die großen Vier – Thüringens Welterbeschatz

Gleich vier Stätten in Thüringen tragen den begehrten UNESCO-Titel.

Christine Westermann: Erfurter Heimatklänge

Christine Westermann liebt Sydney, hat in San Francisco gelebt, ist schon lange in Köln zu Hause. Wenn sie ihre Geburtsstadt Erfurt besucht, kommen...