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Natur aktiv erleben

Immer mehr Deutsche leben in der Stadt – und spüren eine Sehnsucht nach Natur. Dabei gibt es vielfältige Möglichkeiten, sich den grünen Kick zu holen. Ob im Nationalpark Hainich, beim Urban Gardening oder im Schrebergarten, der bei jungen Familien wieder angesagt ist.

Immer wenn ein Jahr zu Ende geht, feiert der Nationalpark Hainich Geburtstag. 2017 ist es ein runder: Am 31. Dezember vor 20 Jahren trat ein Gesetz in Kraft, das den südlichen Abschnitt des Hainichs – der mit 160 Quadratkilometern das größte zusammenhängende Laubwaldgebiet Deutschlands ist – zum Nationalpark erklärte. Auf rund 7.500 Quadratmetern können die Besucher hier Natur pur erleben – sie sind auf zahllosen Rad- und Wanderwegen unterwegs, erfahren den Wald in seiner Vielfalt und Faszination. Ein Ziel des Parks ist der Schutz des Buchenwaldes, weshalb Thüringens einziger Nationalpark seit 2011 Teil des UNESCO-Weltnaturerbes ist.

Ein unvergleichliches Erlebnis: der Baumkronenpfad

Hauptattraktion für viele Besucher des Hainichs ist der Baumkronenpfad, ein 530 Meter langer hölzerner Parcours, der in Form einer Acht und in bis zu 44 Meter Höhe durch das Blattwerk führt. Ein grandioses Naturerlebnis – und überaus lehrreich: Schautafeln informieren über den Baumbestand und die tierischen Bewohner des Waldes. Wer es noch genauer wissen will, der kann auch an einer der spannenden Führungen teilnehmen.

Diese Nähe zur Natur ist einzigartig, und so sind es neben Schulklassen vor allem junge Familien aus den umliegenden Städten, die im Hainich auf der Suche nach Erlebnissen sind, die sie im Alltag oft nicht haben. Revierleiter Jens Wilhelm sieht es als eine seiner wichtigen Aufgaben an, mit ebenso informativen wie unterhaltsamen Programmen vor allem Jugendliche mit dem Wald vertraut zu machen. Die Menschen gingen heute viel zu selten „einfach nur so“ in den Wald, sagt der Diplom-Forstingenieur: „Es braucht schon etwas ganz Besonderes, das sie anzieht.“ Und das sei eben der Status als Nationalpark. 

Plötzlich wird es ganz still im Wald

Kaum jemand kennt den Nationalpark so gut wie Wilhelm, der schon seit der Gründung zum Nationalpark-Team gehört. Er macht immer wieder Erfahrungen, die der angeblichen Naturverdrossenheit der digitalen Generation widersprechen. Er streicht mit den „Junior Rangers“ durch den Wald und sieht, wie viel Spaß diese Kinder ab acht Jahren dabei haben, die Pflanzen- und Tierwelt zu erkunden. Und er erlebt, wie eben noch lärmende Schulklassen plötzlich ganz still werden, um der Natur zu lauschen. In solchen Momenten zeigt sich: Die Faszination für den Wald ist ungebrochen. Vielleicht gerade weil immer mehr Menschen in Städten leben, inzwischen etwa drei von vier Deutschen.

Thüringens Städte werden immer grüner

Doch auch in der Stadt suchen Menschen nach Naturerlebnissen. Laut einer Umfrage des Bundesministeriums für Umwelt und Naturschutz sind für 97 Prozent aller Deutschen städtische Grünanlagen und Parks wichtig. Wer heute Grün in seiner Stadt vermisst, der greift selbst zu Pflanzhacke und Gartenschere. Oft auch zusammen mit Freunden oder Gleichgesinnten. Urban Gardening heißt der Trend, und die Anhänger dieser Bewegung pflanzen, wo immer sie können, Blumen, Sträucher, Obst und Gemüse an. Das geht weit über den eigenen Balkon hinaus – vor allem Dächer, aber auch Bürgersteige und sogar Hauswände werden in Gärten umgewandelt. Die Größen variieren dabei von XS bis XXL.

Die Stadt als großer Garten – das ist auch die Idee hinter der „essbaren Stadt“, die in vielen Thüringer Gemeinden immer mehr Anhänger findet. Ob in Saalfeld, Rudolstadt oder in Jena, wo seit 2014 ungenutzte Flächen in urbane Gärten verwandelt werden, oft steckt ein sozialer Gedanke dahinter: Was die Hobbygärtner angebaut haben, darf – zur richtigen Zeit – von jedem geerntet und verbraucht werden.

Der Schrebergarten erlebt ein Comeback

Sein früher eher spießiges Image hat auch der Schrebergarten inzwischen abgelegt. Viele junge Städter – vor allem Familien – suchen hier am Wochenende ein wenig Entspannung im Grünen und pflanzen einen Teil ihrer Lebensmittel selbst an. Die Wartelisten in den meisten deutschen Städten sind lang. Einer, der schnell seinen Hobby-Garten gefunden hat, ist Hinrich Schmoch aus Erfurt. In München, wo er vorher lebte, hätte er wohl keinen Schrebergarten bekommen, sagt er, vor allem nicht mitten in der Stadt. Seit gut zwei Jahren betreibt er sein grünes Paradies, das er „P(r)achtgarten“ nennt, mit wachsender Begeisterung. 

Zur Geschichte von Hinrich Schmoch

Aber noch einmal zurück in den Nationalpark Hainich: Einen Tipp hat Förster Jens Wilhelm noch für alle, die ganz besondere Naturerlebnisse suchen. Er rät dazu, auch mal bei Regenwetter in den Wald zu gehen, das würde unvergleichlich gut riechen: „Oder genießen Sie bei Sonnenaufgang das gewaltige Vogelkonzert.“ Der Weg in den Wald und die Natur ist selten weit in Thüringen. Das Bundesland besteht zu etwa 25 Prozent aus Naturschutzgebieten, Biosphärenreservaten – und natürlich dem Nationalpark Hainich.

 

Urheber: FAZ

Den Originalbeitrag finden Sie unter www.faz.net

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