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Thüringen Lotte am Bauhaus bauen

Unterhaltende Bauhaus-Saga made in Weimar

Revolutionäre Kunstideen, starke Frauen, den Pioniergeist von Weimar, berühmte Schauspieler: Das alles vereint der TV-Film „Lotte am Bauhaus“, der an Originalschauplätzen in Thüringen entstand. Die Idee dazu hatte ein Wahl-Weimarer: Christoph Stölzl, Präsident der Musikhochschule Franz Liszt – und Neffe von Bauhaus-Legende Gunta Stölzl.

Ende Mai 2018, ein sonniger Drehtag im Weimarer Park an der Ilm: Ein hochgewachsener Mann – elegante Garderobe, akkurater Schnurrbart – schreitet über den grünen Hügel. Kameraklicken. Stimmengewirr. Reporter umringen den Mann, der ein Star seiner Zeit, der frühen 1920er-Jahre war: Walter Gropius. Schauspieler Jörg Hartmann, bekannt als grimmiger Dortmunder „Tatort“-Kommissar, verkörpert den Bauhaus-Direktor mit charismatischer Nonchalance.

Es ist ein Schlüsselmoment des Fernsehfilms „Lotte am Bauhaus“: Das Haus am Horn, heute zum UNESCO-Weltkulturerbe zählend, diente dabei als authentischer Schauplatz der legendären Bauhaus-Werkschau, die 1923 in Weimar stattfand. Journalisten und Kunstkenner aus aller Welt bewunderten damals die kühne, funktional durchdachte Architektur dieses Musterhauses mit seiner avantgardistischen Einrichtung.

„Tatort“-Star Jörg Hartmann spielt Bauhaus-Gründer Walter Gropius

Während Walter Gropius, der gefeierte Vater dieser Leistungsschau der Moderne, den Gästen von einer „ganz neuen Symbiose aus Kunst und Technik“ vorschwärmt, kämpft nur wenige Meter neben ihm eine junge Frau um Beachtung: Lotte Brendel, gespielt von Alica von Rittberg, hat das Mobiliar des Kinderzimmers gestaltet. Ihr Holzspielzeug verblüfft mit raffinierten geometrischen Formen und einer Farbvielfalt, die stilbildend für das Bauhaus-Design werden.

Der Film wurde an vielen Originalschauplätzen in Weimar gedreht

Im Haus am Horn entstanden Außen- wie Innenaufnahmen des ambitionierten ARD-Films. Die Pionierzeit des Bauhauses – gegründet in den Räumen der vom Belgier Henry van de Velde entworfenen vormaligen Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule – wurde außerdem in der heutigen Bauhaus-Universität sowie an berühmten Weimarer Schauplätzen wie der Sternbrücke am Schloss eingefangen. Für Gropius-Darsteller Jörg Hartmann, 49, waren die Szenen in dem nach Originalplänen möblierten Direktorenzimmer ein besonderes Erlebnis: „Ich interessiere mich sehr für Architektur und habe schon vor den Dreharbeiten viele Stätten des Bauhauses besucht.“

Jörg Hartmann kennt Thüringen gut, arbeitete früher in Meiningen am Theater

Der heute auch an der Berliner Schaubühne arbeitende TV-Star („Weissensee“) erinnert sich auch an sein Engagement am Theater in Meiningen in den Nach-Wendejahren: „Ich bin damals viel durch Thüringen gereist“, so der aus dem Ruhrgebiet stammende Mime, „das war wie ein Ausflug in ein Schwarz-Weiß-Fotoalbum, denn in Städten wie Weimar und Erfurt bekam man eine Ahnung von einem unzerstörten Deutschland mit Städten, die noch alle ihren unverwechselbaren Charakter hatten.“ Nach den mehrwöchigen, von der Mitteldeutschen Medienförderung mitfanzierten Dreharbeiten in Weimar zog der Film-Tross weiter nach Prag und Dessau.

Jörg Hartmann verkörpert den Bauhaus-Direktor Walter Gropius (1883 – 1969) zunächst als einen Mann des radikal neuen Denkens („Es war eine ordentliche Bombe, die er da in Weimar gezündet hat.“), aber im Laufe des Filmes zunehmend als Kreuzung aus einem frühen Marketing-Genie und besonnenen Diplomaten. „Gropius konnte selbst bekanntlich nicht gut zeichnen“, so Hartmann, „seine größte Fähigkeit war es wohl, unterschiedlichste Menschen zusammenzuführen und deren kreatives Potential zum Blühen zu bringen. Und er war ein Fels in der Brandung bei den internen Spannungen und den zunehmenden Angriffen von außen auf das Bauhaus.“ 1925 zog das Bauhaus in die aufstrebende Industriestadt Dessau, nachdem in Thüringen national-konservative Kräfte die Oberhand gewonnen und Zuschüsse für das Bauhaus gestrichen hatten.

Die meisten Bauhaus-Frauen gerieten nach 1945 in Vergessenheit.

Lotte Brendel ist ein fiktiver Charakter. Doch die aufgeweckte, hochtalentierte Architekturstudentin steht im Film für viele Frauen, die aktiv am Bauhaus-Experiment mitwirkten. Die Emanzipation wurde von „Übervater“ Gropius zwar generell gefördert, doch er beschnitt die Frauenquote auch immer wieder aus Sorge um die Außenwirkung der als kommunistisch und feministisch verschrienen Designschule. „Nach 1945 gerieten die meisten der Frauen in Vergessenheit“, sagt der Historiker Christoph Stölzl, „und im Schatten der männlichen Bauhaus-Legenden wie Paul Klee, Oskar Schlemmer oder Wassily Kandinsky wurden sie um ihre Verdienste gebracht.“

Christoph Stölzl: „Meine Tante Gunta war eine emanzipierte und unglaublich tapfere junge Frau“

Die Familiengeschichte des heutigen Präsidenten der Weimarer Musikhochschule Franz Liszt ist eng mit der Geschichte des Bauhauses verknüpft: Christoph Stölzl, 74, ist der Neffe von Gunta Stölzl (1897 – 1983), die nicht nur als stilbildende Textildesignerin des 20. Jahrhunderts gilt, sondern am Bauhaus auch als einzige Frau den „Meister-Status“ erlangte.  Die Lehrertochter aus München zählte zu den ersten Studentinnen, die sich 1919 an der neuen, vom Reformgeist der jungen Weimarer Republik geprägten Hochschule eingeschrieben hatten. Professor Stölzl: „Als Kind war Gunta für mich die strenge Tante, die in ihrem Schweizer Haus von Kunstbüchern umgeben war. Später habe ich auf dem Dachboden die Korrespondenz zwischen ihr und meinem früh verstobenen Vater entdeckt. Die Geschwister hatten ein sehr enges Verhältnis, und in Guntas berührenden Briefen kommt zum Ausdruck, was für eine emanzipierte und unglaublich tapfere junge Frau sie war.“

Der Film ist vor allem eine Hommage an die Leistungen der Bauhaus-Frauen

Das Filmprojekt „Lotte in Weimar“ wurde von Christoph Stölzl, der sich auch im gemeinnützigen Bauhaus-Freundeskreis engagiert, im Sommer 2014 angestoßen. Seiner Zeit waren etliche Nachfahren von Bauhaus-Künstlern nach Dessau gekommen, um an der Einweihungsfeier der rekonstruierten Meisterhäuser von Walter Gropius und László Moholy-Nagy teilzunehmen. Stölzl: „Da haben wir dann alle zusammengesessen, darunter die Enkel von Oskar Schlemmer und meine Cousine aus Holland, und auf einmal befanden wir uns im ganz normalen Familientratsch: lustige Anekdoten, Macken, Liebschaften. Da dachte ich: Hoppla, das ist ja wie eine Soap.“

Christoph Stölzl konnte den Top-Produzenten Nico Hofmann für seine Filmidee begeistern

Christoph Stölzl, als ehemaliger Berliner Kultursenator und Direktor des Historischen Museums bestens vernetzt, übermittelte seine Idee an Nico Hofmann, den für deutsche Geschichtsstoffe aufgeschlossenen Chef der UFA-Filmproduktion („Unsere Mütter, unsere Väter“): „Er biss sofort an“, sagt Stölzl. Das  Projekt, das dann schließlich von dem Drehbuchautor Jan Braren und dem Regisseur Georg Schnitzler („Die Wolke“) umgesetzt wurde: ein Film, der das Bauhaus nicht allein aus der kunsthistorischen Perspektive betrachtet, sondern mit lebendigen Biografien und menschlichen Konflikten unterhält. Zudem legt die auf Fernsehfilmlänge verdichtete Handlung den Fokus auf die selbstbewussten, schöpferischen Frauen – auch das ein eigener Akzent angesichts der vielen akademischen Veranstaltungen und Museums-Neueröffnungen im Laufe des Bauhaus-Jubiläumsjahres.

Filmheldin Lotta Brendel hat viele historische Vorbilder, darunter Bauhaus-Meisterin Gunta Stölzl

Mit Alicia von Rittberg, Star der historischen TV-Serie „Charité“, konnte eine der derzeit gefragtesten deutschen Schauspielerinnen für die Titelrolle gewonnen werden. „Ich war völlig fasziniert davon, wie modern die Bauten und auch die Einrichtung noch heute auf einen wirken. Vor 100 Jahren muss das alles ausgesehen haben wie von einem anderen Planeten“, sagt die 25-Jährige über die Dreharbeiten. Im Film ist ihre Lotte die Tochter eines Tischlers aus Weimar, die sich zunächst von patriarchalischen Familienstrukturen löst und dann am Bauhaus darum kämpft, sich genauso wie die männlichen Mitstudenten verwirklichen zu können. 

Inspiriert ist die Figur von verschiedenen Lebensläufen. Man erkennt die Möbeldesignerin Alma Siedhoff-Buscher, deren Kinder-„Schiffbauspiel“ heute als Bauhaus-Klassiker noch immer erhältlich ist. Und wenn Lotte neben ihrem Studium eine Tochter aufzieht und auch in ihrer Ehe um Gleichberechtigung kämpfen muss, dann zeigen sich starke Parallelelen zur Vita von Gunta Stölzl: Die Meisterin der Textilwerkstatt hatte mit dem jüdischen, später in Israel berühmt gewordenen Architekten Arieh Sharon (1900 – 1984) eine Tochter, die sie auch mit in die Uni brachte. Die resolute, freigeistige Stölzl – die 1933 in die Schweiz emigrierte – nutzte ihre Position, das  traditionell „weibliche“ Webhandwerk künstlerisch weiterzuentwickeln, förderte viele Mitstudentinnen und sorgte dafür, dass ihre Abteilung auch kommerziell überaus erfolgreich war.

Der umtriebige, in Weimar sesshaft gewordene Kulturmacher Christoph Stölzl begleitete auch die Drehvorbereitungen mit seiner Expertise. Mit dem vorab gesehenen Film ist er rundum glücklich: „Die Bauhaus-Saga spiegelt sich in der Biografie einer jungen Frau wider, hinreißend sympathisch und klug verkörpert von Alicia von Rittberg. Sie ist das Bauhaus in seiner unsterblichen Jugendlichkeit. Und wir erleben noch einmal, was es in seiner kurzen intensiven Phase von nur 14 Jahren für Möglichkeiten eröffnet hat.“

Lotte am Bauhaus

Sendetermin: Mittwoch, 13.02.2019 20:15 Uhr im Ersten.

Ab dem 15.02.2019 als DVD und Blu-ray erhältlich.

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