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Viel mehr als bunte Bilder: Comics aus Thüringen

Erfurt entwickelt sich immer mehr zur Thüringer Comicmetropole – neben zwei Messen, auf denen sich die Szene trifft, hat jetzt ein Comic-Café eröffnet. Auch in Weimar ist in Sachen Comics einiges los: Die Autorin und Zeichnerin Olivia Vieweg hat mit ihrer Zombie-Story „Endzeit“ riesigen Erfolg.

Erfurt wird bunt an diesem Wochenende. Und schrill. Auf der Messe treffen sich Tausende Manga-Fans, Cosplayer und Comicfreaks zur Magnology, die erstmals in der Thüringer Hauptstadt stattfindet, nachdem sie zuvor in Hamburg zu Hause war. Es gibt Signierstunden, Workshops, Panels, Kino und viel mehr. Wenige Wochen nach dem Festival Comic Park ist das die zweite Großveranstaltung für die Liebhaber fantasievoller Zeichenwelten in Erfurt.

Planet Comics: Treffpunkt für Thüringer Comicfans

Die Stadt ist ein Anlaufpunkt für die Comicszene geworden, bestätigt Jan Ettingshausen. Der 41-Jährige hat lange Jahre im Comicladen Comic Attack gearbeitet und im August sein eigenes Geschäft eröffnet. Bei Planet Comics verkauft er nicht nur Mangas, Comics und Graphic Novels (Erklärung: siehe Kasten unten), sondern bietet auch Kaffee, Tee und süße Leckereien an. „Anders geht es nicht“, sagt Ettingshausen, seit seiner Jugend Comicenthusiast. Wer von so einem Laden leben wolle, müsse sich etwas einfallen lassen. Und das hat er getan: So will er in seinem Shop auch Workshops, Lesungen und Signierstunden veranstalten. Sein erster Gast war eine gebürtige Thüringerin, die gerade mit ihrem Comic „Girlsplaining“ (Reprodukt) deutschlandweit für Furore sorgt. Katja Klengel, in Jena aufgewachsen, erzählt von dem Alltag eines jungen Mädchens (das ihr selbst ähnelt) in Berlin – eine Art „Sex and the City“ im Reality-Check. Witzig, feministisch und sehr, sehr frech. Das kommt auch bei der Kritik gut an: „So scharfsinnig wie lustig“, lobte zum Beispiel die „taz“.

Ein Road Trip durch Thüringen

Mit einem gerade sehr angesagten Thema beschäftigt sich die Weimarer Zeichnerin und Texterin Olivia Vieweg: Untote, also Zombies. Die 31-Jährige ist aber nicht auf den sprichwörtlichen fahrenden Zug aufgesprungen, sondern hat ihren Comic „Endzeit“ bereits vor gut sieben Jahren vollendet. Ihre Inspiration, sagt sie, „waren eher die klassischen Zombiefilme wie ,Die Nacht der lebenden Toten’ als die Erfolgsserie ,The Walking Dead’.“

„Endzeit“ war ihre Abschlussarbeit an der Bauhaus-Universität Weimar, wo Vieweg visuelle Kommunikation studierte. Dafür gab es nicht nur gute Noten, sondern auch eine Veröffentlichung im kleinen Weimarer Comic- und Mangaverlag Schwarzer Turm. Inzwischen ist der Erfolg der Geschichte um zwei Mädchen, die nach der Zombie-Apokalypse auf einen gefahrvollen Road Trip von Weimar nach Thüringen gehen, zum Mega-Erfolg geworden. 2018 erschien eine neu gezeichnete und verlängerte Version von „Endzeit“ im renommierten Carlsen-Verlag; im kommenden Jahr soll die Verfilmung ins Kino kommen.

Deutsche Comics liegen im Trend

So wie Vieweg „machen immer mehr deutsche Zeichner richtig gute Comics“, sagt Ettingshausen, „dennoch haben gezeichnete Geschichten in Deutschland immer noch ein schlechteres Image als in Frankreich, Belgien oder den USA.“ Beispiele für großartige deutsche Comickünstler nennt Ettingshausen auch gleich: Reinhard Kleist zum Beispiel, der zuletzt mit seiner Graphic Novel über den Musiker Nick Cave beste Kritiken einheimste. Und Flix, dem unlängst die Ehre zuteil wurde, den französischen Klassiker Spirou nach Berlin verfrachten zu dürfen, mit riesigem Erfolg: Die Erstauflage von „Spirou in Berlin“ war sofort ausverkauft, auch bei Planet Comics.

Eine Geschichte von Erfurter Widerständlern

Ein weiterer Star unter den neueren Autoren stammt ursprünglich aus Thüringen, lebt allerdings schon lange in Hamburg. Der Zeichner und Autor Simon Schwartz brachte zuletzt die Graphic Novel „Ikon“ (Avant-Verlag) heraus. Bekannt ist er in Thüringen aber vor allem für die Glasfassade der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße, die er gestaltet hat, eine Collage aus Motiven der Ereignisse, die 1989 zum Ende der DDR führten. Leiter der Gedenk- und Bildungsstätte ist seit 2014 Jochen Voit. Und auch er hat gerade eine Graphic Novel veröffentlicht: In „Nieder mit Hitler! Oder warum Karl kein Radfahrer sein wollte“ erzählt er zu Zeichnungen von Hamed Eshrat die wahre Geschichte einer Gruppe von Erfurter Handelsschülern, die es 1943 wagte, Widerstand gegen das Nazi-Regime zu leisten. Eine bildstarke Graphic Novel über wahren Mut und ein weiterer Beweis, das Comics weit mehr sind als nett bunte Bilder.

Gut zu wissen:

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Comic, Graphic Novel und Manga?

Comic
Ein Comic erzählt eine Geschichte in gezeichneten Bildern. Dazu zählen Strips in Zeitungen wie die „Peanuts“ von Charles Schulz, Karikaturen, Hefte wie die Superheldengeschichten von Marvel, aber auch ganze Bücher. Typische Elemente sind Sprechblasen, Bildunterschriften und cartooneske bis realistische Zeichenstile.

Graphic Novel
Die Graphic Novel ist der Comic im Buchformat. Meist drehen sich Graphic Novels um erwachsene Themen und heben sich stilistisch von Veröffentlichungen ab, die sich eher an Kinder und Jugendliche richten. Viele Künstler sehen darin jedoch eine unnötige Unterscheidung zum vermeintlich profanen Comic: Denn auch Comics können lang und ernst sein.

Manga
Als Mangas bezeichnet man Comics, die aus Japan, dem größten Comicmarkt, stammen oder nach japanischem Vorbild gestaltet sind. Traditionell liest man Mangas von hinten nach vorne. Die Themen und Zeichenstile sind vielfältig. Auffällig sind jedoch die häufig großen Augen, niedliche Charaktere, eine Schwarz-Weiß-Ästhetik und das besonders ausdruckstarke Erzählen.


Infos:

Magnology (MAG 2018)
Messe Erfurt
Gothaer Straße 34
Freitag, 5.10., bis Sonntag, 7.10.
Tagesticket: ab 26 Euro
Infos und Programm: https://mag-con.de


Planet Comics
Eichenstraße 7
99084 Erfurt https://www.facebook.com/planetcomicserfurt/

 

Bildquellen: 
Stiftung Ettersberg/Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße
Adrian vom Baur
Reprodukt/Katja Klengel
Privat
Jochen Voit und Hamed Eshrat 2018

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