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Volkenroda: So geht Kloster heute

Warum kommen jedes Jahr rund 50.000 Menschen nach Volkenroda in Thüringen? Weil sie im dortigen Kloster Einkehr suchen – oder ein Bauwerk bewundern wollen, das schon auf der Expo 2000 für Furore sorgte.

Keine 200 Menschen leben in dem Örtchen, das malerisch zwischen Streuobstwiesen und Feldern liegt. Und dennoch ist der Name Volkenroda weit über die Region hinaus bekannt. Jahr für Jahr kommen Tausende Besucher in das Thüringer Dorf, aus Deutschland, aber auch aus der übrigen Welt: Rund 50.000 sollen es in der vergangenen Saison gewesen sein, berichtet die Tageszeitung „Die Welt“.

Das Wunder von Volkenroda

Angezogen werden sie von einem spektakulären Bauwerk, das hier seit 2001 steht: Der Christus-Pavillon, der Teil des evangelischen Klosters Volkenroda ist. Ein lichtdurchflutetes Gebäude, gestützt von mächtigen Stahlpfeilern und mit einem goldfarbenen, drei Meter hohem Kreuz als Blickfang. Erbaut wurde der Pavillon ursprünglich für die Expo 2000 in Hannover, damals schrieben begeisterte Kritiker, er sei die Seele der Weltausstellung. Jetzt ist er Antrieb einer Entwicklung, die auch schon mal als „Wunder von Volkenroda“ bezeichnet wird.

Noch zu Beginn der Neunzigerjahre war der Ort fast verlassen, selbst die Kirche war eine Ruine. Doch dann kam die Jesus-Bruderschaft aus dem hessischen Gnadenthal, kaufte die Anlage und begann mit der Sanierung. Bevor der Christus-Pavillon dazu kam, wurde erst einmal die Kirche auf Vordermann gebracht – und das mit Erfolg. Die älteste noch bestehende Zisterzienserkirche Deutschlands beeindruckt durch klare Formen und die Abwesenheit von spielerischen Elementen, ihre schlichte Schönheit sei beeindruckend, sagen Architekturkenner.

Für sie ist Volkenroda zum Hotspot geworden, die extra nach Volkenroda reisen, um den Bau zu bewundern, der von dem in Hamburg tätigen Architekten Meinhard von Gerkan stammt, berühmt geworden mit dem Entwurf für den Flughafen Berlin Tegel. In Volkenroda treffen sie auf Gläubige und Pilger aus aller Welt, die hier Einkehr suchen. Und sie treffen auf Besucher aus der Region, die eine der vielen öffentlichen Veranstaltungen besuchen, vom Bauernmarkt bis zum Sommerkino. Offen für alle zu sein, das ist eines der wichtigsten Prinzipien des Klosters.

Das Kloster ist offen für alle

Und so finden hier auch Menschen Hilfe, die sich von einer seelischen Krise erholen wollen. Ob sie den Verlust eines geliebten Menschen oder einen beruflichen Burn-out verarbeiten müssen – das Kloster Volkenroda bietet ihnen die Möglichkeit, wieder zu sich selbst zu finden. Ob sie christlichen Glaubens sind oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Im Kloster essen alle gemeinsam und arbeiten alle gemeinsam, erklärt Ulrike Köhler, die hier als ehrenamtliche Pfarrerin und Seelsorgerin tätig ist: „Die körperliche Arbeit beruhigt die Gedanken und lässt die Gäste sich als Teil der Gemeinschaft fühlen.“

Um Volkenroda zu verstehen, muss man hier gewesen sein.

Eine von denen, die geblieben ist, ist Kristina Lohe. Sie kam für eine Auszeit ins Kloster Volkenroda, half in den Ställen aus – und fand dabei ihren Frieden. Heute ruht sie in sich selbst, lebt und arbeitet in Volkenroda. Als stellvertretender Vorstand ist Lohe verantwortlich für die Pressearbeit. Sie freut sich über den zunehmenden Erfolg von Kloster Volkenroda, der viel damit zu tun hat, dass dieser Mikrokosmos zugleich traditionell und modern ist und viele Überraschungen für die Besucher bereithält. Doch eigentlich kann man das Erfolgsgeheimnis des Klosters gar nicht in einem Satz zusammenfassen, weiß Sarah Burgdorf, die hier gerade ihr Freiwilliges Soziales Jahr beendet hat: „Um Volkenroda zu verstehen, muss man hier gewesen sein.“ Worte, die man als Einladung verstehen sollte.

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