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Nachbarschaft als Herausforderung

Weimar und die Gedenkstätte Buchenwald

Das hellste und das dunkelste Kapitel der Geschichte eines Volkes – an keinem anderen Ort der Welt prallen sie so sichtbar aufeinander wie in Weimar, urteilt Professor Dr. Volkhard Knigge. Für den Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora gehören zur Erinnerungskultur der Deutschen nicht nur die Schauplätze, an denen um 1800 die europäische Aufklärung ihren Höhepunkt erreichte. Das ehemalige Konzentrationslager auf dem Ettersberg sei als Bildungsort genauso wichtig.

Herr Professor Knigge, wieso sollten Weimar-Besucher eine Fahrt nach Buchenwald einplanen?

Bis heute erschüttert die Tatsache, dass Weimar – einst Zentrum der deutschen Klassik – und Buchenwald so dicht beieinander liegen. Gerade in Weimar fand der Nationalsozialismus viele Befürworter. Deshalb kann man am Doppelort Weimar- Buchenwald besonders konkret in Erfahrung bringen, warumund wie es zu Krieg und Verbrechen kam.

Führt man eine solche Auseinandersetzung nicht besser in Schulen und Parlamenten?

Dort natürlich auch. Aber der  authentische Ort mit seinen historischen Spuren, den Sammlungen und Ausstellungen fördert die Auseinandersetzung: Wie entsteht Menschenfeindlichkeit politisch und gesellschaftlich? Was sind ihre Folgen? Wie kann man solchen Entwicklungen widerstehen? Außerdem werden Fragen nach dem gerechten Umgang mit verbrecherischer Geschichte aufgeworfen. Buchenwald wurde ja nach 1945 als sowjetisches Speziallager Nr. 2 genutzt und war ab 1958 das erste Nationaldenkmal der DDR. Viele Ihrer Historikerkollegen bezweifeln, dass wir aus der Geschichte lernen können. Richtig ist, dass Geschichte nicht einfach Rezepte für unser Handeln heute gibt. Die Vergegenwärtigung menschenfeindlicher Vergangenheit trägt aber entscheidend dazu bei, zu verstehen, was man besser nicht tut, als Einzelner oder als Gruppe, damit Gesellschaften ihre  Menschlichkeit nicht verlieren. Menschlichkeit zu zerstören, geht schnell. Sie wieder herzustellen, ist schwer. Hier liegen die zukunftsrelevanten Orientierungspotenziale der Gedenkstätte. Wer die Gifte der Vergangenheit kennt, lässt sie sich nicht mehr als Heilmittel aufschwatzen.

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