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Über hübsch verpackte Geschenke freut sich an Weihnachten jeder – einige der verschenkten Puppen und Bären kommen aus Thüringen.
Über hübsch verpackte Geschenke freut sich an Weihnachten jeder – einige der verschenkten Puppen und Bären kommen aus Thüringen.

Thüringen.
Wo aus Wünschen Geschenke werden.

Puppe statt Smartphone, Teddy statt Tablet, Baukasten statt Spielkonsole – die Wunschzettel der Kinder sahen vor hundert Jahren völlig anders aus. Viele dieser Highlights wurden damals in Thüringen hergestellt, das in dieser Zeit ein international bedeutender Standort für die Spielzeugproduktion war. Aber auch heute findet man noch Spielzeugmacher im Freistaat, die ihr Kunsthandwerk verstehen und den einen oder anderen Wunsch wahr werden lassen.

Plüschig, kuschelig, riesig.

Ein Teddybär ist mehr als ein Spielzeug. Martin Bären aus Sonneberg macht aus den Plüschfreunden etwas ganz Besonderes. Hier, im Familienbetrieb, werden die Teddys seit vier Generationen in Handarbeit gefertigt und sind am Ende genauso individuell wie ihre späteren Besitzer. Wer also etwas Einzigartiges für den Gabentisch sucht, wird in Sonneberg fündig. Es muss ja nicht gleich der 5,60 Meter große Teddy sein, der am Eingang des familieneigenen Museums die Besucher begrüßt und als größter seiner Art im Guinnessbuch der Rekorde steht. Genauso übrigens wie der kleinste seiner Art, der auch im Sonneberger Teddymuseum ausgestellt ist.

Wenn die Kufen rufen.

Wenn der Thüringer Wald unter einer dichten Schneedecke liegt, dann gibt es kein Halten mehr. Der Schlitten wird aus dem Keller geholt und Groß wie Klein freut sich auf eine rasante Fahrt über verschneite Hänge. Vor allem, wenn es Petrus besonders gut mit uns meint und die weiße Pracht zu Weihnachten herabrieseln lässt. Denn wie lässt sich die Wartezeit auf die Bescherung besser überbrücken als auf dem Rodel?

Schlitten findet man aber nicht nur auf den Hängen im Thüringer Wald, sondern auch auf den Wunschzetteln vieler Thüringer Kinder. Da passt es natürlich gut, dass der Freistaat neben hervorragenden Rodelpisten auch gleich die perfekten Schlitten bietet.

Ein Zentrum des Thüringer Schlittenbaus ist Geschwenda, unweit vom Wintersportmekka Oberhof gelegen, wo übrigens 2023 die Rodel-WM ausgetragen wird. Der Ort mitten im Thüringer Wald ist seit 1948 Sitz der KHW Kunststoff- und Holzverarbeitungswerk GmbH, Weltmarktführer für Kunststoffschlitten. Jedes Jahr verlassen rund 400.000 Rodel das Werk und werden in 34 Länder exportiert. Da staunt selbst der Weihnachtsmann. Erstaunlich ist auch die Palette an unterschiedlichen Schlitten, die hier produziert wird. 40 Modelle stehen zur Auswahl – vom einfachen Tellerrutscher bis zum Snow Quad. Besonders beliebt ist aber das Modell Snow Fox. Egal, ob man waghalsig die Piste hinunterschießen möchte oder lieber gemächlich Richtung Tal rutscht – die Schlitten sind das passende Geschenk für alle, die es lieben, wenn es bergab geht. Und perfekt, um im winterlichen Thüringen jede Menge Spaß zu haben.

Für alle, die sich über den ersten Schnee freuen, um endlich wieder mit dem Rodel unterwegs sein zu können, locken in Thüringen zahlreiche Pisten – von sachte bis steil. Einige der schönsten Strecken finden Sie HIER.

  • Mit dem Teddy „Ottfried“ gewann Andrea Heese-Wagner 2021 den „Golden George“.
  • Thüringer Schlitten – von Profis produziert und von kleinen Schneefans ausprobiert.

Willkommen in der Werkstatt des Weihnachtsmanns.

Zentrum der Spielzeugproduktion war die Stadt Sonneberg in Südthüringen. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Ort nahe der bayerischen Grenze „Werkstatt des Weihnachtsmanns“ genannt und galt als Weltspielwarenstadt. Kein Wunder. Schließlich produzierten hier, am Fuße des Thüringer Walds, über 2.000 kleine Manufakturen rund 20 % der weltweiten Spielzeuge und ließen so Weihnachtswünsche von Kindern überall auf der Welt wahr werden. Dass den Arbeitern dabei aufgrund härtester Arbeitsbedingungen selbst nicht weihnachtlich zumute war, sollte dabei nicht verschwiegen werden.

Waren es zunächst einfache Holzspielzeuge und Murmeln, die aus Sonneberg kamen, setzte sich im 19. Jahrhundert mehr und mehr die Produktion von Puppen aus Papiermaché durch. Immer detailreichere und mit beweglichen Gliedern ausgestattete Puppen eroberten die Gabentische rund um den Globus, darunter die weltweit erste Babypuppe, „Sonneberger Täufling“ genannt. Anfang des 20. Jahrhunderts gesellten sich Plüschtiere und Teddybären „Made in Sonneberg“ hinzu und wurden ebenfalls zu weihnachtlichen Verkaufsschlagern.

Von der Weltspielwarenstadt zum VEB.

Nach dem 2. Weltkrieg verlor Sonneberg zwar an weltweiter Bedeutung als Spielzeugstadt, galt aber noch immer als Ort, der Kinderträume wahr machte. Auch über die Grenzen der damaligen DDR hinaus. So fanden Modelleisenbahnen aus dem „VEB Sonni Sonneberg“ auch im Westen zahlreiche Liebhaber. Nach der Wiedervereinigung entstand daraus die Firma PIKO, deren Eisenbahnen bis heute unter vielen Weihnachtsbäumen liegen. Worüber sich nicht nur die Kleinen freuen.

Einzelstücke und Museumsexponate.

War es früher die Massenproduktion im Akkord, für die Sonneberg stand, werden heute in den meist kleinen Werkstätten eher echte Unikate hergestellt. Zum Beispiel mit den Biene-Puppen der gelernten Spielzeugdesignerin Sabine Auerswald oder den individuellen Teddys aus dem Haus Martin Bären. Sie sind Protagonisten der immer noch lebendigen Spielzeugtradition Sonnebergs. Dieser Tradition wird im ersten Spielzeugmuseum Deutschlands gedacht, das bereits 1901 eröffnet wurde und seit dem Besucher von nah und fern nach Sonneberg lockt. Hier können rund 100.000 Exponate aus aller Welt bewundert und höchste Handwerkskunst bestaunt werden. Und ganz sicher findet man hier eine Inspiration für die nächsten Weihnachtsgeschenke. Denn was wäre das Fest der Liebe ohne ein Geschenk für die Liebsten?

Waltershausen – eine Stadt wird zur Puppenstube.

Neben der Spielzeugstadt Sonneberg war die „Puppenstadt“ Waltershausen ein wichtiger Produktionsstandort. In Waltershausen fertigten damals fast alle großen, namhaften Puppenhersteller ihre wertvollen Porzellankopfpuppen. Angefangen hatte es 1816 mit Johann Daniel Kestner und seinen Papiermaché-Puppen. Ein lohnendes Geschäft, das bald viele Nachahmer finden sollte. So produzierten zu Spitzenzeiten rund 30 Firmen in Waltershausen und machten es laut Schriftsteller August Trinius zur „Riesenpuppenstube“. Dank immer neuer Ideen setzten die Waltershausener die Maßstäbe in der Puppenfertigung. Zum Beispiel mit der ersten sprechenden Puppe, die bereits 1890 Klein und Groß begeisterte. Und das nicht nur zu Weihnachten. Auch wenn in Waltershausen keine Puppen mehr gefertigt werden, den Namen Puppenstadt trägt die Gemeinde noch heute voller Stolz. Warum, das kann man unter anderem im Museum Schloss Tenneberg entdecken.

Tradition trifft Qualität.

Mit Schildkröt produziert Deutschlands ältester, noch aktiver Puppenhersteller in Rauenstein bei Sonneberg. Seit 1896 steht das Unternehmen für Puppen in höchster Qualität und setzt heute auf schadstofffreie und nachhaltig produzierte Materialien.

Auf über 130 Jahre Spielwarentradition kann die Firma Steiner Plüschtiere aus Georgenthal zurückblicken. 1889 als Puppenfabrik Franz Schmidt & Co. gegründet, produziert man heute handgefertigte Kuscheltiere.

Kleine Steine, großer Spaß. Die Anker Bausteine aus Rudolstadt.

Wenn um die Jahrhundertwende Kinder unter dem Weihnachtsbaum ihre Geschenke öffneten, war häufig ein Anker-Bausteinkasten darunter. Sie gelten als das erste Systemspielzeug der Welt und hatten die Idee, der Phantasie beim Spielen freien Lauf zu lassen.

Eigentlich wurden die bunten Bausteine von den Brüdern Lilienthal entwickelt. Aber da den beiden Flugpionieren eine finanzielle Bruchlandung drohte, verkauften sie ihre Erfindung um 1880 an den Rudolstädter Unternehmer Friedrich Adolf Richter, der sie in kürzester Zeit zu einem weltweit gefragten Spielzeug machte. Persönlichkeiten wie Albert Einstein, Bauhaus-Gründer Walter Gropius oder der ehemalige US-Präsident Bill Clinton spielten als Kinder mit den bunten Steinen und schulten so ihre Kreativität.

Doch so groß die Namen der Anker-Baustein-Fans auch war, so dürftig sah die Zukunft des Unternehmens in der damaligen DDR aus, bis schließlich 1963 die Fertigung eingestellt wurde. Es dauerte über 30 Jahre, bis die Produktion auf Initiative von Prof. Dr. Georg Plenge wieder aufgenommen wurde. Schnell bildete sich erneut eine weltweite Fangemeinde, die heute wie damals direkt aus Rudolstadt beliefert wird. Am liebsten zur Weihnachtszeit.

  • Ganze 42 in Handarbeit hergestellte Steine zählt „Der Kleine Gernegross“ Anker-Baukasten.
  • Die Zwergnase-Puppe von Nicole Marschollek-Menzner trägt rotes Echthaar und heißt Evita.

Wenn Spielzeug zur Kunst wird.

Andy Warhols Suppendosen, van Goghs Sternennacht, Dalís dahinfließende Uhren und mittendrin Spielzeug aus Sonneberg. Was unglaublich klingt, wurde 2012 wahr. Renate Müllers Rupfentiere schafften es ins New Yorker Museum of Modern Art. Die gelernte Designerin begann in den 60er Jahren, in der Werkstatt ihrer Eltern reformpädagogisches Spielzeug zu entwickeln. Das Ergebnis waren die bereits erwähnten Rupfentiere. Der Name stammt vom Material, aus dem die Tiere hergestellt wurden. Der grob gewebte Rupfen wurde mit Holzwolle gefüllt und mit bunten Lederapplikationen versehen. Die Rupfentiere dienten sowohl zum Kuscheln als auch zum Draufsetzen. Sie wurden zu DDR-Zeiten zunächst als Therapiespielzeug verwendet und fanden erst spät den Weg in die Kinderzimmer. Heute gelten die Tiere unter Sammlern als begehrte Stücke, die mitunter vierstellige Preise erzielen.

Zu höchster Kunstfertigkeit in Sachen Puppen hat es Nicole Marschollek-Menzner gebracht. Die Zwergnase-Puppen der gebürtigen Rauensteinerin sind bei Puppenliebhabern höchstbegehrt. Das liegt nicht zuletzt an den ausdrucksstarken Gesichtern, die jeder Puppe einen eigenen Charakter geben. Nach dem Studium und einigen Jahren bei einem großen Puppenhersteller in Oberfranken zog es Marschollek-Menzner zurück in ihre Heimat, um hier künstlerisch unabhängig Puppen von höchster Qualität zu produzieren. Mittlerweile hat sie Ihr Sortiment um Bären erweitert, die ebenso unverkennbar sind, wie die Puppen. Sammlern kann man mit beiden zu Weihnachten eine echte Freude bereiten.

Geschenke für Genießer.

Zum Dahinschmelzen, zum Anstoßen, zum Verfeinern. Decken Sie doch mal den Gabentisch mit Thüringer Delikatessen wie handgemachte Schokolade, exklusiver Senf und edle Weine. Ein paar leckere Tipps finden Sie hier.

Veröffentlicht am:
01.12.2023