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Ingenieur in freier Wildbahn

Schon als Kind erkundete er auf zwei Brettern ausgiebig den Thüringer Wald. Heute nutzt der leidenschaftliche Wintersportler Sigmar Holland-Moritz sein Gespür für Schnee, um als Skidesigner die Traditionsmarke Germina in die Zukunft zu führen.

Designer stellt man sich gern als Tüftler im stillen Kämmerlein vor. Sigmar Holland-Moritz ist jemand, der sich diesem Schema sofort entzieht: drahtige Figur, ein offenes, jungenhaftes Lachen, ganz der Typ Naturbursche. Sobald der 29-Jährige eine Idee im Kopf hin und her bewegt, zieht es ihn nach draußen, in den Schnee. Die Bretter, an denen er gerade arbeitet, werden untergeschnallt. Und dann: Start frei für die Probefahrt direkt vor seiner Tür im Dorf Unterschönau, inmitten der idyllischen Wintersportregion des Thüringer Walds.  

„Ich brauche kein Testlabor, außer vielleicht für ein paar mechanische Tests“, beschreibt der Skidesigner des Unternehmens Germina seine Herangehensweise. Ein Mann der Tat. Der seine Zeit lieber auf weißem Untergrund verbringt als mit grauer Theorie im Büro. Wenn er die Prototypen ausfährt, dann kennt Sigmar Holland-Moritz alle Loipenkilometer und jede Erhebung in der Gegend. Es ist seine Heimat.

Gelebte Tradition: lange Bretter aus Thüringen

„Man hat hier früher Langlaufen gelernt, sobald man gehen konnte“, erzählt er mit einem Glänzen in den Augen, „ich war knapp zwei Jahre alt.“ Und da zeichnete sich bereits seine Lebensbahn ab. Die ist er beherzt angegangen, hat ein paar Umwege eingeschlagen, um sich schließlich nach seiner Studienzeit in Magdeburg wieder fest in Thüringen niederzulassen. 

„Ich kann der Region sehr, sehr viel abgewinnen. Ich bin immer in der Natur unterwegs, habe eine unglaublich schöne Landschaft vor mir“, sagt der Mann, der seit 2015 bei Germina für Produktentwicklung und Innovationen verantwortlich ist. Langlaufskier werden in dem mittelständischen thüringischen Unternehmen schon seit den frühen 70er-Jahren gefertigt. Diese für die Zukunft fitter und leistungsstärker zu machen, sieht der Ex- Leistungssportler Holland-Moritz als seine große Herausforderung. Und mit ihr verbinden sich zwei große Leidenschaften: für den Sport und für alles Technische. Er ist ein Tüftler, bei dem sich Erfindergeist stets mit einer gesunden Bodenhaftung verbindet.

In den Kindheits- und Jugendtagen von Holland-Moritz deutete zunächst alles auf einen gradlinigen Weg zum Wintersport hin. Er bewegte sich so selbstverständlich in der Loipe wie Gleichaltrige auf dem Dreirad, nahm schon als Schüler an Ranglistenwettbewerben teil. Das qualifizierte ihn fürs Sportgymnasium, wo er bald Skilanglauf auf hohem Leistungsniveau betrieb. Das bedeutete: tägliches Training, den ganzen Winter durch Wettbewerbe, auch internationale. Holland-Moritz: „Da bist du kaum in der Schule.“

Die Teststrecke liegt direkt vor der Firmentür

Nach seinem Abitur zog es den Hochbegabten nach Magdeburg. An der dortigen Universität gibt es ein breit gefächertes, interdisziplinäres Angebot an Sportstudiengängen. Die Fachrichtung „Sport und Technik“ schien wie geschaffen für den Sohn eines Ingenieurs: Er vertiefte sein Wissen über mechanische Abläufe und die Beschaffenheit von Materialien. Und mit der Energie eines Leistungssportlers machte er sich daran, seine ersten eigenen Skimodelle zu entwickeln.

Ich bin immer in der Natur unterwegs, habe eine unglaublich schöne Landschaft vor mir.

Wer Sigmar Holland-Moritz heute bei seiner Arbeit erlebt, gewinnt schnell den Eindruck: Hier lebt jemand seinen Traumberuf aus. In den Fertigungshallen in der 600-Seelen-Gemeinde Unterschönau wirkt der Chefdesigner in seiner lässigen Funktionskleidung wie einer von vielen Mitarbeitern – und zugleich so, als ob er stets auf dem Sprung zur nächsten Loipentestfahrt wäre. Oder er setzt sich schnell ins Auto, um ins 20 Minuten entfernte Oberhof zu fahren.  

Im Ortskern des weltbekannten thüringischen Sportmekkas unterhält die Traditionsmarke Germina, die heute von der Nothnagel Technologie GmbH & Co. KG betrieben wird, ein Ladengeschäft mit Verleih und ganzjährigem Testlabor. Hier kümmert sich der kommunikationsfreudige Skibauer auch ums Vertriebsgeschäft – und zieht aus dem direkten Kundenkontakt in Oberhof Anregungen für seine Entwicklungsarbeit. „Sachen, die du privat gerne machst, auch beruflich durchzusetzen“, definiert Holland-Moritz das Ziel seiner Arbeit, das er als täglichen Ansporn empfindet.

Die hohe Skikunst: Natur, Sport und Hightech

Wie ist der ideale Langlaufski beschaffen? „Die Neuentwicklungen orientieren sich eher am Leistungs- als am Breitensport“, sagt Holland-Moritz. Und der leidenschaftliche Skifahrer bringt bei seiner Arbeit stets die Perspektive – und die Erfahrungen – des zielstrebigen Profis mit ein. Zum Beispiel in der „Kernfrage“ – dem für Dynamik und Flexibilität entscheidenden Innenleben eines Skis. So lässt der Designer Kohlenstofffasern testen, ein Hightech-Material, das auch in den Boliden der Formel 1 eingesetzt wird. Oder die fürs Vorankommen so wichtige Beschichtung der Skier: Hier experimentiert Germina statt mit den üblichen Wachsarten mit dem Fell der Mohairziege als Untergrundmaterial.  

Trotz seiner ausgeprägten Heimatverbundenheit zieht es den Thüringer, der immer noch an Wettbewerben teilnimmt, auch zwischendurch in die Ferne – etwa ins Langlauf-Mutterland Norwegen, wo er sich neue Skier oder Lauftechniken anschaut. Doch Schnee muss es schon sein: „Es gibt zwei Arten von Menschen. Diejenigen, die sich vom Winter distanzieren, weil alles matschig und kalt ist. Und die, die den ganzen Tag nicht mehr aufhören zu grinsen, wenn sie das erste Mal aufstehen und draußen alles weiß ist.“ Dabei strahlt Sigmar Holland-Moritz so, als hätte er gerade olympisches Gold geholt.

Skiwandern im Thüringer Wald: Tipps von Sigmar Holland-Moritz

Ausflug zur Hohen Möst
Die Hirtenrasen-Tour und die Wachsenrasen-Runde sind die bekanntesten Strecken auf dem Höhenweg Rennsteig. Der Abstecher zur Hohen Möst (887 Meter) wird oftmals ausgelassen – zu Unrecht. Los geht es am Grenzadler in Oberhof. Dem Rennsteig folgen in Richtung Inselsberg bis zur Schutzhütte Axel. Links an der Schutzhütte vorbei über die Rollerbahn Grenzadler. An der nächsten Gabelung (Schutzhütte Karin) geradeaus den Schildern zur Hohen Möst folgen. Highlight ist der atemberaubende Blick über das Hasenthal. Bei klarem Himmel sieht man bis weit in die Rhön zur Wasserkuppe.

Einkehr in der Hütte
Man muss ja auch mal Pause machen. Ich empfehle in der Umgebung von Oberhof die Hütte der DRK-Bergwacht auf der Neuhöfer Wiese, die auch im Winter bewirtschaftet ist. Außerdem lohnend: die Neue Gehlberger Hütte auf dem Schneekopf – wegen der phänomenalen Aussicht und der exzellenten Thüringer Klöße. Die Waldgaststätte Forsthaus Sattelbach, ein Stück südlich von Oberhof, bietet sich ebenfalls als Zwischenziel für eine Skitour an; täglich bis 17 Uhr geöffnet, außer mittwochs. Das Gebäude mit den dekorativen Geweihen an der Fassade hat eine Umzäunung aus Skiern. Und in Oberhof selbst, direkt neben dem Geschäft von Germina, liegt das Restaurant Cortina. Dort gibt es Tiroler Spezialitäten.

Um den Sommerbachskopf
Hier habe ich immer gerne trainiert: am Sommerbachskopf: Es gibt unterschiedliche Rundenlängen (1 bis 5 Kilometer) und eine Verbindung zum Schneekopf, wo es auch im Winter eine Bewirtschaftung gibt. Wer mit dem Auto kommt, parkt auf der Suhler Ausspanne zwischen Schmücke und Oberhof. Außerdem herrscht hier am Wochenende weniger Andrang als auf den „Alten Rollerbahnen“ (Asphaltstrecken, die im Sommer fürs Skirollertraining genutzt werden) im Umfeld des Grenzadlers. Unbedingt zu empfehlen: ein Ausflug zum Sommerbachskopf. Vorbei am Sommerbacher Pirschhaus (keine Winterwirtschaft) und an der Grabanlage Wills Gräber.

 

Urheber: WeltN24 / BrandStation

Den Originalbeitrag finden Sie unter www.welt.de

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