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Auf dem Thüringer Goldpfad

Im Thüringer Wald lagern viele Geheimnisse aus der Urgeschichte – und Gold. Beides aufzuspüren hat sich Dr. Markus Schade zur Lebensaufgabe gemacht. Der gelernte Geochemiker betreibt in Theuern ein einzigartiges Goldmuseum. Besuchern zeigt er, wie sie von der Natur reich beschenkt werden.   

Markus Schade ist ein reicher Mann. Er muss nur um sich greifen. Oder seine Waschpfanne ins Flussbett tauchen – in dem der 63-Jährige trotz eisiger Temperaturen steht, in Gummistiefeln und gewärmt von einem gut gefütterten Karohemd. „Die Frage ist nicht, wo gibt’s Gold“, sagt er, „das gibt es überall. In jeder Pfütze und in jedem Stein- und Sandhaufen.“  
Am Südrand des Thüringer Walds herrscht Goldgräberstimmung. Bei Wind und Wetter. Ob draußen in der wildromantischen Natur oder drinnen in einem malerisch gelegenen Fachwerksgebäude, der alten Burgmühle. Hier ist Markus Schade – der hochgewachsene Mann im Holzfäller-Look – nicht nur zu Hause. Der promovierte Geochemiker unterhält im Örtchen Theuern seit mehr als 20 Jahren ein privates Goldmuseum. Das einzige seiner Art in Deutschland.

Thüringen und seine goldene Vergangenheit

Gold in Deutschland? Das fragte sich Markus Schade, als er im Alter von acht Jahren staunend vor einer Vitrine im Berliner Naturkundemuseum stand. Das Objekt der damals geweckten kindlichen Neugierde war ein kleines, glänzendes Stück Gold. Davor klebte ein Zettel: „Gefunden in Deutschland“. Von da an ließ Schade diese Kostbarkeit, verknüpft mit vielen Mythen und Legenden, nicht mehr los. Der gebürtige Berliner sammelte alles zum Thema Gold und zu den Funden, die es nicht nur in Alaska oder Kanada gab, sondern auch in Mitteleuropa. Neben dem Studium und später neben seinem Beruf durchstöberte er Archive, wälzte Bücher, reiste unentwegt: „Ich habe meine ganze Freizeit für Gold genutzt – das mache ich heute noch so.“

„Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles“ – das wusste schon Goethe

Thüringen hat einen ertragreichen Boden. Hier wurden im Mittelalter große Goldvorkommen abgebaut. Dass auch heute noch Spuren dieser ruhmreichen Geschichte – mehr als in anderen Bundesländern – zu finden sind, das hat vor allem zwei Ursachen: die für Ablagerungen förderliche Beschaffenheit des thüringischen Schiefergebirges und ein weitverzweigtes Flusssystem. Gerade in kleinen, strömungsarmen Bächen sammeln sich die Goldreste, die für Markus Schade zur Passion geworden sind.

Es ist eine Mischung aus diesem Reiz des Seltenen und des Unbekannten.

Es kommt ihm nicht auf die Größe an. Die gefundenen Nuggets, mehrere Hundert über all die Jahre, sind in der Regel ein bis zwei Millimeter groß. Sie haben für Schade einen ideellen Wert. Auf goldreiche Stellen zu stoßen, die allerhand Rückschlüsse auf spannende geologische Prozesse zulassen, ist für ihn „eine Mischung aus dem Reiz des Seltenen und des Unbekannten. Ich möchte wissen, was passiert da mit dem Gold, warum ist hier Gold und dort nicht.“  
Als Markus Schade Ende der 70er-Jahre mit seiner Suche begann, war das Wissen um Vorkommen in Deutschland und die verschiedenen Techniken des Goldwaschens sehr lückenhaft und an keiner Stelle systematisch erfasst. Mit der für ihn naheliegenden Berufswahl des Geochemikers hatte er sich die Basis angeeignet, um schließlich autodidaktisch weiterzuforschen. Auch seine mehrjährige Anstellung als Schachtgeologe im Thüringer Uranerzbergbau half ihm bei seinem intensiven Hobby.

Herrn Schades Gespür für verborgene Schätze

„Ich habe zigfach alles falsch gemacht. Und wenn man nichts findet, weiß man nicht: Is hier nix, oder gibt’s was, und ich finde es nur nicht?“, erinnert sich Markus Schade schmunzelnd. Wie die Goldglücksritter im Wilden Westen musste er anfangs viele enttäuschende Tage verarbeiten, an denen er knietief im Wasser stand, ohne ein winziges Körnchen zu finden. Doch das spornte seinen Ehrgeiz nur noch mehr an weiterzumachen, sein Wissen zu vertiefen und irgendwann das richtige Gespür für die ertragreichen Bäche und gut verborgenen Adern zu entwickeln.  
Heute ist Dr. Markus Schade ein Gold-Wissenschaftler im Unruhestand, dessen Expertise einzigartig ist. Davon zehren die Besucher seines Museums, das Schade 1997 mit Ehefrau Karin gründete und in all den Jahren mit Exponaten aus aller Welt angereichert hat: Goldstücke, Landkarten, Werkzeuge, Waschpfannen, historische Goldsucherutensilien wie eine Biberfalle, die er von einem seiner vielen USA-Besuche mitgebracht hat. 2003 beschloss er, sich selbstständig zu machen und sich ganz dem Museum zu widmen, mit Anfang 50. Im schönsten Berlinerisch, das nach all den Thüringer Jahren wenig abgeschliffen ist, sagt er: „Da fragte ich mich: Was willste denn nun noch machen in deinem Leben? Es gibt ja nur das eine, ist ja kein Probelauf.“

Deutschlands einziges Goldmuseum: eine lebendige Geschichte

Zwischen 7.000 bis 8.000 Neugierige aus ganz Deutschland besuchen jährlich das Goldmuseum bei einem Eintritt von drei Euro (oder umgerechnet 0,2 Gramm Gold). „Nicht schlecht für so ’nen kleenen Laden“, sagt Schade stolz. Den Gästen eröffnen sich aber nicht nur tiefe Einblicke in die Geschichte und geologischen Grundlagen der Goldgewinnung. Sie können auch selbst Pfanne, Sieb und Eimer in die Hand nehmen, um mit dem Museumsleiter in der Umgebung auf Schatzsuche zu gehen. Auf den zweistündigen Exkursionen sind auch Familien willkommen. Am Ende winkt sogar eine Belohnung: „Das gefundene Naturgold gehört generell dem Finder.“  
Schade erzählt lebendige Anekdoten aus seinem langen Goldsucherleben und erklärt anschaulich die filigrane Waschtechnik, die unabdingbar ist, um sich mit selbst gefundenem Edelmetall zu beschenken. Die Sedimente müssen behutsam bewegt werden, sodass sich die leichteren unedlen Brocken vom Edlen trennen. Entscheidend ist, in welchem Winkel man die Pfanne hält. Ruhe und Geduld führen eher zum Ziel als hektisches Hantieren.  
Passionierten Goldwäschern komme es ohnehin nicht auf hohe Erträge an, so Schades Credo, sondern auf das Erlebnis: Es ist eine Outdoor-Aktivität der besonderen Art, die uns die Natur neu wahrnehmen und zugleich eine Verbindung zu vergangenen Epochen spüren lässt.

Keine Angst vor unbekannter Natur und Wölfen

Seine erste Begegnung mit Goldwäschern hatte Markus Schade vor vielen Jahren, noch während seiner Studienzeit bei einer Exkursion in Sibirien. Es ist eine Geschichte, die er heute gerne seinen Kursteilnehmern erzählt. „Im ersten Moment dachte ich, das war's jetzt. Da haste keine Chance“, beginnt er zu erzählen. Er stand auf einmal einem Rudel Wölfe gegenüber – allein. In dieser Notlage habe er ganz instinktiv gehandelt: „Ich habe den Leitwolf wie einen Hund behandelt und bin einfach mal einen Schritt nach vorn gegangen.“ Der Rückzug – Schritt für Schritt – klappte. Für Schade ist das ein Beweis, welch ursprüngliche Einheit Mensch, Tier und Wildnis bilden. Wenn er auf Tiere treffe, die ihm physisch überlegen seien, könne er seinen Verstand nutzen: „Dann haben beide eine faire Chance. Das ist für mich das Schöne an der Natur.“

Urzeitliches Thüringen: Tipps von Markus Schade

600 Millionen Jahre Erdgeschichte
An der Verbindungsstraße von Scheibe-Alsbach nach Goldisthal, eine Autostunde südlich von Erfurt, liegt ein mehrere Kilometer langer geologischer Aufschluss, einzigartig in Deutschland. Denn dort ist die Gesteinsfolge seit dem Präkambrium fast lückenlos zu sehen. Kleines Highlight: ein angeschnittener Vulkanschlot. Führungen/Anmeldung unter: www.goldmuseum.de

Seltene Flora und Fauna
Der Goldpfad führt vom Goldmuseum circa 30 Kilometer bis nach Goldisthal. Auf dem Wanderweg lässt sich die Geschichte des Goldes verfolgen, aber auch seltene Natur bestaunen, darunter der fast ausgestorbene Bärlapp, die rare Weißtanne, Eisvögel und Kernbeißer. Die Zweitagestour bietet sehr viel Ursprünglichkeit und Ruhe, aber auch Kultur und Geschichte, zum Beispiel im Haus der Natur.  

Faszinierende Felsformationen
In einem Tal bei Fehrenbach unterhalb des Masserbergs liegen riesige Felsen aus sogenannten Konglomeraten. Hier handelt es sich um Abtragungsschutt des Variszischen Gebirges, das sich vor 200 Millionen Jahren aufgefaltet hat und so groß war wie die Alpen. Heute ist das Gebirge restlos wieder eingeebnet, nur der Verwitterungsschutt zeugt noch davon. Die imposanten Felsen sind im Grunde ein uraltes Flussbett: Die enormen Formationen bestehen aus dem Schotter eines Stromes, der vor 300 Millionen Jahren existierte.

 

Urheber: WeltN24 / BrandStation

Den Originalbeitrag finden Sie unter www.welt.de

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