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Meisterhaft: Christian Sattler bringt KI und Handwerk zusammen.

KI in der Duschkabine: Sattler Fliesen aus Thüringen

Fliesenleger Christian Sattler aus Brahmenau bei Gera nutzt digitale Anwendungen und Künstliche Intelligenz in seinem Betrieb. Die Kunden sehen ihr Bad erst virtuell – dann wird gebaut.

Unter einem rosa Abendhimmel stürzt der Wasserfall über die Felsenkante. Das Panorama in dem TikTok-Video erinnert an eine Fototapete, doch es ist die Rückwand einer Duschkabine. Christian Sattler vom Fliesenlegerfachbetrieb Sattler Fliesen schwenkt die Kamera von einer Ecke der Dusche zur anderen und fragt: „Was ist eure Meinung dazu?“ Die Fotowände sind auf Aluverbundplatten angebracht – ein neuer Trend in Bädern. Die Duschkabine als handwerkliche Meisterleistung, und Sattler ist sichtlich stolz. „Ich finde, das Bild sieht geil aus“, sagt er. Likes und einige Kommentare bestätigen ihn.

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Medien fürs Handwerk: Sattler Fliesen auf Insta, TikTok und Co.

Wo andere Fliesenleger nicht mal eine Website haben, ist der 45-jährige Sattler gleich auf mehreren Kanälen online unterwegs. Auf Instagram und TikTok hat er mehrere Tausend Follower, sein Internetauftritt ist ein Hingucker: Eine junge Frau mit Handtuchturban und weißem Bademantel tanzt fröhlich vor einem Spiegel. Das in Grau und Weiß gestaltete Bad wird zur Kulisse.

Da weiß jemand, wie man Medien erfolgreich einsetzt. Sattler stellt sich den Herausforderungen der Zeit. Das bewies er bereits, als er die Firma seines Vaters übernahm. „Der Zeitpunkt war schwierig“, erinnert er sich zurück. Vor drei Jahren ließen der Ukraine-Krieg, steigende Zinsen und ein Einbruch im privaten Wohnungsbau die Perspektive für ein Handwerksunternehmen eher düster erscheinen. Doch: „Einfach kann jeder“, sagte Sattler und zog seine Entscheidung durch. 

Seine Biografie führte nicht zwangsläufig an diesen Punkt. Zwar hatte Sattler nach der Schule Fliesen-, Platten- und Mosaikleger gelernt, musste jedoch mit 18 Jahren am Knie operiert werden. „Danach riet mir der Orthopäde, einen anderen Weg einzuschlagen.“ Er machte das Abitur nach, studierte Wirtschaftsingenieurwesen und arbeitete in der chemischen Industrie, zuletzt in leitender Funktion. Doch als sein Vater den Betrieb aus Altersgründen schließen wollte, machte er eine Kehrtwende. 

„Ich wollte nicht, dass das, was er über Jahrzehnte aufgebaut hat, einfach verschwindet.“

Christian Sattler, Inhaber Sattler Fliesen

Christian Sattler sieht sogar einen Vorteil darin, dass er die Nachfolge in schwierigen Zeiten antrat: „Dann muss man sich von Anfang an etwas einfallen lassen.“ In der ersten Phase halfen ihm noch bestehende Aufträge, doch danach richtete er den Betrieb neu aus. Sein Vater hatte vor allem für Ausbau- und Hausbaufirmen Aufträge übernommen. Christian Sattler setzt dagegen auf Privatkunden. 

Handwerk trifft Hightech: Sattler gewinnt Kunden mit KI und TikTok

„Ich montiere bei Oma Käthe den Küchenspiegel und statte komplette Wohnhäuser aus”, erzählt Sattler. Dafür fährt er durch die ganze Region: Ostthüringen, Jena, Erfurt und Leipzig – manchmal bis zu 600 Kilometer am Tag. Seine Kunden finden ihn vor allem übers Internet. Seine Social-Media-Posts haben schon eine richtige Fangemeinde. Neulich sprach ihn in Gera eine ältere Dame an, ob er etwa der Sattler von TikTok sei. Nicht das erste Mal, dass ihn jemand erkennt. Die Posts macht er allein. „Ich gehe abends drei Minuten auf die Terrasse und fertig“, sagt er.  

Seine Aufgeschlossenheit für neue Medien hat ihm schon eine Auszeichnung eingebracht: Das Deutsche Innovationsinstitut für Nachhaltigkeit und Digitalisierung und das Wirtschaftsmagazin DUP ehrten ihn im vergangenen Jahr als „Unternehmen der Zukunft“. „Unter all den IT-Spezialisten und Dienstleistungsbetrieben war ich wahrscheinlich der einzige Handwerker, der sich über die Auszeichnung freuen konnte“, sagt Sattler. 

Digitale Anwendungen kommen bei seiner Arbeit häufig zum Einsatz: Bei der Gestaltung von Bädern setzt er Softwareprogramme und Künstliche Intelligenz ein. „Räume messe ich mit einem Laser aus. Die Maße werden aufs Tablet übertragen“, berichtet er. KI-gestützte Software erstellt aus dem Laserscan ein 3D-Modell des Raums. „Anschließend kann ich die Fliesen, die ein Kunde ausgewählt hat, in das Modell einfügen. So sieht er oder sie schon vor Beginn der Arbeiten, wie sein späteres Bad aussehen könnte.“ Das Spiel mit Varianten gehört selbstverständlich dazu.  

Große Fliesen, großer Aufwand: Arbeit bei Sattler Fliesen

Darüber hinaus können die KI-Programme den Materialbedarf berechnen. „Die Zeitersparnis ist enorm und bietet nur Vorteile – auch bei der Materialbestellung und dem Zuschnitt“, sagt Sattler. Der Umgang mit den Materialien ist heutzutage ein wichtiges Thema, denn die Fliesenformate werden immer größer. „Während in meiner Lehrzeit eine Fliese von 33 mal 33 Zentimetern als groß galt, verlegen wir heute Formate von bis zu 120 mal 280 Zentimetern.“ Eine solche Fliese kann fast 40 Kilogramm wiegen. Das Handling ist allein nicht möglich. Deshalb arbeiten immer mindestens zwei der fünf Mitarbeiter von Sattler Fliesen zusammen. Die körperliche Belastung für Fliesenleger ist durch die großen Formate gestiegen. 

Gleichzeitig hat sich der Planungs- und Arbeitsaufwand erhöht: „Je größer die Fliese, desto langsamer werden wir“, sagt Sattler. Das Material muss genau ausgemessen und mit großer Sorgfalt geschnitten werden. „Verschneide ich eine Fliese von 120 mal 120 Zentimetern, werfe ich anderthalb Quadratmeter Material weg und muss selbst den Verlust tragen.“  

Mit KI wachsen: Sattler Fliesen baut den Betrieb um

Sparsam zu wirtschaften ist für den Betrieb wichtig, denn Sattlers Ziel für die Zukunft ist es vor allem, alle Mitarbeiter zu halten und seinen Auszubildenden zu übernehmen. Außerdem will er größer werden und hat kürzlich eine Firma für Böden gegründet – „Sattler Boden“.  

Auch im Büro setzt der Unternehmer auf die Unterstützung durch neue Technologien. Dafür hat er ein eigenes KI-gestütztes System entwickelt. „Bei Kundenterminen kann ich nach Zustimmung Gespräche aufnehmen und transkribieren lassen. Zusammen mit Aufmaß, Grundriss und weiteren Angaben entsteht daraus das Angebot“, erzählt er. Das System erledigt zudem viele weitere Aufgaben wie Rechnungslegung und -prüfung. Das macht Sattler den Rücken frei für Wichtigeres. Er ist zufrieden: „Ich mache meine Arbeit gern. Sonst würde es auch nicht funktionieren.“