
Technologie und Handarbeit: So geht Handwerk heute
Wenn Standard nicht weiterhilft: Handwerk bei Ruben Peter Ausbau
Wenn traditionelles Handwerk und technische Innovation sich verbinden, entstehen neue Möglichkeiten. Roboter, Laser und KI erleichtern die Arbeitsprozesse und ermöglichen so mehr Zeit für die unersetzbare Handarbeit. Das zeigt das Unternehmen Ruben Peter Ausbau aus Floh-Seligenthal, das dann ins Spiel kommt wenn der Standard nicht weiterhilft. Vom Krankenhaus-OP bis zum Konzertsaal – kaum eine Aufgabe, die die Firma nicht übernommen hat.
Noch ist das Gebäude nicht fertig, aber die Neugier ist groß: Wie wird der Campus Inselplatz der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der durch Mittel der Europäischen Union im Rahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) kofinanziert wird, aussehen? Ende des Jahres soll er eröffnet werden. Pläne zeigen: Wer künftig in der Bibliothek sitzt, lernt zwischen hellen Regalen und Tischen in einem lichtdurchfluteten Raum. Große Teile des neuen Campus hat das Thüringer Unternehmen Ruben Peter Ausbau gestaltet und realisiert. „Es ist eine der größten öffentlichen Baustellen in Thüringen“, sagt Geschäftsführer Ruben Peter.
Handwerk seit Generationen: Ruben Peter Ausbau
Der Handwerksbetrieb besteht seit 125 Jahren. Ruben Peter führt ihn in vierter Generation, vor 30 Jahren hat er ihn vom Vater übernommen. Rund 120 Mitarbeiter sind heute in Floh-Seligenthal, einem Ort bei Schmalkalden am Südwesthang des Thüringer Waldes, beschäftigt. Niederlassungen gibt es in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Sachsen. Das Unternehmen überstand den Zweiten Weltkrieg und die DDR-Zeit und behauptete sich auch im vereinigten Deutschland.
„Das wichtigste Erfolgsrezept des Unternehmens sind qualifizierte, fleißige und loyale Mitarbeiter.“
Der zweite Grundsatz ist der Blick nach vorn: „Neue Felder erkennen, einen Schritt weiter sein als die Konkurrenz.“ Das schlimmste Prinzip für Peter ist: „Das haben wir schon immer so gemacht.“ Sein Ansatz gibt ihm recht. Die Firma arbeitet an großen Projekten im öffentlichen und privaten Sektor, sowohl im Neubau als auch in der Sanierung. Dazu zählen Krankenhäuser, Universitäten, Forschungsgebäude, Büros, Hotels und Schulen.
Mischung aus Handarbeit und Technik: das Handwerk entwickelt sich weiter
Das Handwerk ist im Kern dasselbe geblieben: Ruben Peter Ausbau errichtet Wände, baut Decken, verlegt Böden und gestaltet Räume. Verändert hat sich vor allem die Technik. „Früher haben die Mitarbeiter Putz, Platten und andere Baustoffe ins Gebäude getragen. Heute haben wir Transportmittel, Krantechnik, Aufzüge und dergleichen“, berichtet Peter. Die Montage ist technisiert: Estrich wird maschinell gemischt, gepumpt und von Robotern eingebaut. Auch bei Putz und Farbe kommen zunehmend Maschinen zum Einsatz.
Es geht aber noch weiter: „Gebäude werden mithilfe von Lasertechnik gescannt. Die Daten werden in eine Laserstation im Rohbau weitergeleitet“, erläutert Peter. Die Laserstation projiziert die geplanten Positionen als Linien oder Punkte auf Wände, Decken und Böden. „Die Monteure müssen die Maße nicht händisch aus dem Bauplan übertragen.“ Das erhöht die Genauigkeit – und spart bei Planänderungen Zeit: Soll eine Wand versetzt werden, werden die Daten angepasst. Die Laserstation zeichnet den künftigen Verlauf direkt an. Papierpläne gibt es kaum noch im Unternehmen.
Die neuen Technologien beschleunigen die Arbeit. „Trotzdem brauchen wir qualifizierte Mitarbeiter“, sagt Peter. „Nur diese können die Technik richtig und effektiv einsetzen. Sie müssen das Handwerk beherrschen und gleichzeitig mit modernen Technologien umgehen können.“ Das Unternehmen bietet deshalb Weiterbildungen und Schulungen an. Die Mischung aus Technik und Handwerk macht für Peter die Faszination aus. „Innenausbau ist eine Arbeit mit Herz und Verstand – da sehe ich auch die Zukunft des Berufs.“
Ruben Peter Ausbau: mit einem guten Team zum Erfolg
Im Unternehmen herrschen flache Hierarchien, um den Mitarbeitern Gestaltungsspielraum zu geben. „Die Projekte werden von einzelnen Teams übernommen, die unabhängig sind und eigene Entscheidungen treffen können“, berichtet er. Ein Beispiel: Für den Ausbau des Kunstmuseums Düsseldorf wurde der Betrieb im vergangenen Jahr mit einem internationalen Preis geehrt. Auf dem Foto der Preisverleihung in Paris ist das Projektteam zu sehen – nicht der Chef. Auch für seine Unternehmensführung und Berufsausbildung wurde der Betrieb mehrfach ausgezeichnet.
Wird Peter nach einem Highlight in der Firmengeschichte gefragt, nennt er ohne zu zögern die TauberPhilharmonie im baden-württembergischen Weikersheim nordöstlich von Heilbronn. „So einen Bau macht man nur einmal im Leben.“ Fotos zeigen einen Konzertsaal, der in hellem Holz gestaltet wurde. Runde Deckenleuchten verbreiten warmes Licht. Die Atmosphäre ist offen und klar.
Doch Peter blickt längst wieder nach vorn. „Wir beschäftigen uns seit Langem mit dem ökologischen, nachhaltigen Bauen“, sagt er. „Wir arbeiten zum Beispiel mit Holzbauplatten, Lehmbauplatten, einheimischen Rohstoffen und alternativen Dämmstoffen wie Schafwolle.“ Früher sei es vor allem darum gegangen, Gebäude richtig zu dämmen; heute werde der sommerliche Hitzeschutz immer wichtiger. Das Unternehmen baut inzwischen Kühldecken und andere Systeme in Räume ein, die für ein angenehmes Raumklima sorgen und sowohl heizen als auch kühlen können. Passend dazu führt ein neuer Auftrag die Firma nach Berlin: Sie hat den Zuschlag für den Ausbau der neuen Zentrale des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erhalten.














