
Treppen Schmidt: Tischlerhandwerk seit Generationen
Von Generation zu Generation: Treppen Schmidt verbindet Handwerk und moderne Technik
Von Schwibbögen bis Möbel – das Tischlerhandwerk in Thüringen verbindet Tradition, Handwerk aus Leidenschaft und moderne Technik auf besondere Weise. Seit Generationen prägen Tischler mit ihrer Arbeit Wohnräume, öffentliche Gebäude und das regionale Erscheinungsbild.
Seit 80 Jahren bauen die Tischler der Familie Schmidt aus Reinholterode bei Mühlhausen in ihrem Betrieb Treppen Schmidt Treppen. Nicolas Rothengast-Schmidt ist der Urenkel des Gründers und führt den Betrieb seit 2021. Auf den Rückhalt seiner Familie und seiner Mitarbeiter kann er immer zählen.
Vier Generationen Holz: die Zukunft der Tischlerei Schmidt
Auf einem Flug in die Ferne wanderten die Gedanken von Nicolas Rothengast-Schmidt zurück. Ein halbes Jahr lang hatte der junge Thüringer mit seinem Großvater gemeinsam im Familienbetrieb gearbeitet. Hand in Hand bewältigten sie alle Aufgaben, waren „best friends“. Dann brach Nicolas in Richtung Neuseeland auf.
„Eigentlich hat es mir richtig Spaß gemacht, in unserer Tischlerei zu arbeiten“, dachte er und fasste einen Entschluss. Als seine Eltern ihn überraschend besuchten, erzählte er ihnen, dass er sich gut vorstellen könnte, nach seiner Rückkehr in die Tischlerei einzusteigen und später die Nachfolge seines Vaters anzutreten – in vierter Generation.
Vor 80 Jahren, im Jahr 1946, hatte sein Urgroßvater Josef Schmidt den Betrieb in Reinholterode im Eichsfeld bei Mühlhausen gegründet. „Damals war es eine klassische Tischlerei mit Möbeln, Treppen, Türen bis zu Särgen“, sagt Nicolas Rothengast-Schmidt. Das Firmenjubiläum soll 2026 groß gefeiert werden, denn Josef Schmidt legte den Grundstein zu einem heute florierenden Unternehmen.
Die erste Fräsmaschine setzte neue Maßstäbe
Während der DDR-Zeit führte Josefs Sohn, Bernhard, die Tischlerei weiter und blieb unter dem Radar der Behörden, sodass der Betrieb privat bleiben konnte. 1992 übernahm der Vater von Nicolas, Ferdinand, die Führung. „Er baute ein neues Gebäude am Rand des Ortes – das war der Schlüssel zum Erfolg.“
Mit der Erweiterung des Platzes kamen moderne Geräte, zum Beispiel eine CNC-Fräsmaschine. Diese kann Werkstücke mit hoher Präzision herstellen. „Mein Vater war einer der ersten, die so eine Maschine in Thüringen eingesetzt haben“, sagt der Sohn stolz, „er hat innovativ gedacht und den Weg für eine moderne Tischlerei geebnet.“
Tischlerei Schmidt spezialisiert sich auf Treppen
Es folgten Veränderungen bei der Struktur des Angebots. „Wir haben uns ab sofort auf Bauelemente wie Fenster, Türen und Treppen konzentriert“, sagt Schmidt. Küchen oder Schränke wurden nicht mehr produziert. Die größte Neuerung erfolgte nach einer Beratung durch die Thüringer Handwerkskammer: 2004, vor mehr als 20 Jahren, fiel die Entscheidung für eine Fokussierung auf Treppen. „Die Treppen bringen das Geld, so die Empfehlung der Handwerkskammer.“ Aus „Tischlerei Schmidt“ wurde „Treppen Schmidt“.
Ferdinand Schmidt: Mit 60 Jahren aufhören, das war das Ziel
Die Spezialisierung war eine gravierende Wende – und ein Risiko, zumal 2007 und 2008 wirtschaftlich schwere Jahre waren. Die Tischlerei musste um Aufträge kämpfen, aber nach und nach pendelte sich die Lage ein und „Treppen Schmidt“ wurde ein bekannter Name in der Region und darüber hinaus. „Es hat sich gelohnt, diesen Weg zu gehen“, sagt Nicolas Rothengast-Schmidt, wie er seit seiner kürzlichen Heirat heißt.
Ab 2012 machte der Nachfolger in spe eine Tischlerausbildung und anschließend direkt den Meister. „Ich habe den Meister 2018 sehr gut abgeschlossen“, sagt er. Drei Jahre später übergab sein Vater ihm den Betrieb. „Sein Ziel war es immer, mit 60 Jahren aufzuhören.“ Das gelang und seit 2021 ist der heute 30-jährige Chef des Betriebs.
Wieder eine Zäsur, die der junge Mann mit einer großen Investition markierte: Eine Million Euro steckte er in die Treppentischlerei. Der Maschinenpark wurde ausgeweitet und erneuert. Mehr Mitarbeiter wurden eingestellt. „Wir haben unser Team von zwölf Mitarbeitern auf 22 verdoppelt“, erzählt er. Unter ihnen sind 14 Tischler, 13 Männer und eine Frau. Die familiäre Tradition, kluges Unternehmertum und Mut miteinander zu verbinden, führt Rothengast-Schmidt fort.
Hinter Treppen Schmidt steckt Familienpower
Dass die Nachfolge so gut gelang, schreibt Nicolas Rothengast-Schmidt vor allem seinem Vater und seiner vorausschauenden Planung zu. „Mein Vater hat sehr viel richtig gemacht“, sagt er dankbar. Die Grundlage für den reibungslosen Übergang sei das gute Verhältnis zwischen den Eltern und ihm gewesen – und auch die beiden älteren Brüder von Rothengast-Schmidt erklärten sich mit der Regelung einverstanden.
Ein Bruder eröffnete ein Online-Unternehmen für Raumspartreppen, der andere arbeitet als Wirtschaftsingenieur. Niemand blieb zurück, nachdem Nicolas in die Fußstapfen des Vaters trat. „Wir haben es hinbekommen, eine super Nachfolge zu machen, ohne dass sich jemand auf den Schlips getreten fühlt“, sagt er. Seine Eltern, Geschwister und er säßen immer noch bei Tisch zusammen und könnten sich in die Augen schauen.
Besondere Projekte übernimmt Ferdinand Schmidt
Mehr noch: Vater und Mutter unterstützen den Sohn im Betrieb. Nicht mit einer vollen Beschäftigung, aber an hervorgehobener Stelle. „Mein Vater ist mein wichtigster Mitarbeiter. Er kommt und geht, wie es ihm gefällt. Aber wenn ein Projekt ein bisschen spezieller und interessanter ist, gebe ich es ihm“, sagt er.
Ohnehin ist jede Treppe von Treppen Schmidt ein Unikat. Bauherren holen die Experten aus dem Eichsfeld, wenn sie eine individuelle Treppe in ihrem Haus haben möchten. Die Konstruktionen, die das Unternehmen anbietet, reichen von Treppen, die repräsentativ und raumfüllend sind, bis zu solchen, die sich auf engstem Raum nach oben winden.
Denkmalgeschützte Treppen werden saniert oder Faltwerktreppen gebaut, moderne, oft freitragende Treppen, die an ein gefaltetes Blatt Papier erinnern. Tritt- und Setzstufen greifen bündig und ohne sichtbare Überstände ineinander und bilden ein zickzackförmiges Band. Das Holz für die Treppen kommt überwiegend aus der Region.
Ausgefallenes Projekt für Treppen Schmidt: Eine herrschaftliche Treppe aus Räuchereiche
Nicht selten gibt es ausgefallene Projekte, bei denen die Treppe weit mehr ist als nur eine Konstruktion, die von unten nach oben führt. „Die Treppe ist dann selbst Objekt“, sagt Rothengast-Schmidt. Er berichtet von einem Auftrag, bei dem der Hausherr sich eine herrschaftliche Treppe wünschte. „Wir haben eine Treppe in Räuchereiche gebaut mit einem Geländer aus Flachstahl und einem besonderen Handlauf.“
Dieser war mit cognacfarbenem Leder ummantelt. „Der Mix aus verschiedenen Materialien, aus kalten und warmen Farben war besonders.“ Der Preis für die Treppe lag bei 40.000 Euro – ein außergewöhnliches Stück, das nur wenige Treppenbauer in Deutschland so erstellen könnten.
Übertarifliche Bezahlung und gemeinsame Aktivitäten bei Treppen Schmidt
Gute Mitarbeiter zu finden und zu halten, ist eine wichtige Aufgabe. Im Januar hat ein neuer, junger Meister im Betrieb angefangen, was Rothengast-Schmidt sehr freut. Ein übertarifliches Gehalt, gemeinsame Aktivitäten der Belegschaft und transparente Boni sind Strategien, mit denen er seinen Betrieb attraktiv macht. Außerdem: „Es macht Spaß, bei uns zu arbeiten“, sagt er.
Um als Handwerksbetrieb am Markt zu bestehen, hält er es für wichtig, die Augen immer offen zu halten und sich nicht auf dem Erreichten auszuruhen. „Wir haben zum Beispiel kürzlich den 3D-Bereich weiterentwickelt, sodass sich unsere Kunden ihre Treppe jetzt als 3D-Modell angucken können“, sagt er.
Eine andere Innovation ist die Zweigstelle in Hamburg. Rothengast-Schmidts Mann wohnt in der Hansestadt, sodass es sich anbot, sich dort nicht nur privat, sondern auch beruflich aufzuhalten. Inzwischen hat er dort regelmäßig Aufträge für individuelle Treppen.
Außerdem hat die Tischlerfamilie vor einigen Jahren gemeinsam ein Tiny House-Hotel mit acht Tiny Houses in Heilbad Heiligenstadt gebaut, das die Familie gemeinsam betreibt. „Das war eine gute Entscheidung“, sagt Rothengast-Schmidt. Zwar bleibt er hauptberuflich voll auf Treppen konzentriert, doch unbekannte Wege zu gehen und immer wieder über den Tellerrand zu gucken – darauf kommt es an.














