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Ein Bio-Acker in der Stadt

Sechs Hektar Land, gerade mal 2,5 Kilometer von Jenas Marktplatz entfernt – Norbert Sauter ging jahrelang an diesem Grundstück vorbei und dachte: „Das wäre ein schönes Stück Boden, um in der City Landwirtschaft zu machen.“ Gemeinsam mit Lutz Eggert, einem Imker, überzeugte er die Stadt, die Fläche vom Land Thüringen zu erwerben und ihnen zu verpachten. Sie gründeten die „Stadt Land Fluss Jena UG“ - eine Kooperative, die Bioland-zertifizierte landwirtschaftliche Einzelbetriebe zusammenbringt.

Norbert Sauter, gelernter Gemüsegärtner, vermietet dort nun Parzellen auf dem Acker als Gemüsebeete und leitet die Nutzer im „Organic Urban Gardening“ an: Sie können Salat, Mohrrüben und Co. anbauen und sich damit eine Saison lang selbst versorgen. Lutz Eggert führt eine Bienenzucht mit Bienen, die resistent sind gegenüber der Varroa-Milbe, einem der ärgsten Bienenfeinde. Und noch ein dritter Betrieb gehört bereits dazu: Matthias Unterreitmeier bewirtschaftet Streuobstwiesen und stellt Most her, der in einem Café der Stadt ausgeschenkt wird. 

Sauter ist oft gemeinsam mit seiner Frau und seinen Kindern Mateo und Ava draußen auf dem Acker: „Für mich ist das die vielleicht wichtigste Motivation für dieses Projekt: Dass man als Familie zusammen im Freien ist, eine gute Zeit miteinander verbringt und dabei noch produktiv ist. Das verbindet Menschen auf ganz besondere Weise.“ Die gemieteten Gemüsebeete werden vor allem von jungen Familien bewirtschaftet. Deren Kinder hatten im anfangs längst nicht alle Lust auf die Arbeit mit Hacke und Schaufel – im Herbst vergangenen Jahr wollten sie dann kaum wieder nach Hause. „Ich sehe das hier und auch bei Mateo und Ava immer wieder: Sie brauchen einen Schubs, aber wenn sie dann einmal draußen sind, sind sie begeistert.“ Die Gründer der „Stadt Land Fluss Jena UG“ betreuen auch mehrere Bildungsprojekte für den Nachwuchs: Lutz Eggert leitet eine Bienenzucht-AG und Bienenwanderungen, Norbert Sauter den Schulgarten an einer Schule mit schwer erziehbaren Jugendlichen. Diese Angebote wollen sie in Zukunft ausbauen.

Für mich ist das die vielleicht wichtigste Motivation für dieses Projekt: Dass man als Familie zusammen im Freien ist, eine gute Zeit miteinander verbringt und dabei noch produktiv ist. Das verbindet Menschen auf ganz besondere Weise.

Die Kooperative ist regional durch und durch, sie soll vor allem ein Projekt „in Jena, für Jena sein“: So produziert beispielsweise Lutz Eggert 1,5 Tonnen Honig pro Jahr, der ausschließlich in der Saale-Stadt verkauft wird. Die Imkereien, mit denen er zusammenarbeitet, vermarkten ihre Produkte ebenfalls in Mitteldeutschland. Norbert Sauter erklärt: „Wir wollen den Menschen hier zeigen, was vor Ort alles produziert werden kann. Und wir fordern auch von der regionalen Landwirtschaft den Erhalt und Aufbau der Natur. Hier ist es schön und so soll es auch bleiben.“

Wer ein Feld bestellen will, muss fleißig sein. „Landwirtschaft ist harte Arbeit“, weiß Norbert Sauter aus jahrelanger Erfahrung. Auf einem kleinen Gemüsebeet sind Hacken, Jäten und das regelmäßige Gießen aber gut zu meistern. Und echte Bio-Kartoffeln aus eigenem Anbau, schmecken nun mal viel besser als gekaufte. „Am Ende der Saison sitzen wir oft alle am Feldrand zusammen und probieren schon mal unsere Ernte, grillen das Gemüse über dem Feuer oder essen den Salat“, so Sauter. „Das sind ganz besondere Abende.“ Man ist stolz, wenn man weiß: Das habe ich selbst gesät und gepflegt – das ist meine Ernte!

 

Urheber: SZ

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