
Rose Saatzucht: Erfahrung trifft Detail
Rose Saatzucht in Erfurt: Landwirtschaft mit Blick zum Detail
Wer sich mit Landwirtschaft beschäftigt, weiß: Am Anfang jeder erfolgreichen Ernte steht gutes Saatgut. Genau hier setzt Rose Saatzucht in Thüringen an. Ein Besuch im Betrieb zeigt schnell, dass Saatgut hier nicht einfach produziert wird – es ist das Ergebnis sorgfältiger landwirtschaftlicher Arbeit, Erfahrung und echter Nähe zur Praxis.
Wenn man Rose Saatzucht in Erfurt besucht, merkt man schnell, dass Saatgut hier kein Nebenprodukt ist, sondern der Kern der landwirtschaftlichen Arbeit. Seit der Gründung 1933 beschäftigt sich der Betrieb von Annegret Rose mit der Erzeugung hochwertigen Saatguts – für Gemüse, Blumen, Heil- und Gewürzpflanzen sowie zunehmend auch für heimische Wildpflanzen.
„Es ist jeder mit der Erde verbunden und Nahrung brauchen wir alle. Deshalb ist Saatgut ein Gebiet, das für jeden interessant sein kann.“
Über 200 verschiedene Arten und Sorten wachsen jedes Jahr auf den Feldern und machen den Betrieb zu einem echten Spezialisten innerhalb der Thüringer Landwirtschaft. Annegret Rose nimmt uns mit in die Tiefen ihrer Felder und gibt uns einen genaueren Einblick in die Welt der Saat.
Mit Striegel, Blick und Erfahrung: die Arbeit bei Rose Saatzucht
Saatgutproduktion ist anspruchsvoll und beginnt lange vor der eigentlichen Ernte. Flächen werden gezielt ausgewählt, Fruchtfolgen geplant und Bestände regelmäßig kontrolliert. Besonders deutlich wird das bei der Unkrautregulierung. „Wir verzichten auf chemische Unkrautvernichtungsmittel“, erklärt uns Annegret Rose. Da diese chemischen Mittel immer stärker eingeschränkt sind, arbeitet Rose Saatzucht überwiegend mechanisch – etwa mit dem Striegel, einem harkenähnlichen Gerät, das Unkraut aus dem Boden zieht.
Wenn Annegret Rose durch ihre Felder streicht und auf den ersten Blick Pflanzen von Beikraut unterscheiden kann, merkt man sofort, dass hier die Erfahrung aus ihr spricht. Die Kulturpflanzen stehen sauber in der Reihe, mit gleichmäßigen Abständen von etwa 18 bis 30 Zentimetern. „Dann sieht man alle 20 Zentimeter die gleiche Pflanze wieder“, erklärt sie lachend.
Hat man dieses Muster einmal verinnerlicht, lässt sich Beikraut schnell erkennen. Dennoch braucht es bei der Saatzucht Geduld, Handarbeit und ausreichend Manpower. Frisch gepflanzte Bestände müssen erst gut eingewurzelt sein bevor sie gestriegelt werden können, sonst wird mehr Schaden als Nutzen angerichtet.
Rose Saatzucht: gezielt gedüngt, nachhaltig gedacht
Gedüngt wird gezielt und angepasst an die jeweilige Pflanze. Viele Wildpflanzen benötigen nur wenig Nährstoffe, während Starkzehrer wie Kürbis, Zucchini, Gurken oder Zuckermais deutlich höhere Ansprüche haben. „Wir düngen mit unserem Kompost“, erzählt Rose, „das ist das, womit wir zurechtkommen müssen.“ Der Kompost wird teilweise ergänzt durch Luzerne. Ziel ist ein gut versorgter Boden, der langfristig fruchtbar bleibt.
Der ökologische Landbau ist für Rose Saatzucht dabei keine Marketingentscheidung, sondern eine Überzeugung. Rose sieht den Ökolandbau als beste Möglichkeit mit Boden und Pflanzen umzugehen.
„Die allererste Aufgabe ist, gutes Saatgut bereitzustellen – gutes Gemüse, Heilpflanzen und Gewürzpflanzen.“
Denn das Ziel ist klar: Es braucht gutes Saatgut und der Boden soll gesund an die nächste Generation weitergegeben werden – als Grundlage für zukünftige Landwirtschaft.
Wetter und kritische Blicke entscheiden – was nicht standhält, scheidet aus
Wie in jeder Landwirtschaft spielt das Wetter auch bei Rose Saatzucht eine zentrale Rolle. Regen ist willkommen – idealerweise langsam und gleichmäßig. Annegret Rose berichtet, wie sie den Regen wahrnimmt: „Der Regen kommt – eigentlich gut, schön, langsam. Und für einige Kulturen ist er auch richtig gut. Aber die Windböen bereiten dem Feld den Garaus.“
Die Windböen können also problematisch sein, besonders bei hohen Blütenpflanzen. Bei Astern etwa wird gezielt nach Standfestigkeit selektiert. Pflanzen, die umknicken und im Herbst auf dem Boden liegen würden, liefern kein brauchbares Saatgut. Was hier nicht standhält, scheidet aus. So wird das Wetter selbst Teil der Selektion – übrig bleiben die Pflanzen, die mit den regionalen Bedingungen zurechtkommen.
Rose Saatzucht betreibt aber keine einfache Saatgutvermehrung. Vielmehr wird hier hingeschaut: stimmen Farbe, Wuchsform und Gesundheit? Bei den Astern werden falsche Farben konsequent aussortiert. Ziel ist sorten- und farbechtes Saatgut, das zuverlässig weitervermehrt werden kann. „Ungefrühstückt kann man hier nicht selektieren!“, versichert Annegret Rose. Denn Entscheidungen fallen dabei nicht immer leicht, vor allem wenn Pflanzen, die über Wochen gepflegt wurden, anschließend aussortiert werden müssen.
Die Sorten, die bei der Selektion als „richtig“ kategorisiert werden, werden auf Landesgartenschauen vorgestellt. Hier hätten Astern einen guten Ruf, erklärt Annegret Rose, denn sie blühen, wenn andere Blumen bereits verblüht sind, und halten bis zu zwei Wochen in der Vase. Aber auch für die aussortierten Blumen findet Rose Saatzucht Verwendung: Diese gehen an die Berufsschule für Floristik und dienen hier zu Lehrzwecken.
Ein besonderes Beispiel für Astern sind die sogenannten Lilo-Astern, die in Erfurt von Edith Bayer gezüchtet wurden. „Lilo-Astern zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihre klare gelbe Mitte zeigen und dadurch einen schönen Farb-Zweiklang bringen. Das ist ihr Sortenerkennungszeichen“, erzählt Rose und zeigt uns eine der Astern, die es deutlich macht: Die gelbe Mitte bildet einen schönen Kontrast zu den unterschiedlichen Blütenfarben – dunkelviolett, hellblau, rot, rosa, weiß.
Bei Rose Saatzucht: Handarbeit für heimische Vielfalt
Neben klassischen Kulturpflanzen spielen Wildpflanzen eine immer größere Rolle. Die Moschus-Malve etwa ist eine heimische Art aus Thüringen und Bestandteil regionaler Saatgutmischungen. Ihre Samen sind klein, schwarz und pelzig – jeder sieht ein wenig anders aus.
Wildpflanzen stellen besondere Anforderungen an die Saatzucht, da sie oft gleichzeitig in verschiedenen Entwicklungsstadien auftreten. Das mache die Arbeit komplex, aber auch spannend, findet Rose. Hinzu kommt die enorme Bandbreite an Saatgutformen: von relativ großen Samen bis hin zu feinstem Saatgut, das fast wie Staub wirkt. „Wir brauchen gute Augen und immer eine gute Hand, damit wir das Saatgut nicht verlieren“, erklärt Annegret Rose.
Die Komplexität von Roses Arbeit wird auch durch die Sedum-Art deutlich. Zu Beginn wird die Pflanze als Ganze geerntet und anschließend getrocknet. Der Prozess der Trocknung ist sehr langwierig, da die Pflanzen das Wasser ungern abgeben. Nach ungefähr einer Woche kann man aber mit dem Dreschen beginnen und danach die Pflanze reinigen. Dabei wird sie auf Reinheit und Keimfähigkeit untersucht. Wenn hier alles stimmt, ist die Saat bereit zum Verkauf.
Zwischen Möhren, Mitbewohnern und intelligentem Anbau
„Unser Angebot ist reichhaltig und vielfältig. Hamster brauchen diese Vielfalt von Kulturen“, erzählt Annegret Rose über die Feldhamster, die ab und zu auf dem Grundstück ihres Betriebs unterwegs sind. Sie sieht sie keineswegs als Schädlinge, sondern versteht, dass sie sich hier mit dem Angebot und der Feuchtigkeit wohlfühlen. Doch um ihre Produkte zu sichern, hat Annegret Rose eine ideale Anbauweise herausgearbeitet.
Regional verwurzelt, international gefragt: Rose Saatzucht
Annegret Rose blickt stolz auf den Erfolg ihrer Saatzucht: „Mit der Spezialisierung auf Saatgut sind wir ziemlich allein im Rennen.“ Die Kundschaft von Rose Saatzucht reicht von ökologischen Saatguthändlern über den Fachhandel bis zu Privatkunden. Regionale Handelsfirmen, die ökologisches Saatgut anbieten, sind treue Kunden. Aber auch international wird Saatgut verkauft – nach Österreich, in die Schweiz oder etwa nach Holland.
((Zitat links))
Wir sollten das Wissen und Können nicht aus der Hand geben. Und zum anderen brauchen wir die Qualitäten, die hier wachsen. Denn die bringen das mit, was hier gebraucht wird. – Annegret Rose
Annegret Rose sieht klare Vorteile im regionalen Anbau: Pflanzen, die hier wachsen, bringen genau die Eigenschaften mit, die unter den hiesigen Klimabedingungen gebraucht werden. Saatgut aus anderen Regionen oder Kontinenten benötigt oft erst eine lange Anpassungsphase.

© Das ist Thüringen / Ben Cupan
Saatgut: aus der Region zum internationalen Hit
Mehr als Luxus: Warum Blumen zum Leben gehören
Wenn man Annegret Rose in ihrem Betrieb sieht, wird schnell klar: Die Arbeit bei Rose Saatzucht ist gut durchdacht und das Angebot vielfältig. Blumen spielen hier eine besondere Rolle.
„Blumen gelten oft als Luxusartikel. Dabei brauchen wir sie genauso wie gutes Gemüse und eine gute Mahlzeit. Blumen sollen uns ansprechen, unser Inneres ansprechen und entweder ich finde sie schön oder ich finde sie nicht schön.“
Schöne Blumen schaffen also Ausgleich. Gerade in einem hektischen Alltag können sie etwas zurückgeben – Schönheit, Ruhe und Verbindung zur Natur.












