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Christopher Ernst: Florist aus Kindelbrück

Florist Christopher Ernst: Meister des Kreislaufs von Blüte, Reife und Zerfall

Der Florist Christopher Ernst aus Kindelbrück schafft Kunstwerke aus Blumen. 2022 wurde er Deutscher Meister der Floristen. Auf der Landesgartenschau in Leinefelde-Worbis gestaltet er die Blumenhalle. Ein Thema dort sind Kontraste – sie inspirieren Ernst. 

Aus Thüringen in die gesamte Bundesrepublik: creativladen

Christopher Ernst: der fahrende Florist aus Kindelbrück

Moos meets Kordel: Christopher Ernsts Arbeit ist mehr als Blumen

Christopher Ernst bei der Landesgartenschau: Gegensätze in einem ehemaligen Plattenbau

Weniger Gentlemen als früher: Blumen seltener als Geschenk

Zuckerbusch oder Tulpen: Christopher Ernst ist fasziniert von Blumen 

Seine Arbeit ist vielfältig. Das Fahrrad ist ein Blumentraum auf Rädern: Callas, Orchideen, Trommelstöcke sind in einem Behälter vorn am Rad arrangiert und fließen schier über. Das außergewöhnliche Arrangement ist die letzte Prüfungsaufgabe, die Christopher Ernst bei der Weltmeisterschaft der Floristen, dem World Cup Floral Art, im vergangenen Jahr in Den Haag abgelegt hat. Die Teilnahme am Wettkampf der weltbesten Floristen ist der vorläufige Höhepunkt seiner Karriere. 2022 wurde er Deutscher Meister – als erster Ostdeutscher und Thüringer. 

In diesem Jahr 2026 folgt wieder eine außergewöhnliche Aufgabe: Der 40-Jährige gestaltet die Blumenhalle auf der Landesgartenschau in Leinefelde-Worbis. Sein Talent, sein feiner Geschmack und seine künstlerische Ader haben ihn dafür prädestiniert. 

  • Fahrrad: Blumentraum auf Rädern

  • Fokus: Ernst konzentriert bei der Arbeit

Aus Thüringen in die gesamte Bundesrepublik: creativladen

Kindelbrück, rund 40 Kilometer nördlich der Gartenstadt Erfurt, ist das Zuhause von Ernst – hier wurde er geboren, hier betreibt er sein Geschäft „Creativ“ mit acht Angestellten und einem Lehrling. Er ist ein Familienmensch, seine Frau und seine Schwester arbeiten mit im Betrieb. Seine Kundschaft stammt aber nur teilweise aus dem 3.800-Einwohner-Ort – Ernst findet sie in ganz Deutschland. Er stattet Veranstaltungen von Messen über Hochzeiten bis zur Trauerfeier aus, auch Fernsehshows des MDR sind dabei. 

Christopher Ernst: der fahrende Florist aus Kindelbrück

Der Ort in Thüringen ist für das Netzwerk von Christopher Ernst eine gute Ausgangsbasis. „Ich nenne mich manchmal, fahrender Florist‘“, sagt er mit einem Lachen. Ernst habe Kunden in allen Ecken Deutschlands und Thüringen liege sehr zentral. „Zu vielen Orten habe ich von hier die gleiche Entfernung“, sagt er. 

Ernst ist großgewachsen, schlank und trägt gern dunkle Kleidung. Er hat ein offenes Gesicht mit braunen Augen und einem gepflegten Vollbart. Seine Haare trägt er zu einem langen Pferdeschwanz gebunden. Seine künstlerische Neigung lässt sich also erahnen, wenn man ihn trifft. Er hat sie früh wahrgenommen: „Schon als Kind wollte ich etwas Kreatives machen“, sagt er, „und Florist ist einer der kreativsten Berufe, die man ausüben kann.“ Ernst beweist, wie Handwerk, Kunst und Kreativität sich in visuell eindrucksvoller Weise verbinden lassen. 

2003 ging er in die Lehre und seine Ausbilderin erkannte sein Talent. „Sie förderte mich“, sagt er. Ernst entwickelte Ehrgeiz, machte schnell seinen Meister, wurde Ausbilder, Prüfmeister und begann dann an Wettbewerben teilzunehmen. Mittlerweile ist die Liste seiner Preise lang: Gold-, Silber- und Bronzemedaillen auf Bundes- und Landesgartenschauen, Blumenschauen, Meisterschaften, Ehrenpreise vom Bundeslandwirtschaftsministerium. 

Dass Ernst irgendwann bei der Weltmeisterschaft landen würde, war eine Frage der Zeit. Er belegte den 6. Platz – und war damit hochzufrieden. 

Moos meets Kordel: Christopher Ernsts Arbeit ist mehr als Blumen

Wer auf Ernsts Webseite mit dem bescheidenen Namen creativladen.com geht, sieht schnell, dass Ernst Schnittblumen häufig mit anderen Materialien verbindet. Frühlings- und Duftblumen werden in Wurzelwerk gesteckt oder mit Ästen, Moos und Zweigen gemischt, Jute, Leinen und Kordeln werden zum Binden und Gestalten genutzt. In Den Haag hat er in einem Blumenarrangement 200 kleine Spiegel integriert. Der Betrachter wurde Teil dessen, was er sah. 

Christopher Ernst bei der Landesgartenschau: Gegensätze in einem ehemaligen Plattenbau

Für die Landesgartenschau in Leinefelde-Worbis entwickelte Ernst ein ungewöhnliches Konzept: „Die Ausstellung thematisiert Gegensätze und den natürlichen Kreislauf von Wachstum, Blüte, Reife und Zerfall.“ „Illusion und Realität“, „Fruchtbar und öde“, „International und Heimat“, „Mystik und rational“ sind einige der Themen, zu denen Ernst die Blumenschau in einem ehemaligen Plattenbau in Leinefelde gestaltet. 

In den einstigen Wohnungen wurden die Zwischenwände entfernt, um neue Orte für die Blumenarrangements zu schaffen. „Die Ausstellung hat Galerie-Charakter“, sagt er. Der Florist bindet die Blumen zu künstlerischen Installationen, die in einem Rundgang über zwei Stockwerke betrachtet werden können. „Man sieht immer wieder ein neues Element, ein neues Feld, einen neuen Beitrag“, sagt er. So transportieren die Blumen Aussagen über die Natur und das Leben allgemein. „Begegnung und Trennung“ ist die letzte Station. 

Die Vergänglichkeit der Blumen lässt für Ernst den Moment, in dem eine Blüte ihre volle Schönheit entfaltet hat, nur noch mehr strahlen. „Es ist gerade das Besondere an der Floristik: Wir machen eine Kunst, die nur für einen bestimmten Zeitraum da ist“, sagt er. Diesen festhalten zu wollen, sei menschlich, aber es gehe um das Gegenteil: „Wir sollten die Momente besonders genießen, wenn wir die Blumen haben. Wenn die Zeit rum ist, bleibt die Erinnerung.“ In diesem Sinne sei ein Strauß Blumen wie ein gutes Essen. 

Weniger Gentlemen als früher: Blumen seltener als Geschenk

Blumen verschönern das Leben, aber immer weniger Menschen leisten sie sich. Der Dame des Herzens einen Strauß Blumen zu überreichen, ist selten geworden. „Es gibt nicht mehr so viele Gentlemen wie früher“, sagt Ernst. Blumen würden stärker zu einem Anlass verschenkt. Die Kunden werden weniger. 

Hinzu kommt, dass die Kosten in den vergangenen Jahren gestiegen sind: sowohl für die Blumen selbst als auch fürs Personal, von dem es ohnehin zu wenig gibt. Einen Vorteil hierfür bietet erneut der Standort Kindelbrück, denn hier sind die Gewerbemieten für Laden und Lager noch erschwinglich. 

Die Bedingungen für Christopher Ernst sind nicht leicht, aber sein Herz schlägt für Blumen und so bleibt er sich treu. Wer einen guten Blumenhändler suche, solle sich daran orientieren, ob dieser seinen Beruf mit Leidenschaft ausübt, rät er. „Es muss kein prämierter Florist, sondern es kann der Blumenladen um die Ecke sein“, sagt er. Der Unterschied zeige sich beim Umgang mit den Blumen. 

Zuckerbusch oder Tulpen: Christopher Ernst ist fasziniert von Blumen

Ernst begeistert sich zurzeit besonders für exotische Blumen wie Helikonien, tropische Blühpflanzen, Anturien, also Flamingoblumen und Protea, sogenannter Zuckerbusch, eine Gattung südafrikanischer Sträucher. „Das sind Blüten, die mich faszinieren, die ich sehr gerne verarbeite“, sagt er. Auch die Jahreszeiten mit ihren unterschiedlichen Blumen gefallen ihm – wunderschöne Dalien im Herbst oder Tulpen, Ranunkeln oder Fresien im Frühjahr. 

Seinen Stil beschreibt er als „mystisch, morbide und von spirituellen Elementen beeinflusst“. Nicht nur die Flora fasziniert ihn, auch die Fauna – eine Haltung, die von seiner ländlichen Herkunft stamme. Die enge Verbindung zur Natur ist das, was ihn prägt und was seine Designs immer wieder neu inspiriert.