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Garten- und Landschaftsbau: Begeisterung wächst

Zwischen Baggersitz und Feinarbeit von Hand: Garten- und Landschaftsbau in Thüringen

In Thüringen finden wir eine lange Gartenbautradition, die viele Tätigkeiten und Aufgaben verbindet. Garten- und Landschaftsbauer setzen Blumenzwiebeln und legen Wege an. Der Beruf vereint Technik und Pflanzarbeit. Er spielt sich tagaus tagein im Freien ab – eine Mischung, die dem jungen Struther Noel Schmerbauch besonders gefällt.

Ein fast vergessenes Dorf ist mit der Landesgartenschau in Leinefelde-Worbis aus der Vergangenheit zurückgekehrt. Noel Schmerbauch hat dazu beigetragen, die Überreste von Kirrode wieder nachvollziehbar zu machen. Er hat die Kirchenruine und die Friedhofsmauern mit Kalkstein-Trockenmauern nachgebildet und so ein Stück Mittelalter für die Besucher ins Heute geholt. 
Zwei Wochen lang hat er den gebrochenen Kalkstein aus einem Steinbruch mit seinen Kollegen von der LGM Landschaftsbaugesellschaft bearbeitet und die Steine kunstvoll aufeinandergesetzt. 

Das Beispiel zeigt, was für ausgefallene Aufgaben der junge Auszubildende des Garten- und Landschaftsbaus in seiner Lehre erhielt. Dabei besteht das Spektrum zunächst aus vielen grundlegenden Tätigkeiten. So pflanzte Schmerbauch Bäume, Hecken, Sträucher, Stauden und Zwiebeln, er setzte Trockenmauern, legte Wege an und baute Treppen – und wechselte dabei je nach Aufgabe zwischen dem Baggersitz und der Feinarbeit von Hand. Der Nachbau der Kirchenstruktur ragte heraus. „Das war auf jeden Fall etwas Besonderes“, sagt er. 

Garten- und Landschaftsbau: Entdeckungsreise durch die Pflanzenwelt

Ein anderes Highlight seiner Ausbildung war die Baustelle bei einer Firma in Kassel. „Dort haben wir die kompletten Außenanlagen gestaltet“, sagt er, „das war eine schöne Baustelle, weil wir viel Platz hatten.“ Die Baustelle vereinte die Kombination aus Bautechnik und Pflanzarbeit, die Schmerbauch mag. 

Der Beruf verbindet verschiedenste seiner Interessen: Schmerbauch gefallen Baumaschinen und die Tätigkeit im Freien. Körperliche Arbeit ist ihm nie zu viel und der Umgang mit Pflanzen war für ihn eine interessante und lehrreiche Entdeckungsreise. 

  • Blühendes Lächeln: Freude am Gärtnern

  • Garten- und Landschaftsbau: richtiges Werkzeug ist das A und O

Ein Bekannter weckte Schmerbauchs Interesse

Noel Schmerbauch wurde durch einen Freund auf den Beruf aufmerksam. „Ein Kumpel von mir hat einen Garten neu gemacht – das hat mich interessiert“, erzählt er. Ein wichtiger Grund: In der Ausbildung zum Garten- und Landschaftsbauer kommen jede Menge Maschinen zum Einsatz und die Azubis lernen den Umgang mit ihnen.  

Ein Schulpraktikum bei einem regionalen Betrieb bestätigte Schmerbauchs Wunsch. Da das Unternehmen keine eigene Ausbildungsbefugnis besaß, verwies es ihn an die LGM Landschaftsbaugesellschaft in Mühlhausen. Dort absolvierte der Struther ein weiteres Praktikum – anschließend wurde er im etwa zehn Kilometer entfernten Betrieb ins Ausbildungsverhältnis übernommen. 

Voraussetzung für Garten- und Landschaftsbau: die Liebe zum Handwerk

Schmerbauch, der in seiner Freizeit begeistert Fußball spielt, hat einen Realschulabschluss, aber ein bestimmter Abschluss ist nicht zwingend notwendig. Wichtiger als Zeugnisse seien ohnehin andere Eigenschaften, betont Michael Tasch, Geschäftsführer der LGM.

„Man muss die Liebe zum Handwerk mitbringen und ein Typ sein, der gerne draußen arbeitet."

Michael Tasch, Geschäftsführer der LGM

Es gäbe jährlich schätzungsweise nur fünf bis zehn Tage Wetter, wo es draußen wirklich schön sei. Meist sei es zu kalt oder zu heiß. Garten- und Landschaftsbauer dürfen nicht zimperlich sein.

Der Beruf verlangt Kompetenz auf mehreren Feldern. „Die Auszubildenden müssen Experten auf vielen Gebieten sein – sie müssen etwas vom Flachbau und Straßenbau verstehen“, sagt Tasch, „sie müssen aber genauso über Dachbegrünung, Teichbau und Botanik Bescheid wissen. Die Pflanzenkenntnis ist genauso Prüfungsinhalt." Grüne Berufe sind eben sehr vielseitig, egal ob es um Pflanzen oder Tiere geht. 

Unterricht in der Berufsschule: von Maschinenkunde bis Pflanzennomenklatur

 Der Unterricht an der Berufsschule findet im Blocksystem statt: eine Woche Schule, zwei Wochen Betrieb. Hinzu kommen überbetriebliche Lehrgänge, die eine Woche dauern: Maschinenkunde, Natursteinverarbeitung, aber auch die Pflanzennomenklatur stehen auf dem Lehrplan. 

Schmerbauch erklärt, wozu die lateinischen Bezeichnungen der Pflanzen taugen: „Sie sind international – sie sind überall auf der Welt gleich." Dass er sie inzwischen verinnerlicht hat, merkt man an einer beiläufigen Bemerkung: „Wenn ich Blumen verschenke, sage ich nicht mehr einfach Rose – dann kann ich auch den lateinischen Namen nennen." 

  • Garten- und Landschaftsbau: von Bodenarbeit bis Maschinen

  • Teamarbeit im Landschaftsbau

Die Aufgaben steigern sich über die drei Lehrjahre: Während Azubis im ersten Jahr vor allem assistieren, einfache Bodenarbeiten ausführen und Maschinenkenntnisse erwerben, übernehmen sie im dritten Jahr zunehmend selbstständig komplexere Baustellen – von der Planung über Erd- und Entwässerungsarbeiten bis hin zur eigenständigen Vor- und Nachbereitung ganzer Abschnitte.  

Die Landesgartenschau begleitete Schmerbauchs Ausbildung. „Aufgrund der archäologischen Funde wurden die Arbeiten immer wieder unterbrochen und dauerten insgesamt rund drei Jahre“, erzählt er. Die LGM ist auf dem ganzen Gelände tätig. „Wir haben für ein Generalunternehmen die gesamten Landarbeiten und Begrünungsarbeiten übernommen und waren unter anderem im Augarten und im archäologischen Bereich tätig“, sagt Tasch.  

Recycling im Gartenbau: alte Baumaterialien zur Gestaltung des Schaugartens

„Die LGM hat einen eigenen Schaugarten konzipiert und gebaut, mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit und Recycling“, erzählt Tasch. Ein Highlight: die Pergola aus Abbruchholz sowie Strukturen aus wiederverwertetem Baumaterial, die sonst auf dem Bauschutt landen. „Der Gedanke war: Muss alles neu sein – oder kann man vorhandene Materialien wieder in Wert setzen?“, sagt Tasch. 

Die wachsende Bedeutung des Garten- und Landschaftsbaus lässt sich nicht vom gesellschaftlichen Trend zu mehr Umweltschutz trennen: Schwammstadt-Konzepte, Dach- und Fassadenbegrünung, Retentionsflächen sind Aufgaben, die an Unternehmen wie die LGM vergeben werden. 

„Das Regenwasser soll da bleiben, wo es anfällt, und nicht in die Kanalisation geleitet werden", erklärt Tasch. „Man baut Retentionssysteme, damit das Wasser versickern kann und der Austrocknung der Städte entgegengewirkt wird." Auch Schmerbauch hat diesen Zusammenhang verinnerlicht: „Wir tun ja viel dafür, dass das mit dem Klimawandel ein bisschen zurückgeht – und die Dachbegrünung wird in den nächsten Jahren deutlich mehr." 

Neue Baumethoden, ökologische Anforderungen und Materialien erfordern kontinuierliche Weiterbildung – für Tasch ein Qualitätsmerkmal!

Garten- und Landschaftsbau: viele Möglichkeiten nach Abschluss der Ausbildung

Wer die Ausbildung abschließt, steht nicht am Ende eines Lernwegs. Der Beruf bietet strukturierte Aufstiegswege: vom Facharbeiter zum Vorarbeiter, zum Bauleiter, bis hin zur Weiterqualifikation durch Meisterlehrgang oder Studium. 

„Wir hatten Auszubildende, die anschließend Landschaftsarchitektur studiert haben", berichtet Tasch, „und andere, die sich bei uns zum Bauleiter weiterentwickelt haben." Auch für Quereinsteigende sei der Beruf eine ernsthafte Option: Menschen, die aus dem Büro ins Freie wollen, finden hier eine Alternative. 

Geschlechterspezifisch ist das Feld nach wie vor männlich dominiert – wenngleich sich das langsam ändert. „Wir haben auch weibliche Auszubildende gehabt – eine davon arbeitet heute noch in unserer Kolonne mit", sagt Tasch. Noel Schmerbauch blickt pragmatisch nach vorn: Seine Abschlussprüfung ist im Juni, dann will er weitersehen. „Spaß macht es auf jeden Fall noch – das ist schon mal das Wichtigste“, sagt er.