
TAIAO: Kichererbsen von süß bis salzig
TAIAO aus Zella-Mehlis: Kichererbsen made in Thüringen
Kloßdonut, Lasertechnik oder Grüne Fasern – Thüringen hat sich in den letzten Jahren zu einem lebendigen Standort für Innovation, Nachhaltigkeit und Start-up-Kultur entwickelt.
Die Wahl-Thüringerin Ivana Fontanini hat aus ihrer selbst erfundenen Snack-Idee das erfolgreiche Start-up TAIAO geschaffen. Damals führten sie persönliche Gründe nach Zella-Mehlis und nun hat sie sich hier neben ihrem privaten Leben auch beruflich etwas ganz Großes aufgebaut. Seit drei Jahren produziert und verkauft sie knusprige Bio-Kichererbsen mit aromatischer Hülle in Geschmacksrichtungen von süß bis salzig.
Gesund snacken aus Thüringen: wie TAIAO Kichererbsen zum Trend macht
Wie lassen sich der Wunsch, etwas zu naschen mit dem Bedürfnis, sich eiweißreich und gesund zu ernähren, verbinden? Die Antwort hat Ivana Fontanini vor einigen Jahren gesucht – und gefunden. „Kichererbsen!“, sagt sie. Dieser Snack erfüllt beides – und war damit perfekt. Die 35-jährige gebürtige Argentinierin probierte in ihrer heimischen Küche verschiedene Verfeinerungen der Hülsenfrucht aus und kam auf originelle Rezepte.
„Die ersten zwei Sorten waren Kichererbsen mit milder Paprika und mit Zartbitter“, erzählt sie. So fing 2019 alles an. Mittlerweile boomt TAIAO. Fünf Tonnen Kichererbsen wurden im vergangenen Jahr verarbeitet. Für 2026 hat sich Ivana die doppelte Menge vorgenommen. Die Nachfrage ist groß – TAIAO-Kichererbsen sind in Thüringen in großen Supermarktketten wie Rewe, Edeka oder Nahkauf, aber auch in Bio-Läden, Fitnessstudios und sogar Apotheken zu finden. Erste Supermärkte in Berlin, Bayern und Sachsen haben die Produkte ebenfalls im Angebot. Die Kichererbsen-Snacks aus Thüringen liegen im Trend.

© TAIAO
TAIAO Kichererbsen: vom Lager in die Verkaufsregale
Kichererbsen von TAIAO: reich an Eiweiß und Ballaststoffen
Was ist besonders an der Hülsenfrucht? „Sie ist reich an Eiweiß und Ballaststoffen“, sagt Ivana. Außerdem enthält sie Mineralstoffe wie Eisen, Magnesium und Phosphor, außerdem B-Vitamine. In unseren Breitengraden gilt sie häufig noch als exotisch und ist aus Falafel-Bällchen, Hummus oder Currys bekannt.
Doch in der Zubereitung aus Zella-Mehlis wird sie zum idealen Knabberzeug, zum süßen Snack bei jeder Gelegenheit oder zum Topping für Salate, Suppen, Desserts oder den morgendlichen Haferbrei. Bei der großen Auswahl an Geschmacksrichtungen ist hier für jeden etwas dabei. Fontaninis eigene Lieblingssorte ist Weiße Vanille („White Vanilla“), eine köstliche Verbindung aus dem mild nussigen Kern der gerösteten Kichererbse und einer süß-cremigen Vanillenote.
Der Name Kichererbse leitet sich übrigens vom lateinischen Wort cicer – Erbse – ab, sodass Kichererbse genau genommen Erbseerbse bedeutet.
Quereinstieg mit Biss: Ivana Fontanini startet in der Lebensmittelbranche
Nachdem Ivana Fontanini beschlossen hatte, aus ihrem privaten Snack ein Geschäft zu machen, lagen einige Aufgaben vor ihr. „Ich musste viel lernen“, sagt sie. Aus ihrer Heimat brachte sie eine Ausbildung zur Bürokauffrau mit. Dort und auch in Deutschland hatte sie in verschiedenen Unternehmen gearbeitet – „aber nie in der Lebensmittelbranche“.
Doch mit der Zeit fand sie heraus, welche Maschinen für die Produktion notwendig sind, wie ein Bio-Zertifikat erworben werden kann und wie sie die Thüringer Geschäftsleute für sich gewinnt. „Mit ihnen komme ich gut klar“, versichert sie.
Gründerin von TAIAO: von Esperanza nach Zella-Mehlis
In den Freistaat führte sie übrigens die Liebe. „Ich war 2014 für einen Englischkurs in Neuseeland. Im Hostel lernte ich meinen Mann kennen“, erzählt Ivana Fontanini. Schon ein Jahr später heirateten die beiden und Ivana verließ ihre Heimat, die argentinische Stadt Esperanza, östlich der Millionenstadt Cordoba. „Meine Familie war ein bisschen überrascht, aber auch nicht wirklich – ich bin halt so“, sagt die temperamentvolle Frau. Wenn sie erzählt, lacht sie viel. Die Begeisterung für ihr neues Leben springt auf ihre Gesprächspartner über.
Der Ort, an dem ihre Liebesgeschichte zu einem Thüringer begann, hat den Namen für ihr Business inspiriert. „TAIAO stammt aus der Sprache der Māori in Neuseeland“, sagt sie. Das Wort TAIAO steht für die enge Verbindung zwischen Mensch und Natur in der Māori-Kultur. Es bedeutet „natürliche Welt“, „Umwelt“, „Natur“ und „Erde“. „Natürlich sind auch unsere Produkte“, sagt Ivana. Sie sind biologisch rein und ökologisch hergestellt.
TAIAO: Kichererbsen aus Süditalien, Ideen aus Thüringen
Die Kichererbsen bezieht sie aus Süditalien. „Ich habe bisher auch mit einem Lieferanten von einem Biohof in Thüringen zusammengearbeitet“, berichtet sie. Im vergangenen Jahr verdarb aber ein Teil der Ernte durch starke Regenfälle. „Das Klima in Italien ist trockener und wärmer“, sagt Ivana Fontanini. Das Risiko, Teile der Produktion durch klimatische Schwankungen zu verlieren, ist geringer. Sie ist aber offen für neue Anläufe in der Region. „Am Weihnachtsmarkt hat uns ein Hof aus Sachsen angesprochen. Da stehen jetzt Gespräche an“, berichtet Fontanini.

© TAIAO
Ivana Fontanini: Gründerin von TAIAO
Alles wird von Hand gemacht
Die Geschäftsinhaberin ist zugleich die alleinige Herstellerin. Sie hat in Zella-Mehlis eine Fläche für die Produktion gemietet, wo Kochkessel, Röster und Dragierkessel stehen, aber auch viele Arbeitstische, denn das meiste geschieht von Hand.
Die rohen Kichererbsen werden 12 Stunden eingeweicht, danach gekocht, geröstet, gekühlt und veredelt, also zum Beispiel mit Schokolade überzogen, die möglicherweise mit Himbeerpulver versetzt wurde. „Es ist körperlich anstrengend, aber es macht mir großen Spaß“, sagt Fontanini. Zwischen den einzelnen Schritten liegen Wartezeiten, denn die Erbsen müssen auskühlen oder die Veredelung trocknen.
„Man kann sagen: Die Fertigstellung einer Tüte dauert vier Tage. Der Anspruch, ‘handwerkliche Herstellung‘ ist ernst gemeint“, sagt sie. Ihr ist dabei wichtig, dass es nicht zu viele Zutaten sind und dass die Kunden den Inhalt verstehen, wenn sie die Liste der Zutaten auf der Rückseite der Packung lesen.
Ist der Snack fertig, füllt Ivana Fontanini die Tüten ab. „Ich bin die Verpackungsmaschine“, sagt sie lachend. Dafür ein Gerät anzuschaffen, sei zu teuer. Das bunte Logo auf dem die Buchstaben „T-A-I-A-O“ über das Etikett zu tanzen scheinen, kommt als letztes auf die braune Tüte. Auf Anfrage produziert Ivana auch Kichererbsen-Snacks für andere Anbieter, zum Beispiel Hofläden oder Biomärkte. Thüringer Ministerien, mehrere regionale Firmen und die Handwerkskammer haben ihre Kichererbsen bereits als Präsente bestellt.
Für die Zukunft wünscht sie sich, weiter moderat zu wachsen und selbst etwas weniger zu arbeiten. Doch noch treibt ihre Mission die Geschäftsfrau voran. „Ich möchte viele Leute davon überzeugen, dass Kichererbsen etwas Gutes sind“, sagt Ivana Fontanini.







