
Zwischen Holmen und Bordbrettern: Arbeit als Gerüstbauer
Muckis und Mathe: Ausbildung zum Gerüstbauer
Helfer auf dem Weg nach oben: Gerüstbauer montieren auf Baustellen die Gerüste, auf denen Maurer, Maler oder Elektriker ihre Arbeit verrichten. Azubi Abdullah Al Shamsoki liebt die Arbeit zwischen Holmen und Bordbrettern. Die Gerüste wirken leicht und dürfen zum Beispiel an Brücken auch mal frei hängen. Außerdem kommt er rum. „Ich gelange an Orte, wohin ich sonst nie käme“, sagt er.
Seit fast zwei Jahren lernt Abdullah Al Shamsoki das Handwerk und ist schon ein echter Profi. Ihm gefällt die Mischung aus Technik, Aktivität und kluger Planung, die den Beruf ausmachen. Dabei standen zunächst Tischler oder Zimmermann auf der Liste seiner Berufswünsche.
Als die Zeit, ein Schulpraktikum zu finden, knapp wurde, schwenkte Abdullah Al Shamsoki um. Er bat einen Freund um Unterstützung, denn dieser arbeitete bei einem Gerüstbauer. Tatsächlich erhielt Abdullah kurzfristig bei der Josef Grund Gerüstbau GmbH in der Gartenstadt Erfurt einen Praktikumsplatz. Schon in den nächsten Sommerferien kehrte er zum Jobben zurück. Nach seinem Hauptschulabschluss trat er hier seine Lehre an.
Gerüstbauer: ein zukunftssicherer Job, den keine Maschine ersetzen kann
Inzwischen schließt der heute 19-Jährige bald sein zweites Lehrjahr ab. Er mag seine Arbeit. „Man steht auf der Höhe und kann runtergucken – das hat was“, sagt er. Außerdem sei sein Job zukunftssicher: „Gerüstbau wird niemals aussterben oder durch Maschinen ersetzt werden“. Abdullah ist im Nordwesten des Irak geboren und mit drei Jahren über die Türkei nach Deutschland gekommen. Er spricht Deutsch und Arabisch.
Seine Zukunft sieht er in Deutschland und der Beruf, den er erlernt, garantiert ihm einen sicheren Arbeitsplatz. Gerüste sind auf Baustellen unverzichtbar – und sie sind vielseitig. Es gibt Fassadengerüste für Häuser und Hallen, Flächengerüste, wenn große Arbeitsflächen gebraucht werden oder Hängegerüste, wenn man von unten nicht aufbauen kann, zum Beispiel unter einer Brücke. Historische Bauwerke wie Kirchen verlangen Sonderkonstruktionen. Dabei strahlen die Gerüste eine ungeheure Leichtigkeit aus.
Ungewöhnliche Orte: ein Gerüst für ein Elefantengehege
Sonderkonstruktionen, „Die mag ich besonders. Es ist schön, sowas zu sehen“, sagt Abdullah. Vor kurzem hat er mit seiner Firma eine Kirche eingerüstet. Da musste das Team prüfen, wie das Gerüst um die Ecken des Gebäudes herumkommt. Ein anderes Highlight seiner Lehre: der Aufbau eines Hängegerüsts. „Wenn man das hinterher sieht, ist man stolz.“
Ein anderer Aspekt, der ihm gefällt: „Ich komme an ungewöhnliche Orte“, sagt er. Gerüstbauer sind überall tätig – Josef Grund Gerüstbau hat beispielsweise ein Elefantengehege und ein Frauengefängnis eingerüstet. Abdullah war selbst bei den Arbeiten an einer Flaschenfabrik dabei. „An solche Orte käme ich sonst nicht“, sagt er. Von Erfurt über Frankfurt bis nach Bayern ist er auf Baustellen gekommen.
Zeichnen, Mathe und Anpacken: Vielfalt im Gerüstbau
In der Zeit seiner Ausbildung hat er alle Gerüstsysteme kennengelernt. Er hat den Umgang mit Stahlrohrkupplungen geübt, Modul- und Rahmengerüste aufgebaut und gelernt, wie sie sicher montiert, verankert und wieder abgebaut werden. „Viele denken – Gerüstbau, das ist doch easy, aber es ist nicht so einfach, wie man denkt. Man muss ganz schön überlegen, damit es hinkommt“, sagt er.
Bevor es an die Arbeit geht, müssen Pläne und Zeichnungen angefertigt werden. „Mathe und Physik gehören zum Beruf dazu“, sagt Abdullah, „Gott sei Dank war ich darin gut.“ So fallen ihm die Berechnungen leicht.
Er kann noch ein weiteres Talent bei seiner Arbeit einsetzen: das Zeichnen. „Wir erstellen Skizzen, wie das Gerüst an der Fassade aussehen soll“, erzählt er, „Darin bin ich ziemlich gut. Das ist meine Stärke und hier hole ich die meisten Punkte raus.“ Wer räumliches Denken hat und dieses auf dem Zeichenpapier umsetzen kann, ist bei dem Beruf klar im Vorteil.
Es ist auch ein körperlicher Job. Bauteile tragen, stecken, verschrauben, die Leitern hoch- und runterlaufen, sich zügig über die Gerüstbretter bewegen – das ist der Arbeitsalltag. „Kraft braucht man schon, aber es gibt auch Hilfsmittel wie Winden oder Mitnahmestapler, um schwere Lasten zu transportieren.“
Natürlich sichern sich die Handwerker ab. Ein Schutzhelm ist Pflicht, dazu Sicherheitsschuhe mit fester Sohle und Zehenschutz und Handschuhe.
Im Gerüstbau: ein Auffanggurt sichert vorm Sturz in die Tiefe
Wenn es gefährlich hoch ist, legen Gerüstbauer einen Auffanggurt an, der an einem festen Punkt am Gerüst oder am Gebäude eingehakt wird. Die Gerüste bekommen einen Seitenschutz, also Geländer, Zwischenholmen und Bordbretter. So kann niemand in die Tiefe stürzen.
Wesentlicher Teil der Arbeit ist die Befestigung des Gerüsts. „Es wird mit dem Gebäude verankert, damit es nicht kippt oder wackelt“, sagt Abdullah. Natürlich gehört auch ein ruhiges Verhalten zur Arbeit auf dem Gerüst: Dort wird weder gerannt, noch herumgealbert – es dürfen sich nicht zu viele Menschen oder zu viel Material gleichzeitig darauf befinden. „Es gibt sechs Lastklassen für Arbeitsgerüste, die Klassen 4 bis 6 sind die höchsten. Je mehr Gewicht, desto breiter wird das Gerüst“, erklärt Abdullah.
Angst vor Unfällen hat er keine. „Wenn etwas passiert, sind es oft Personen aus anderen Gewerken“, sagt er. Sie kennen die Vorschriften beim Gerüstbau häufig nicht.
Vertrauen und Spaß: Teamarbeit unter Gerüstbauern
Abdullah kennt sich mit den Fakten rund um Gerüste gut aus, hat die meisten Arbeiten schon selbst ausgeführt. „Wenn ich etwas ein- oder zweimal erklärt bekomme, kriege ich es allein hin“, sagt er. Gerüstbauer arbeiten im Team – in Gruppen von vier oder fünf gehen sie auf eine Baustelle und arbeiten zusammen. Jeder muss sich auf den anderen verlassen können. Spaß an der Zusammenarbeit ist auch etwas, das zum Beruf dazu gehört.
Damit die angehenden Gerüstbauer möglichst viel ausprobieren können, wird in der Berufsschule nicht nur Theorie, sondern auch Praxis geübt. Abdullah fährt nach Hessen zum Blockunterricht, weil es in Thüringen keine Berufsschule für Gerüstbauer gibt. Es ist ein Handwerk, das relativ neu ist. Seit 1991 ist es ein anerkannter eigener Ausbildungsberuf.

© Das ist Thüringen | Marco Fischer
Arbeiten im Team: Spaß und Unterstützung
Im Berufsschulunterricht werden neben allgemeiner Mathematik und Physik auch Lasten, Kräfte, Hebel und Stabilität berechnet. Außerdem gibt es Wirtschafts- und Sozialkunde, etwa wie Angebote aufgebaut sind, wie man Rechnungen versteht oder Projekte organisiert.
Am Ende der Ausbildung können die jungen Gerüstbauer alles, was zum Beruf dazu gehört. Abdallah will nach der Gesellenprüfung auf jeden Fall weitermachen. „Entweder mache ich direkt meinen Meister oder ich sammele zunächst praktische Erfahrungen“, sagt er. Von den Brettern, die seine Welt bedeuten, kriegt ihn niemand mehr runter.
Weitere spannende Infos zur Ausbildung im Handwerk und den Ausbildungsstellen gibt es hier:
https://www.jobtest-thueringen.de/
Oder auf den Seiten der Thüringer Handwerkskammern.
Den richtigen Vorgeschmack für das Berufsleben gibt es in einem Praktikum. Der Freistaat Thüringen belohnt dieses Interesse. Freut euch auf ein Ferienpraktikum im Handwerk – mit Praktikumsprämie!















