
Salon Schnittpunkt: Freundlichkeit gehört zum Job dazu
Zuständig für Glanzmomente: Friseurin mit Händchen für Hochsteckfrisuren
Eigentlich war sie auf dem Weg zum Abitur, doch dann kamen ihr Kamm und Friseurschere dazwischen. Die 19-jährige Emely Schott lernt im Salon Schnittpunkt in Jena. Eine gute Entscheidung, denn die Ausbildung ist der Start in eine sichere Zukunft – und die sieht nicht nur frisch frisiert gut aus.
Ihre Entscheidung hat viele in Staunen versetzt, doch Emely war von Anfang an von ihr überzeugt. „Früher wollte ich Tierärztin werden“, sagt sie. Ein Praktikum in der Kostümschneiderei eines Theaters zeigte der – damals noch – Gymnasiastin aber, wie viel Spaß es ihr macht, mit den Händen zu arbeiten.
Handwerk liegt in der Familie: schon Mutter und Großmutter erlernten es
Ihr kam der Beruf der Friseurin in den Sinn. Er ist eine familiäre Tradition: Emelys Mutter und Großmutter haben das Friseurhandwerk gelernt. „Und ich habe schon als Kind Frisuren an Puppenköpfen ausprobiert“, sagt sie lachend, „Heute frisiere ich Menschen für die wichtigen Momente des Lebens: den Abiball, die Konfirmation oder die Hochzeit.“ Der Spaß am Frisieren war ein Aspekt für ihre Entscheidung, aber auch der Wunsch, „direkt etwas zu tun und auch kreativ zu sein“.

© Das ist Thüringen | Marco Fischer
Übung an Puppenköpfen – Erlebnis wie aus Kindertagen
Emely entschied, die Schule zu verlassen. „Meine Lehrer waren zunächst skeptisch“, sagt sie, aber ihr Entschluss stand fest. In den ersten Monaten der Ausbildung lernte sie die vier Basishaarschnitte kennen: „Die kompakte Form, die ansteigend gestufte Form, die einheitlich gestufte Form und die graduierte Form“, zählt sie auf. Das kommt wie am Schnürchen. Emely steht kurz vor ihrer Zwischenprüfung.
Ausbildung zur Friseurin: Mithilfe von Social Media fand Emely ihre ersten Modelle
Schon früh durfte sie ihr Wissen ausprobieren – allerdings erstmal an Modellen, die sie im Bekannten- und Freundeskreis fand. Sie ist als schnittpunkt.emely auf Instagram und TikTok aktiv und so meldeten sich rasch Interessenten – Frauen und Männer, denn zur Ausbildung gehören auch Männerhaarschnitte und der Schnitt von Bärten.
Weitere Themen der Ausbildung waren Dauerwellen und verschiedene Einlegetechniken, wie die Wasserwelle. Wie für die Haarschnitte gab es hier ein spezielles Seminar, in dem die Inhalte vermittelt wurden.
In der Ausbildung wechseln sich die Arbeit im Salon und die Berufsschule ab. Dazu kommen Seminare, in denen Schwerpunktthemen behandelt werden.
In der Berufsschule: hier wird Kommunikation mit den Kunden gelehrt
Fast so wichtig wie der perfekte Schnitt ist der professionelle Umgang mit Kunden. Es geht darum, für jeden und jede den richtigen Ton zu finden und einen guten Kontakt zu ihr oder ihm aufzubauen. Emely hat ihren eigenen Dreh gefunden: „Beim Haarewaschen stelle ich ein paar fachliche Fragen. Wenn die Antworten kurz ausfallen, weiß ich, dass es ein Kunde ist, der nicht viel reden möchte“, sagt sie. Es macht ihr Spaß, sich mit den Kunden auszutauschen.
Besonders begeistert sie die kreative Seite der Arbeit. „Ich finde es toll, wenn ein Kunde mit Ideen kommt, die etwas verrückt sind“, sagt sie. Einer Freundin hat sie eine Kurzhaarfrisur mit einem Undercut geschnitten. Dabei werden die Haare an den Seiten und am Hinterkopf kurz geschnitten oder rasiert, während das Deckhaar länger bleibt. Die Fotos von dieser Veränderung hat sie gepostet: erst die neue Frisur, dann die früher schulterlangen Haare. „Meine Freundin ist mutig“, sagt sie.

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Die Locken mit einem frischen Schnitt in Szene setzen
Handwerk einer Friseurin: Haar-Accessoires verleihen der Frisur Eleganz
Auf Instagram zeigen ihre Fotos, wie viel Sinn fürs Schöne sie hat: Die Langhaarfrisuren fallen in lockeren Wellen wie bei Filmstars auf dem roten Teppich.
Eine andere Leidenschaft von ihr sind Hochsteckfrisuren. Emely schaut in ihrer Freizeit die Kanäle von Friseuren und Haarkünstlern an und versucht, von ihnen zu lernen. „Ich probiere aus, was ich sehe“, sagt sie. In ihrem Kopf seien so viele Ideen für kreative Frisuren. Sie möchte sie alle umsetzen.
Ausbildung bei Schnittpunkt: die Bewerber müssen vom Beruf überzeugt sein
Der Besitzer der zwei Schnittpunkt-Salons in Jena, Harald Wieser, hatte zuletzt keine Schwierigkeiten, Auszubildende zu finden. „Das liegt auch daran, dass nicht mehr viele Geschäfte ausbilden“, sagt er. Die Kosten für die Lehrlinge sind gestiegen und müssen zumindest in der Anfangszeit von den Kolleginnen und Kollegen erwirtschaftet werden.
Bei der Auswahl der Lehrlinge legt Wieser Wert darauf, dass diese den Beruf wirklich erlernen wollen. Er hat das Bewerbungsverfahren mit einem Praktikumstag gestreckt. So haben die Bewerberinnen und Bewerber Bedenkzeit und springen nicht ab, wenn der Lehrvertrag unterzeichnet ist.
Emelys Ausbilderin Stefanie Eisenberg sagt, dass das Bewerbungsschreiben eine große Rolle spielt. „Hier können wir sehen, ob jemand in der Schule viele Fehltage hatte oder eine Lehre abgebrochen wurde.“ Für sie ist auch wichtig, welche Fragen beim persönlichen Gespräch gestellt werden und was für ein Bauchgefühl am Ende auf beiden Seiten bleibt. „Nicht nur wir suchen uns Lehrlinge aus, auch die Lehrlinge suchen uns aus“, sagt sie.
Großes Ziel: auf Modenschauen die Mannequins frisieren
Emely hat schon ihre erste Stammkundin – „eine ältere Dame, die sich immer von mir frisieren lässt“. Ihren ehemaligen Mitschülerinnen und Mitschülern hat sie die Haare für den Abiball frisiert. Wenn sie ihre Lehre beendet hat, möchte sie mehr über Hochsteckfrisuren lernen und vielleicht einmal Mannequins für den Laufsteg frisieren. „Das würde mich interessieren“, sagt sie begeistert.
Mit ihrem Talent und Engagement beeindruckt sie ihre Ausbilderin. „Wenn sie eine tolle Hochsteckfrisur gemacht hat, schaue ich mir das an und frage, wie sie das hinbekommen hat“, sagt Eisenberg. Sie sieht die Lehrlinge auf Augenhöhe. „Es ist toll, wenn jemand im Team ist, der etwas so gut kann“, sagt sie und fügt hinzu: „So etwas geht nur mit Herzblut.“
Weitere spannende Infos zur Ausbildung im Handwerk und den Ausbildungsstellen gibt es hier:
https://www.jobtest-thueringen.de/
Oder auf den Seiten der Thüringer Handwerkskammern.
Den richtigen Vorgeschmack für das Berufsleben gibt es in einem Praktikum. Der Freistaat Thüringen belohnt dieses Interesse. Freut euch auf ein Ferienpraktikum im Handwerk – mit Praktikumsprämie!












