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Alexandra Bode: Dachdeckerin aus Erfurt

Powerfrau in luftiger Höhe: neue Perspektiven als Dachdeckerin

Wo andere Angst haben, wird es für sie interessant: Alexandra Bode aus Erfurt wird Dachdeckerin. Sie hat schon auf 55 Metern Höhe Ziegel wetterfest gemacht, ohne dass ihr schwindelig geworden ist. Die 23-Jährige liebt es, von ihrem Arbeitsplatz in die Ferne zu blicken. Und sie will noch höher hinaus. Nach ihrer Lehre will sie Industriekletterin werden.

Seit eine paar Wochen ist ihr Gesicht in ganz Deutschland zu sehen. „Komm doch, Zukunft!“ steht in Großbuchstaben auf einem Plakat der nationalen Handwerkskampagne. Daneben sitzt Alexandra Bode selbstbewusst mit einem Bohrer in der Hand. Die junge Frau mit den langen, rotbraunen Haaren und den blauen Augen paart Kampfgeist mit einer Prise Trotz. Krisenzeiten? Für sie nicht. „Handwerk fetzt!“, sagt sie. 

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Ausbildung zur Dachdeckerin: den Horizont erweitern

Drei Jahre lang hat sie alles rund um den Beruf gelernt: Ziegel auf Dächern befestigen, Dächer regensicher machen, Wärmedämmung oder Solaranlagen installieren, Regenrinnen und Fallrohre, aber auch Außenwandbekleidungen aus Holz, Blech, Schiefer oder Faserzement montieren. Alexandras Bild von dem Beruf hat sich im Lauf der Ausbildung immer mehr geweitet. „Früher haben Dächer und Häuser für mich einfach existiert“, sagt sie mit einem Lachen. Das ist lange her.

  • Gesicht der Handwerkskampagne: Alexandra Bode

  • Ausbildung bei der Bennert GmbH

Besonderer Fokus: Historische Bausubstanz erhalten

Der Betrieb, in dem sie gelernt hat, ist ein besonderer: Die Firma Bennert aus Klettbach, elf Kilometer südlich der Gartenstadt Erfurt, ist auf Denkmäler und Denkmalsanierung spezialisiert. Bennert hat bereits am Brandenburger Tor, der Wartburg und dem Schloss Neuschwanstein gearbeitet. Der besondere Fokus auf die Sicherung und Erhaltung historisch bedeutender Bausubstanz hat sich für Alexandra so ausgewirkt, dass sie mehr mit traditionellen Materialien wie Schiefer und Ziegeln gearbeitet hat, als dies andere Auszubildende tun. 

Schon in ihrem Praktikum vor der Lehre hat Alexandra Schiefer behauen und für die Kollegen auf dem Dach vorbereitet. Selbst aufs Dach durfte sie, sobald ihre Lehre begann. „Dächer sind ein einzigartiger Arbeitsplatz, das kann fast kein anderer Beruf toppen“, sagt sie. 

Eines der Highlights ihrer Ausbildung waren die Arbeiten auf dem Rathaus Lichtenberg in Berlin. Es ragt 55 Meter in die Höhe und das Dach musste sturmfest gemacht werden. „Es gab keinen Sturmklammerplan“, sagt Alexandra in Fachsprache. Also wurden alle Ziegel abgenommen und mit Klammern wieder eingesetzt. 

  • Dachdeckerin: arbeiten in der Höhe

  • Alexandra Bode: schwindelfrei, aber vorsichtig

Gurte und Sonnenschutz: Arbeitssicherheit in der Ausbildung zur Dachdeckerin

Alexandra ist schwindelfrei, aber sie ist vorsichtig. „Man muss sich selbst schützen“, sagt sie. Sicherheit auf dem Dach ist ein wichtiges Thema bei der Ausbildung, aber auch der Umgang mit Chemikalien und die Arbeit bei Wind und Wetter auf möglicherweise rutschigem Untergrund. Hier müssen schon junge Arbeitskräfte mitdenken, Gefahren erkennen und Entscheidungen treffen. Dazu gehören auch scheinbar banale Dinge wie einen Hut zu tragen, sich einzucremen oder Schattenpausen zu machen. 

„Die Aussicht mag ich am meisten“, sagt Alexandra. Aufgaben im Büro gibt es für Auszubildende nicht – und damit ist sie einverstanden. Die körperliche Arbeit gefällt ihr. Sportlich zu sein, ist eine gute Voraussetzung für den Beruf. In der Ausbildung müsse man zudem rechnen können. Neben der praktischen Arbeit besuchen die Azubis die Berufsschule und machen regelmäßig Lehrgänge zu Themen wie Kunststoff oder Blech. 

Wichtig und richtig für die berufliche Laufbahn: ein Praktikum

Das Thema Blech hat Alexandra in der Lehre für sich entdeckt. „Blecharbeiten haben mir großen Spaß gemacht“, berichtet sie. Dachdeckerinnen und Dachdecker verwenden Bleche unter anderem für Verkleidungen, Anschlüsse, Dachentwässerung und Dacheindeckungen. Eigentlich gibt es einen eigenen Beruf dafür: den Spengler, aber auch Dachdeckerinnen und Dachdecker müssen Hand anlegen. Um zu wissen, welcher Beruf der richtige ist, empfiehlt Alexandra, unbedingt ein Praktikum zu machen.  

„Gerade im Handwerk muss man sich ausprobieren, um festzustellen, was einem liegt und wo man seine Heimat findet.“

Alexandra Bode

In wenigen Wochen wird sie ihre Abschlussprüfung ablegen. Pläne für danach hat sie bereits: Alexandra will noch höher hinaus als bisher. Ihr Traumberuf ist Industriekletterin. „Das sind diejenigen, die bei Hochhäusern die Scheiben von außen putzen“, sagt sie. Andere Industriekletterer montieren oder demontieren Lichtreklamen auf Häusern, warten Funkmasten oder Windräder oder bauen bei Open-Air-Konzerten Bühnen auf. Von diesem Beruf träumt sie schon lange, und die Ausbildung zur Dachdeckerin war der erste Schritt in diese Richtung.

Mehr als Dachdeckerin: Alexandra Bode war Kandidatin bei Germany’s Next Topmodel

Kurz nach Beginn ihrer Ausbildung verabschiedete sie sich für einige Wochen, weil sie bei der Casting-Show „Germany’s Next Topmodel“ angenommen worden war. Sieben Runden lang kämpfte sich die 1,76 m große Frau nach vorn und schied dann aus. „Insgesamt war’s cool“, sagt sie. Obwohl auch sie nicht frei von Zweifeln an sich selbst sei, hätten Mut, Neugier und Weltoffenheit gewonnen. Eigenschaften, die ihr auch im Beruf helfen.

Ausbildung zur Dachdeckerin und zum Dachdecker in Thüringen

Berufsbezeichnung: Dachdeckerin oder Dachdecker


Ausbildungsdauer: 3 Jahre


Ausbildungsorte in Thüringen:

• Dachdeckerbetriebe im gesamten Freistaat

• Berufsschulen, z. B. in Erfurt oder Gera
 

Voraussetzungen:

• Haupt- und Realschulabschluss empfohlen

• Handwerkliches Geschick

• Schwindelfreiheit und körperliche Fitness

• Teamfähigkeit und Zuverlässigkeit
 

Ausbildungsinhalte:

• Decken von Dächern mit Ziegeln, Schiefer oder Metall

• Abdichten von Flächen und Bauwerken

• Wärmedämmung und Energieeffizienz

• Montage von Solaranlagen und Dachfenstern
 

Besonderheiten in Thüringen:

• Gute Übernahmechancen

• Förderung durch regionale Programme

• Vielfältige Einsatzorte

Weitere spannende Infos zur Ausbildung im Handwerk und den Ausbildungsstellen gibt es hier:

https://www.jobtest-thueringen.de/

Oder auf den Seiten der Thüringer Handwerkskammern. 

Den richtigen Vorgeschmack für das Berufsleben gibt es in einem Praktikum. Der Freistaat Thüringen belohnt dieses Interesse. Freut euch auf ein Ferienpraktikum im Handwerk – mit Praktikumsprämie!